Spannende Buchtipps und aufschlussreiche Rezensionen

Abwechslungsreiche Rezensionen - jeden Monat bei uns. (Foto: BarnImages)

Bücher sorgen für schneller schlagende Herzen oder nervöse Blicke. Mit einer guten Geschichte in den Händen kann man wunderbar entspannen oder die Nacht durchlesen. Welches Buch sich lohnt, welcher Schriftsteller eine interessante Story erzählt und was zum Schnökern einlädt, erfahrt ihr in unseren Rezensionen.

Die Literaturexpertin von MDRKultur Katrin Schumacher und die Kulturfalter-Redakteure stellen neuen Lesestoff vor. Außerdem: Augen auf halten, wir machen auch Gewinnspiele.


TIPP Stefan Bürger: Der Freiberger Dom

Üblicherweise werden Kirchenbauwerke als räumlich und zeitlich abgeschlossene baukünstlerische Werke beschrieben. Die zeitliche Eingrenzung folgt der Idee, sie einem Stil und einer Epoche zuzuordnen und sie vom Baubeginn bis zur Weihe als zeitlich abgeschlossenes Projekt zu verstehen. Verbindungen der Bauelemente untereinander oder das Zusammenspiel mit Werken anderer Kunstgattungen werden allenfalls vor dem Hintergrund aufeinanderfolgender Bau- und Ausstattungsphasen beleuchtet. Doch die Funktionsfähigkeit mittelalterlicher Kirchen begann nicht erst mit ihrer Vollendung. Ihr vielfältiger und auch wechselhafter Gebrauch hinterließ höchst interessante Spuren. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professor Stefan Bürger ist diesen Spuren im Freiberger Dom nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer vom Üblichen abweichenden Kunstbetrachtung sind in diesem Buch nachzuverfolgen. Die Plausibilität dieser äußerst anregenden und insgesamt auf historische Architekturen übertragbaren Annäherung wird in diesem Buch gesteigert durch eine Vielzahl exzellenter Fotografien. Bauwerke tragen das Prozesshafte, historischer Abläufe in sich. Indem dieses Buch anhand eines exemplarischen Bauwerks dazu einlädt, sich in einem Raum durch die Zeiten zu bewegen, regt es zu neuen Betrachtungsweisen an. Es beschreibt im wahrsten Wortsinne anschaulich, wie Räume eben keine simultanen Bildkonzepte sind, sondern wie durch die Bewegung in ihnen eingeschriebene historische Erzählungen nachvollziehbar werden.

Genre: Roman // Verlag: Janos Stekovics

TIPP Jessica Lee: Tagebuch einer Schwimmerin

Zugegeben, es ist noch ein bisschen früh im Jahr, um in den Hufeisensee oder den Heideseezu steigen. Aber mit diesem Buch in der Hand ist das Anbaden im Frühjahr gleich ein bisschen näher gerückt. Die Kanadierin Jessica Lee beschreibt, wie sie nach Berlin zieht und dort vor Einsamkeit eine irre Idee hat, nämlich jede Woche in einem anderen See zu schwimmen, sommers wie winters, ein Jahr lang. Ihre Regel: kein Auto, kein Neopren, die Seen mussten per Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Das Projekt gegen die Großstadttristesse und eine handfeste Depression ist schließlich ein Buch geworden, das es in sich hat. Durch Großstadtdschungel und Kiefernwälder führen Jessica Lees Wege ans Wasser – immer auf der Suche nach dem noch kühleren Element. Denn den wahren Kick gibt der Wassersüchtigen erst der eiskalte Wintersee. Neben poetischen, philosophischen und auch witzigen Natur- und Kulturbeobachtungen ist ein Lageplan zu den 52 ausgewählten Berliner Seen dabei. Anregendere Badelektüre lässt sich kaum finden – höchste Zeit eigentlich, dass solch ein Buch auch über Hufeisensee und Co. geschrieben wird …

