Das Gesicht des Terrors

Bereits im Maiheft 2009 berichtete Kulturfalter von „Carlos – der Schakal“, damals fand nämlich gerade ein wichtiger Teil der Dreharbeiten in der Halle Messe statt. Jetzt kommt der Film als groß angelegte Biographie des berühmt-berüchtigten Terroristen Carlos ins Kino und ist überraschend fesselnd, trotz einer Länge von mehr als drei Stunden.

Ilich Ramirez Sanchez, am 12. Oktober 1949 in Caracas geboren, wird in den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts zum Sinnbild des internationalen Terrorismus. Mit spektakulären Aktionen verschafft er der Volksfront zur Befreiung Palästinas Gehör, um dann, nach der Gründung einer eigenen Truppe, zum Söldner zu werden, geschützt durch etliche Ostblockstaaten. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges wird er von sämtlichen Geheimdiensten der Welt gejagt und 1994 im Sudan verhaftet. Der französische Regisseur Olivier Assayas folgt der Blutspur des Mannes, der in den Medien als Phantom einen zweifelhaften Ruhm genießt, arbeitet aber nicht nur einfach die Fakten ab, sondern erzählt Carlos Geschichte wie die Karriere eines Rockstars, der an der eigenen Selbstüberschätzung scheitert.

Hauptdarsteller Edgar Ramirez, der in mindestens fünf Sprachen spielt, verschmilzt förmlich mit seiner Carlos-Rolle, aber auch die restliche internationale Besetzung kann sich sehen lassen. Zum deutsches Ensemble gehören Nora von Waldstätten als Carlos’ Ehefrau Magdalena Kopp, Alexander Scheer als sein Weggefährte Johannes Weinrich, sowie Christoph Bach, Udo Samel und Jule Böwe. Für seinen Film hat Olivier Assayas jahrelang Recherchen betrieben, das daraus entstandene Drehbuch, verfasst von Assayas und  seinem Koautor Dan Franck, basiert ausschließlich auf Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen und Polizei-Akten. Die französisch-deutsche Koproduktion entstand in Zusammenarbeit mit der hallischen Egoli Tossell Film-Production. In Halle wurde die Messe zur Kulisse des OPEC-Hauptquartiers in Wien, auf das Carlos 1975 einen spektakulären Anschlag verübte. Auf einem Areal von 2000 Quadratmetern entstanden Konferenzräume, Büros, Foyers und Fahrstühle, um den historischen Anschlag nachzugestalten – eine Sequenz, die gleichzeitig den Mittel- und Höhepunkt der Saga bildet.