Weil Halle schön ist

Festivalgründerin Kathrin Müller-Beck. (Foto: privat)

Wie kommt man darauf einfach mal ein Festival aus dem Boden zu stampfen. Warum zum Teufel dreht sich das Ganze ausgerechnet noch um Akkordeons? Und wieso findet das in Halle statt? Diese und andere Fragen stellte Kulturfalter-Redakteur Martin Große der Gründerin des Festivals Kathrin Müller-Beck.

Kulturfalter: Wie entstand die Idee, ein Festival zu gründen?

Kathrin Müller-Beck: Ich habe das akkordeon Akut gegründet. 2010 haben wir das Festival zum ersten Mal veranstaltet. Als ich das Festival ins Leben rief, war das eine Marktlücke in Deutschland. Ich hatte ein Akkordeonfestival in Wien besucht und fand die Idee wirklich abgefahren. Bei uns genießt das Akkordeon ja eher einen zweifelhaften Ruf. Ich fand es toll, dass man aber auch abseits des Musikantenstadls zeigen konnte, was es alles für coole Musik gibt. Von Anfang an begleite ich das Festival in Programm und Organisation. Mittlerweile füllen die beiden Punkte das ganze Jahr aus. Nebenbei arbeite ich mit einer halben Stelle an der Uni in Leipzig bei den Theaterwissenschaftlern.

Wie habt ihr mit dem Festival gestartet?

Es kam ganz viel zusammen … Ich war mit dem Studium fertig, ich war diese Generation Praktikum. Meinen Traumjob wollte mir keiner geben. Ich wollte im Bereich Kultur- und Eventmarketing arbeiten. Also was macht man? Man kreiiert sich selbst seinen Job. Das war alles ganz neu und aufregend – was es jetzt auch immer noch ist. Damals war auch Frank Heinecke noch mit dabei. Er hat früher für die Theatrale gearbeitet und bekam aber vor dem ersten Festival einen Job als Kulturmanager in Meiningen.



Wie waren die ersten Reaktionen auf die Idee – woher kam das Geld?

Wir haben Fördermittelanträge geschrieben. Wir versuchten es zum ersten Mal für das Jahr 2008/09 und sind erstmal durchgefallen. Davon haben wir uns aber nicht abschrecken lassen, haben Gespräche geführt und das Projekt weiter vorgestellt. Schließlich gab es dann für das Jahr 2010 eine Minimalförderung von der Stadt und dem Land. Damit konnten wir eine erste Ausgabe starten. Damals ging das Festival über vier Tage. Heute sind wir bei elf. Wir hatten auch anfangs gar nicht vor, das dauerhaft weiterzuführen. Aber die erste Ausgabe lief gut, die Idee war noch nicht erschöpft, also organisierten wir die zweite Ausgabe und dann die dritte und so weiter ...

Spielst du selber Akkordeon?

Nein, aber ich komme aus einer musikalischen Familie. Ich bin mit Klavier und Klarinette aufgewachsen. Manchmal war es mir schon fast zu viel Musik bei uns zu Hause. Wir hatten ein großes Zimmer voller Musikinstrumente – außer einem Akkordeon.

Was für ein Publikum kommt zu den Konzerten?

Das Publikum ist gemischt. Wobei man sagen muss, dass die ganz jungen Zuschauer fehlen. Also Studenten würden wir uns mehr wünschen. Wir versuchen sie direkt anzusprechen, was auch funktioniert, wenn wir etwa das Hühnermanhatten bespielen. Ansonsten besuchen uns viele Hallenser, aber auch Akkordeonfreaks, die von überall anreisen.

Du finanzierst das Ganze auch mit Sponsoren. Wie überzeugt man solche im Flachland davon, ein Akkordeonfest zu unterstützen?

Man braucht viel Geduld und muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Auf einmal hat man einen Draht und es passt alles zusammen. Der Sponsor BMW wollte sich beispielsweise mehr in Halle engagieren und mit dem Festival kann man eine Geschichte erzählen. So kam es zur Zusammenarbeit. Und ohne diese hätten wir nicht so wachsen können.



Warum findet das Festival in Halle statt, wo du doch in Leipzig wohnst und arbeitest?

Weil Halle schön ist. Zum anderen kommt Frank Heinecke aus Halle. Als er unser Team verließ, habe ich überlegt, ob wir hier weitermachen und mein Bauchgefühl lag bei Halle. Ich mag die Stadt und die Mentalität. Also Halle.

Wie findet ihr selbst die Musik?

Die finde ich gut. (lacht) Es ist immer ein Abwägen zwischen Musik, die ich gut finde und dem Publikumsgeschmack. So ein Konzert muss sich klar auch verkaufen. Also kommen auch Bands, die nicht unbedingt meine Lieblingsmusik spielen. Außerdem bauen wir gerne Ensembles zusammen wie mit Axel Prahl in der Vergangenheit und aktuell mit Rainald Grebe. Da entstehen immer sehr spannende Sachen.

Wieviele Besucher kommen jedes Jahr zum Festival?

Das lässt sich nicht ganz exakt sagen, da wir auch kostenfreie Angebote stellen, bei denen die Besucher nicht erfasst werden. Aber ich schätze um die 4000 Besucher zu jeder Ausgabe werden es sein.

Nächstes Jahr gibt es die zehnte Ausgabe des Jubiläums. Hast du schon Ideen dafür?

Ganz viele. Ich würde gerne die Sonderprojekte, die wir angestoßen haben, einladen und spielen lassen. Außerdem würde ich gerne solche verrückten Sachen wieder machen, wie das Stadtbad von Halle bespielen. Da konnte man während des Konzertes schwimmen und Wahlgesänge mit improvisierten Akkordeonjazzklängen anhören.