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Dumont Verlag

TIPP & REZENSION Haruki Murakami: Band 1 - Eine Idee erscheint

Da ist er wieder, dieser typische Murakami-Held, den man eigentlich gar nicht „Held“ nennen mag, sondern vielleicht eher eine aus Versehen in den Mittelpunkt gerückte Nebenfigur: ein namenloser und etwas farbloser Mann Mitte 30, ein Künstler, aber einer der etwas uninspirierten Sorte, Auftragsmaler für Porträts, ein perfekter Handwerker aber ohne große Ambitionen. Dieser namenlos eHeld wird gleich zu Beginn des Buches von seiner Frau verlassen, was ihn in eine ziellose Reise quer durch Japan stürzt. Sein wenig Hab und Gut stopft er in einen kleinen roten Peugeot 205 und landet schließlich in einem alten Atelierhaus am Berg. Dort wartet er ab, was das Leben mit ihm macht. Kurz nach dem Einzug in das Haus am Berg nun meldet sich ein Mann, der dem Maler obszön viel Geld bietet, falls er ihn porträtiert. Während der Entstehung des Porträts geschieht Unheimliches: feine Glöckchen klingen in einem verlassenen Grab auf dem Grundstück, ein Zwergenwesen materialisiert sich aus einem Gemälde heraus. Und diese kleinen unheimlichen Begebenheiten sorgen für einen Beleuchtungswechsel im Roman, plötzlich wirkt alles verdächtig übernatürlich. Die Erzähltechnik Murakamis erinnert an die eines Malers: Auf seiner literarischen Palette mischt er Alltägliches mit Magischem. Den ästhetischen Zerfall in hohe Kunst und höchst Banales muss man aushalten bei der Lektüre. Auch die Zweigeteiltheit des Romans tut ein wenig weh, denn leider endet er mit einem hanebüchenen Cliffhanger. Trotzdem bleibt die Freude auf den zweiten Teil, der im April erscheinen wird. Denn, auch das ist typisch Murakami, nach den ersten 500 Seiten ist kaum auszumachen, welches Gemälde schließlich nach 1.000 Seiten vor Augen steht.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Dumont Verlag

TIPP & REZENSION Angela Steidele: Anne Lister. Eine erotische Biographie.

Sie kam aus Yorkshire, sie liebte Frauen und sie rockte das beginnende 19. Jahrhundert: Anne Lister, die Landadlige, die ein heftig pikantes und dabei äußerst ausführliches Tagebuch hinterließ. Sie war ein Schuft, ein Wüstling, eine Heiratsschwindlerin, belog und benutzte die ihr verfallenen Frauen und nahm sich in jeder Hinsicht was sie wollte. Trotzdem betete sie das weibliche Geschlecht an, war die perfekte Donna Juan. Ihr Tagebuch verfasste sie teils in einer Geheimschrift – die jedoch durchaus zu entschlüsseln war... Die Aufzeichnungen aus einer anderen Zeit wiederum haben es der Kölner Schriftstellerin Angela Steidele angetan, die jenes erotische Diarium zur Grundlage ihres neuen Buches gemacht hat. Hier zeichnet sie das Porträt einer schillernden Person, die im Gegensatz zum vermeintlich keuschen viktorianischen Zeitalter lebte: Poesie und Pornographie ineins. Anne Lister ist nicht die erste historische Persönlichkeit, die Angela Steidele zu Literatur macht. Für ihrem Roman „Rosenstengel“ über eine Frau, die sich im 18. Jahrhundert als Mann ausgegeben hat, bekam die 48jährige den Bayerischen Buchpreis. Auch ihr neues Buch ist durchzogen von der Lust am Text, ist eine beglückende Recherche in historischen Dokumenten, die beim Lesen heiße Ohren macht.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Matthes & Seitz

REZENSION Simone Buchholz: Beton Rouge.

Tresen. Mit denen hat sie‘s. Da werden Freundschaften geschlossen, Lieben angefangen und beendet, Lebensweisheiten verteilt und nicht zuletzt wird dort knallhart ermittelt. Was ist passiert, wenn eines Morgens vor einem Hamburger Großverlag ein nackter misshandelter Manager in einem Käfig auftaucht? Haben wir es mit einem Bandenkrieg zu tun? Einer Privatfehde? Kritik am Kapital? Staatsanwältin Chastity Riley kommt dem auf die Spur – dafür muss sie 380 Seiten lang durch ganz schön viele Bars auf St. Pauli ziehen. Was ihr beim Denken genauso hilft wie beim Leben. Simone Buchholz hat die schroffste, auf spezielle Weise auch schönste, auf jeden Fall trinkfesteste Krimiheldin der deutschen Literatur erfunden, Und: sie hat ihr eine ganz besondere Sprache gegeben: Abgekocht, kühl, und dann wieder rasant poetisch. „Der Regen stellt Wände in die Nacht.“ Welch ein erster Satz! Beton Rouge ist schon der siebte Fall für Chastity Riley. Und das Prinzip der Serie, das ja bestenfalls ein Prinzip der Sucht ist, funktioniert hier fabelhaft.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Suhrkamp

TIPP & REZENSION Zadie Smith: Swing Time

Sie ist wieder da: die schöne Londonerin mit dem Turban, die in aller Regelmäßigkeit mit Zeitgeistliteratur begeistert und nun in ihrem fünften Roman vom Aufwachsen zweiter britischer Mädchen mit jamaikanischen Wurzeln erzählt. In der Ballettschnupperstunde begegnen sich Tracey und die namenlose Ich-Erzählerin zum ersten Mal, an einem Samstag im Jahr 1982. Auch wenn beide eine Mixtur aus einem weißen und einem jamaikanischen Elternpart sind, kommen die Siebenjährigen doch aus verschiedenen Welten. Tracey ist die Prinzessin ihrer übergewichtigen und Akne geplagten weißen Mutter, die Korkenzieherlocken der stupsnäsigen Kindschönheit reichen bis zum Popo, der wiederum in einem raschelnden Rüschenrock steckt, Bling-Bling, der Sozialwohnungssituation zum Trotz. In einer Sozialwohnung lebt auch die Ich-Erzählerin mit ihrer politisch hyperaktiven Mutter, die sich aus feministischen Gründen nicht schminkt, einen raspelkurzen Afro trägt, und die ihrer Tochter als stolze Erscheinung vorangeht. Mit der Beschreibung zweier sehr gegensätzlicher Familienlooks beginnt Zadie Smith ihren vom ersten Moment an packenden Roman, der mit der Freundschaft der siebenjährigen Mädchen beginnt, ihre Tanzleidenschaft und die Träume einer Karriere ausbuchstabiert. Man nimmt sie der Autorin allesamt ab, die Milieutauchgänge, sei es in die Popindustrie oder in das Schulkinddasein in London, oder sei es ein langsam nach Europa ausblutendes afrikanisches Dorf, in das die Ich-Erzählerin reist. Dabei entsteht ebenso ein Zeitbild wie ein überzeitliches Nachdenken über Herkunft und das, was ein gutes Leben ausmacht. Politik und Popstardasein, Erwachsenwerden und Ethnoclash: Zadie Smith steckt all dies in ihren belletristischen Mixer und drückt in sprachlicher und erzählerischer Brillanz auf den Knopf.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Kiepenheuer & Witsch // Umfang: 640 Seiten // Preis: 24 Euro

REZENSION Jana Hensel: Keinland

Es ist kein Zusammenkommen in diesem Liebesroman. Die in der DDR aufgewachsene Nadja hat ihr Land an das Scheitern der sozialistischen Utopie verloren. Martin Stern, Nachkomme ermordeter deutscher Juden, hat sein Land an die Greuel der Nazis verloren. Nadja lernt Martin kennen, weil sie ihn interviewen muss, und sie weiß beim ersten Treffen: Sie will. Seine Hände, in sein Bett, sein Leben. Erstmal kommt sie nur in sein Auto, er zeigt ihr den See Genezareth, das Land und auch die israelische Mauer. Sie reden über Meinland, Deinland, Keinland, sie reden überhaupt viel, nur nicht über die Zukunft. Ein Jahr dauert die Beziehung. Bis Nadja sich eingestehen muss: bei aller Liebe, sie kann ihn nicht ändern, nicht binden. Ihre Liebesgeschichte zweier Versehrter stattet Jana Hensel mit Mauern, Gedenkstättenbesuchen und lauen Nächten in Tel Aviv aus. Der Roman ist nicht nur sprachlich fein gesponnen, auch die Perspektiven, die Rückblenden, die Zeiten sind behutsam und klug zu einer Erzählung geschichtet. Erinnerungen werden bewegt und immer wieder aufs Neue zusammengelegt, wie ein Meeressaum seine Kiesel am Rand mit jedem Anbranden neu formiert. Der Roman erzählt nicht zuletzt in aller tastender Unspektakularität von zwei der tiefsten Verletzungen in der Geschichte Deutschlands. Immer bleibt etwas. Am Ende dieses wunderbaren Debütromans bleibt etwas immer schwerer Wiegendes. Ein Neuland. Dessen Name hier allerdings nicht verraten werden soll.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Wallstein // Umfang: 196 Seiten // Preis: 20 Euro

TIPP & REZENSION E.T.A. Hoffmann: Die Bergwerke von Falun

(Foto: Galiani Berlin)

Der Romantiker E.T.Aa Hoffmann hat 1819 hat die Erzählung „Die Bergwerke von Falun“ geschrieben, eine tragisch-düstere Geschichte über einen jungen Bergmann, der an der Liebe und am Glitzern der Edelsteine seinen Verstand verliert. Eine archaische Geschichte, die davon erzählt, was wirklich wichtig ist: naja, die Liebe natürlich. Die bekannte Illustratorin Kat Menschik hat die alte Sage um den jungen Bergmann, der verschüttet wird und konserviert wieder Zutage tritt in Bilder gesetzt, die zwischen traumhaft und traumverloren changieren. Ihre unverwechselbare Handschrift hat sie sowohl am Comic als auch am japanischen Holzschnitt geschult – und beides tut der bildlichen Umsetzung des Textes aus dem 19. Jahrhundert sehr gut. Sie will die Szene nicht bebildern, sondern mit ihren Bildern noch eine zweite Geschichte erzählen, eine weitere Ebene aufmachen. Nachdem Kat Menschik schon Shakespeares „Romeo und Julia“ und Kafkas „Der Landarzt“ ins Bild gesetzt hat, konnte sie mit der Sage um den Bergmann einen weiteren ihrer Lieblingsklassiker im Galiani-Verlag herausbringen. Dieses Buch sollte man übrigens unter der Bettdecke lesen, zumindest nur mal ganz kurz: es leuchtet im Dunkeln...

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Galiani Berlin // Umfang: 80 Seiten // Preis: 18 Euro

TIPP James Gordon Farrell: Singapur im Würgegriff

(Foto: Matthes und Seitz Berlin)

Dies ist ein sehr dickes Buch. Und es kommt noch dicker: James Gordon Farrells „Singapur im Würgegriff“ ist nur der dritte Band einer ganzen Trilogie. Sie führt mitten in den Zerfall des britischen Empire, in eine altmodische marode Welt voller Dekor, so überbordend wie maßlos und doch so kaputt. Die Handlung setzt 1937 ein, in Singapurs Vorstadt Tanglin, die ganz dem britischen Five o’clock Tea und dem Exportgeschäftssinn verschrieben ist. Allerdings: Heiß ist es dort, nachgrade unbritisch schwül, mit einem Duft von Sandelholz und Weihrauch, Frangipani und Öllampen. Zwei Familiengeschichten – die der Blacketts und der Webbs – werden in diesem heterogenen Ambiente kunstvoll verwoben, um in rasanter Handlung auf den japanischen Bombenangriff und somit Kriegsbeginn 1941/42 hinzuführen. Politische Einsichten, britischer Humor und eine über hunderte von Seiten vor sich her scheuchende Story: „Singapur im Würgegriff“ ist Literatur irgendwo zwischen Tolstoi, Karl May und Monty Python. Die es im übrigen wiederzuentdecken gilt: James Gordon Farell ist der große Unbekannte der englischen Literatur, 1979 ist er bei einem mysteriösen Angelunfall gestorben, mit grade mal 44 Jahren, kurz nachdem er voller Enthusiasmus aufs Land gezogen war. Was wohl noch gefolgt wäre? Höchste Zeit, seine glücklicherweise sehr voluminösen Bücher ins Diesseits zu holen – Dank sei dem Verlag Matthes und Seitz.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Galiani Berlin // Umfang: 80 Seiten // Preis: 18 Euro

TIPP & REZENSION Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben

(Foto: Berlin Hanser Verlag)

Dieses Buch ist ein Monster. Es ist viel zu dick, es ist viel zu altmodisch erzählt, es ist ein viel zu altbekannter plot und überhaupt. Es ist fantastisch. Denn wer dieser guten alten Zauberei des Lesens gern verfällt, in ein Buch gesogen zu werden und es tagelang nicht mehr weglegen zu können, der wird dieses Buch lieben. Im Mittelpunkt steht – ja, wie altmodisch – eine Freundschaft zwischen vier jungen Männern, die sich aus dem College kennen. Jude und JB, Willem und Malcolm machen ihren Weg in der Großstadt, zwischen Kunstszene und Architekturbüro, zwischen Geldnot und Familienbanden. Es wird viel gesprochen, es wird viel Biografie erzählt in diesem Buch, und dass die vier immer schneller um ein dunkles Geheimnis kreisen, trägt die Hauptspannung des Romans. Hanya Yanagihara hat ein Buch geschaffen, das zu den meistdiskutierten literarischen Werken der vergangenen Jahre in den USA gehört. Ein Roman, der zunächst ganz brav daher kommt. Doch Vorsicht: er saugt Dich ein und wirft dich wieder raus und nicht wenige, die ihn gelesen haben sagen, er habe ihr Leben verändert.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Hanser Berlin Verlag // Umfang: 958 Seiten // Preis: 28 Euro

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TIPP Charles Foster: Der Geschmack von Laub und Erde

(Foto: Malik Verlag)

Wenn es eines letzten Beweises bedurfte, dass Engländer ein klein wenig spleeniger sind als wir Menschen auf dem Kontinent – hier ist er: Als Dachs und Hirsch, als Fuchs und Otter, selbst als Mauersegler hat der britische Jurist und Naturkundler Charles Foster versucht zu leben. Seit Kindertagen ist er von Tieren und ihren erweiterten Sinnen fasziniert, und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem nachzuforschen. An einem milden Tag startet sein Versuch, mit seinem achtjährigen Sohn Tom zieht der Autor in den Wald und hebt einen provisorischen Dachsbau aus. Vater und Sohn beginnen sich von dem zu ernähren, was ein Dachs so frisst. Also hauptsächlich Regenwürmer. Minutiös wird das Fluchtverhalten des Wurms in der Mundhöhle beschrieben, der Geschmack der verschiedenen Würmer (zwischen Schleim, Leder, Schweinekot und Zitronengras), die Geräusche des Waldes und das Verschmelzen, das der Autor und sein Sohn mit der Natur erleben. Nach dem Dachs-Experiment folgen weitere – so versucht sich Foster in die Schnelligkeit und Nervosität von Rotwild einzufühlen, indem er sich von einem Jagdhund hetzen lässt. Oder beginnt wie die Stadtfüchse in London unter dem Rhododendron zu nächtigen. Seine Erfahrungen hat er in fünf sehr amüsant zu lesende Kapitel verpackt, eine Lektüre, die ab und an Kopfschütteln lässt, aber doch auf gute Weise nachdenklich macht über das Verhältnis Mensch und Tier. Denn Charles Foster hat es tatsächlich geschafft: auf gewitzte und kundige Art seine Sinne zu erweitern, und der Natur tatsächlich noch ein paar Lieder abzulauschen.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Malik Verlag // Umfang: 288 Seiten // Preis: 20 Euro

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TIPP & REZENSION Christoph Peters: Diese wunderbare Bitterkeit. Leben mit Tee

(Foto: Arche Verlag)

Grade an kalten Wintermorgen mag man sich über den kleinen Dampffaden freuen, der sich aus einer Tasse nach oben kräuselt. Ein Tee wärmt, belebt, beruhigt im Zweifel einen Hustenreiz, öffnet im Zweifel den Geist. Auch wenn das Nippen an der aromatischen Wärme ein sehr persönlicher Moment ist: der Tee ist an Kulturgeschichte, globaler Aufladung, Komplexität in der Zubereitung kaum zu überbieten. Er ist toll kompliziert. Der Schriftsteller Christoph Peters ist der Tee-Auskenner unter den deutschen Schriftstellern – und er hat seinem Getränk ein kluges kleines Denkmal gesetzt in Form eines Buches, das Kulturgeschichte, Philosophie und seine eigene Biografie verwebt. Seit langem geht er den Weg des Tees – und nimmt in neun Kapiteln plus einem kleinen Literaturverzeichnis mit. So verkostet man lesend zuckersüßen ägyptischen Chai, japanischen Grüntee, der nach frisch gemähter Frühlingswiese schmeckt, probiert Scones zum englischem High-Tea und lässt den Ostfriesentee auf dem Stövchen ziehen. Man lernt, dass je nach Wasserhärtegrad ein Tee vollkommen unterschiedlich schmecken kann, dass es essentiell ist, ob Keramikservice oder Kupferkessel, und wie – der Legende nach – der Tee überhaupt zum Menschen kam.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Arche Verlag // Umfang: 144 Seiten // Preis: 15 Euro

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TIPP & REZENSION Kris van Steenberge: Verlangen

(Foto: Klett-Cotta Verlag)

Ein kleines flämisches Dorf an der französischen Grenze. Hier, in einem Panoptikum von Spitzenklöpplerinnen, Brauereiarbeitern, zwischen Notar, Nonnen und komischen Käuzen, zwischen Kanal und Windmühlenflügeln setzt das Geschehen kurz vor der Jahrhundertwende ein. Elisabeth ist eine wache Schönheit am Beginn des Erwachsenseins, die anders getaktet ist als die übrigen Dorfbewohner. Sie sammelt Steine, weil sie ihnen Geschichten aus alten Zeiten ablauschen möchte, geht mit Leidenschaft zur Schule. Doch die Eltern wollen, dass sie zuhause Spitze klöppelt. Ihre Fluchthelfer aus dem schlichten dasein: Die Bücher. Und die Heirat mit dem jungen Dorfarzt. Doch als Zwillinge zur Welt kommen, und das Zweitgeborene so entstellt ist, dass der Vater ihm keinen Namen geben will, nehmen die Katastrophen ihren Lauf. Elisabeth wird ermordet, der Erste Weltkrieg erschüttert das Dorf. Würde man einen Jane Austen Roman mit einem Krimi, Gustave Flauberts Geschichten und Patricks Süßkinds „Das Parfüm“ mixen, würde man dieses Debüt des flämischen Autors Kris van Steenberge bekommen. Aus mehreren Perspektiven ist das Schicksal Elisabeths und Ihrer Söhne erzählt, bis zum Schluss wechseln die Verdächtigen. Spannend und sinnlich, schlau konstruiert ist dieser Roman: eine Entdeckung.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Klett Cotta // Umfang: 440 Seiten // Preis: 24,95 Euro

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TIPP & REZENSION Julia Zange: Realitätsgewitter

(Foto: Julia Zange)

Berlin zieht an und spuckt aus, langweilt und hetzt, macht süchtig und allein. Was die Hauptstadt mit der Protagonistin von Julia Zanges neuem Roman macht, ist all dies. Wie so viele kommt die schöne blonde Marla aus der Provinz in die Metropole um irgendwas mit Medien zu machen, hat dann statt viel Sex nur viel Facebook und Tinder und strandet täglich bei einem anderen Event. Sie trifft Menschen, die wie sie selbst auf Teufel komm raus individuell sein wollen, und doch nur möglichst auffällige Kostüme um die innere Leere drapieren. Jede Begegnung wird im Hinterkopf auf ihren Society-Mehrwert abgeklopft, jegliche Nähe kommt nur im Nebel von Koks und Ketamin zustande. Marla taumelt durch ihr hippes Berliner Leben, trifft diverse reale Personen der Kunst- und Modeszene, ein bisschen Schlüsselroman ist auch dabei, zumal Julia Zange als Journalistin und Schauspielerin den von ihr beschriebenen Kosmos sicher gut im Blick hat. „Realitätsgewitter“ ist ein Roman wie ein ausdrucksloses Gesicht, ohne jedes Lachen. Schlimm, ja, aber ästhetisch beeindruckend.  Und mit einem konkretem Datum versehen: vom Winter 2015 bis zum Sommer 2016 wird Marla mit deutscher Gegenwart konfrontiert. Irgendwann wird sie mit einem Umweg über ihre Provinzheimat auf Sylt landen, um von dort aus wieder Anlauf zu nehmen in die Hauptstadt; ein kleinbisschen Hoffnung auf ein glücklicheres Sein im Gepäck.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Aufbau Verlag // Umfang: 157 Seiten // Preis: 17,95 Euro


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TIPP Martin Suter: Cheers. Feiern mit der Business Class.

(Foto: Diogenes Verlag)

Kein Parkett ist so glatt wie jenes, das auf der Betriebsweihnachtsfeier ausliegt. Wer unterhält sich mit wem, wer stößt nicht mit dem Chef an, wer tanzt am Ende doch wieder auf dem Tisch? Und nicht zuletzt: wer geht mit wem mal kurz in die Garderobe? Feiern im Jobkontext sind eine brisante Sache, schließlich wird für einen Abend erwartet, mal die Gehaltsverhandlungen, Nicklichkeiten und Chefallüren beiseite zu stecken und mit den Kollegen und Kolleginnen auf die nette Zusammenarbeit anzustoßen. Eine Kunst, die gelernt sein will und deren Fettnapfpotential der Schriftsteller Martin Suter seit vielen Jahren unter anderem in seinen Kolumnen über die „Business-Class“ auslotet. Speziell die Kolumnen, in denen es um das – im Zweifel alkoholisierte – Feiern geht, sind nun zusammen mit Buchauszügen in einem Band erschienen. Dort begegnen dem wir etwa dem ordentlichen Herrn Rutishauser, der einen Bordellbesuch für die Geschäftspartner organisieren muss, oder Direktor Zwimpfer, der von seiner Sekretärin davor gerettet wird, eine Gesangseinlage auf der Weihnachtsfeier darzubieten. Martin Suter ist der wohl bekannteste Schweizer Schriftsteller – und wer sich die Zeit bis zu seinem neuen Roman verkürzen will, der Mitte Januar erscheint, bekommt hier mit kleinen feinen Häppchen eine schöne literarisch-essayistische Vorspeise. Auf zweieinhalb Seiten sind die meisten Geschichten konzentriert, und in diesem Miniaturformat gelingt es Suter, die ganze Brisanz der Verstrickung in berufliche Hierarchien darzustellen. Natürlich ist das Satire. Aber natürlich auch nicht.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Geschichten // Verlag: Diogenes // Umfang: 224 Seiten // Preis: 14 Euro // Erscheinungstermin: 26.10.2016

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TIPP Doreen Kröber & Andreas Zmunda: Überflieger

(Foto: Trike Globetrotter)

Die beiden Extremabenteurer Andreas Zmuda und Doreen Kröber haben ihr bisheriges Leben in Berlin aufgegeben und brechen ohne große Vorplanung auf ins Ungewisse. Im offenen Ultraleichtflugzeug entdecken sie die Welt von oben und Menschen, deren Uhren ganz anders ticken. Nach dem Flug über Nord- und Mittelamerika führt ihre Abenteuertour Andreas und Doreen ins „Tal des Todes“, zu deutschen Aussiedlern nach Chile und Paraguay, in die weiße Stadt Perus, in Indianerdörfer mitten im Amazonas-Dschungel von Guyana und in das „Bademantelparadies“ von Uruguay. Ihr Flugtrike trägt sie über Dschungel, Salzwüsten, Goldminen, rauchende Vulkane, die Copacabana und den Zuckerhut hinweg. In einem spektakulären Weltrekordflug überqueren sie die schneebedeckten Anden Patagoniens, entdecken riesige Dinosaurier-Skelette in der Pampa Argentiniens, packen in Brasilien den Stier bei den Hörnern bevor es in die unberührte Welt Surinams und Französisch-Guyanas geht - all dies aus der Vogelperspektive. In einem kühnen Flug über das Orinoko-Delta dringen die beiden schließlich bis zur Robinsoninsel Trinidad vor, wo sie sich von waghalsigen Flügen, fleischbeladenen Asados und kurvigen Südamerikanerinnen erst einmal bei karibischen Cocktails erholen müssen ...

(Klappentext)
Genre: Erlebnisbericht // Verlag: traveldiary // Umfang: 312 Seiten // Preis: 16,80 Euro // Erscheinungstermin: 02.02.2016 // www.trike-globetrotter.de


GEWINNSPIEL: Kulturfalter verlost ein Exemplar des neuen Buches von Doreen Kröber und Andreas Zmunda! Haltet die Augen in unserem Dezember-Heft 2016 auf und macht mit!

Hier geht es zum Interview mit den beiden.

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TIPP David Wagner: Ein Zimmer im Hotel

(Foto: Rowohlt)

Als erfolgreicher Autor ist man viel unterwegs. Der Berliner Schriftsteller David Wagner, der kürzlich den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen autobiografischen Roman „Leben“ bekam, hat aus den Strapazen seiner Lesereisen eine Tugend gemacht. In rund 110 Hotelzimmern ist er in den letzten drei Jahren gewesen – und jedem hat er eine kleine literarische Betrachtung gewidmet. Von Rom bis Basel, Teheran bis Tallinn reichen die Hotelzimmerminiaturen, und auch ganz Deutschland wird durchmessen, von Leipzig bis Schwerin. Wir lernen, dass die besseren Hotels immer Bleistifte statt Kugelschreiber bereitlegen, welche Teppiche wo beliebt sind, wir lernen Luxus und Klaustrophobie kennen und dass ein Hotelbewohner in seinem eigenen kleinen Kosmos immer ein wenig aus der Zeit fällt. Durch Wagners wunderbare Beobachtungsgabe werden die Bestandsaufnahmen in vielen Fällen zu Alltagsphilosophien – es sei versprochen, dass jeder Leser beim nächsten Hotelbesuch innehalten wird und anders auf Personal und Interieur blickt.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Kurzgeschichten // Verlag: Rowohlt // Umfang: 128 Seiten // Preis: 18,95 Euro // Erscheinungstermin: 10.10.2016

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TIPP & REZENSION Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit

(Foto: S. Fischer)

Wie fühlt sich Zeit für Verliebte an? Für Kinder? Wie für Menschen, die wissen, dass ihre Todesstunde kurz bevor steht? Zwischen endlosen verspielten Nachmittagen im Herbstwald und der entsetzlichen verdämmerten Wartezeit eines Häftlings in der Todeszelle liegen Welten. Denn Zeit ist mehr als das Ticken einer Uhr. Zeit ist ein Gefühl. In diesen Gedanken führt Christoph Ransmayr in seinem Roman, und er führt ins 17. Jahrhundert, in dem der englische Uhrmacher Alister Cox (den es wirklich gab) und drei Mitarbeiter auf Einladung des Kaisers von China das regnerische London verlassen um dem ewigen Herrscher Uhren zu bauen. Cox ist ein Zeitkünstler, Traumbastler, erschafft unfassbar filigrane und überbordende Landschaften, in denen sich Zeit abspielt. So baut er etwa ein silbernes Schiff, an dessen Deck hunderte Körbe und Truhen stehen, aus denen winzige Elfen und Feen steigen. Er baut eine Uhr mit der Zeit wie Rauch vergeht. Und er bekommt schließlich den Auftrag, dem Kaiser eine Uhr zu bauen, die Ewigkeit misst. Ein tödlicher Auftrag, wie Cox erkennen muss… Christoph Ransmayr ist ein seit den 80er Jahren ein Star der deutschsprachigen Literaturszene, schrieb Bestseller wie „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ und „Die letzte Welt“. In seinem neuen, Roman baut er ein belletristisches Uhrwerk aus feinster Sprache, einer hinreißenden Geschichte und historischem Dekor. Und lässt ganz nebenbei fühlbar werden, wie rasende die Zeit beim Lesen vergeht.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: S. Fischer // Umfang: 304 Seiten // Preis: 22 Euro //

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TIPP Bürgerstiftung Halle: Für Kinderköche

(Foto: Promo)

"Max macht Oper“ heißt es seit drei Jahren in der Grundschule Hanoier Straße auf der Silberhöhe in Halle. Der KinderKunstForum e.V. und die Bürgerstiftung Halle bieten dort wöchentlich Kunst-Workshops für Kinder an. In der Arbeit wurde den Künstlern deutlich, dass frisches Obst und Gemüse bzw. gesundes Essen bisher für viele Kinder keine Rolle spielt. Deshalb vereinen sie: Kochen und Kunst! Mit den Kindern gehen sie auf Entdeckungsreise – regionales und saisonales Gemüse und Obst werden erst gezeichnet und dann zu einfachen und schmackhaften Mahlzeiten zubereitet. So entstand die Idee zu einem Kochbuch, illustriert von Kindern aus der Grundschule Hanoier Straße. „Einmal durch das Gartenjahr”, heißt es, und so finden sich hier auf 64 Seiten zahlreiche einfache Rezepte, die mit Kindern zubereitet werden können und die Kindern schmecken! Herausgeber des Buches ist die Bürgerstiftung Halle. Unterstützt wurde die Buchproduktion durch die Weisenburger Bau + Grund GmbH und die Rademacher Immobilien GbR. Das Buch ist über die Webseite der Stiftung erhältlich. Der Erlös aus dem Kochbuch kommt Projekten der Bürgerstiftung Halle zugute.

(Martin Große)
Genre: Kochbuch // herausgegeben von: Bürgerstiftung Halle & KinderKunstForum e.V. // Umfang: 64 Seiten // Preis: 10 Euro // Erscheinungstermin: 12.9.2016

TIPP & REZENSION Christian Kracht: Die Toten

(Foto:Kiwi)

Zwanzig Jahre lang polarisiert der Schweizer Christian Kracht mit seinen Büchern die Leselandschaft: die einen finden ihn maßlos überschätzt, die anderen sind hin und weg von seinen sophisticated Themen und seiner Formulierkunst. Auch sein neues Buch ist ein genauso großartiges wie manieriertes Kunstwerk, das in die frühe Kinogeschichte führt. „Die Toten“ spielt in den 30er-Jahren in Japan, Hollywood und Berlin. Dafür wird ordentlich Dekor aufgefahren. Nie wird es hell in dieser Welt der schweren Fauteuils und Brokatvorhänge, getränkt mit Zigarrenrauch und Schaumwein, man trägt Monokel und fährt mit schwarzen Taxen durch die Gegend. Mittendrin der Regisseur Emil Nägeli, der in Japan einen Gruselfilm drehen soll. Der Horror aber geschieht in der realen Welt: Nazis, Morde, Dreieckslieben. Einmal mehr versteht es Kracht, eine schreckliche Schönheit heraufzubeschwören, und dabei die Frage zu stellen, was Literatur will und darf. Ein genauso schlaues wie elegantes Buch, das zwischen den zuckrigen Sätzen die Blumen des Bösen blühen lässt.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Roman // Verlag: Kiepenheuer und Witsch // Umfang: 212 Seiten // Preis: 20 Euro // Erscheinungstermin: 8.9.2016

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TIPP Matthias Brandt: Raumpatrouille

(Foto: KiWi)

Sohn zu sein ist nicht einfach – vor allem nicht der Sohn des Bundeskanzlers der BRD, damals, in den 70ern. Der Schauspieler Matthias Brandt hat seine Erinnerungen an seinen Vater Willy und eine Kindheit in der hochgesicherten Bundeskanzlervilla in Bonn literarisiert und entführt in einen herrlich verträumten Kosmos. In dem Hunde betrauert und Vorhänge angezündet werden, in dem der Vater vom Rad purzelt und es manchmal Kakao beim netten Herrn Lübke von nebenan gibt. Ein feiner leichter Erzählband ist das Debüt von Matthias Brandt. Der  beweist, dass er nicht nur als Tatort-Kommissar ein bemerkenswerter Spurenleser ist.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Kurzgeschichten // Verlag: Kiepenheuer und Witsch // Umfang: 176 Seiten // Preis: 18 Euro // Erscheinungstermin: 8.9.2016 // www.brandt-raumpatrouille.de

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TIPP & REZENSION Bov Bjerg: Die Modernisierung meiner Mutter

(Foto: Blumenbar)

Der Roman „Auerhaus“ des Berliners Bov Bjerg war der Überraschungsbestseller des vergangenen Buchherbstes. Jetzt legt der Autor mit einem Erzählband nach, der in 22 Texten in die alte BRD genauso führt wie in ein Lesebühnen- und Schriftstellerleben in Berlin. In dem es auch mal drum geht, seine Brötchen mit stumpfsinnigen Jobs wie dem Schreiben von ausgedachten Horoskopen zu verdienen. Dass der Horoskoperfinder sich selbst zu Spass den ein oder anderen Kalauer hineinbastelt, der dann wiederum eine Supermarktverkäuferin fast zu Tode erschreckt ist typisch Bjergscher Humor. Lesebühnenveteran Bov Bjerg ist ein Sammler seltsamer Alltagsbegebenheiten. In jeder seiner Geschichten steckt ein kurioser Kern, der einem wie ein Schmetterling beim Lesen entgegenflattert. Und in aller Leichtigkeit von den großen Dingen erzählt: von Liebe, Tod, Vergänglichkeit, von Zufällen und Enttäuschungen. Am Ende wird trotzdem gelacht.

(Dr. Katrin Schumacher)
Genre: Kurzgeschichten // Verlag: Blumenbar // Umfang: 150 Seiten // Preis: 16 Euro

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