Die Redaktion empfiehlt...

(Foto: Congerdesign, Pixabay)

Wer über Kulturveranstaltungen berichtet, der muss auch eine Affinität zum Lesen haben. Klischee? Kann sein. Bei unserer Redaktion stimmt es jedoch. Jedes Jahr zur Buchmesse halten wir nach neuen Werken und Autoren Ausschau, verlosen viele interessante Geschichten und stellen Bücher vor. Doch auch nach der Messe-Zeit freuen wir uns auf die Neuerscheinungen und wollen unseren Leseeindruck mit euch teilen. In regelmäßigen Abständen - es kommt sicher auf die Dicke der Bücher an - sind hier also kleine, persönliche Rezensionen der Kulturfalter-Redaktion zu finden. Viel Spaß beim Stöbern!


Highlights im Mai

Im Mai gibt es die ersten warmen Sonnentage, an denen man sich eine Decke schnappt und auf die Wiese legt. Am See zu liegen und ein gutes Buch in der hand zu haben - das ist die perfekte Vorstellung eines Sommertages. Hier stellen wir ein paar Highlights dieses Monats vor:

Alles begann an dem Tag, an dem sie auf den Jahrmarkt gingen. Als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: eine Möglichkeit für ihn und seine Freunde, sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht – bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist dreißig Jahre her, und Eddie dachte, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der nur zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und als die Geschichte beginnt, sich zu wiederholen, begreift Eddie, dass das Spiel nie zu Ende war ...
Schon als Mädchen ist Koko fasziniert von schönen Kleidern. Sie träumt sich weg aus den ärmlichen Verhältnissen, in denen sie aufwächst, und schwört sich, ihre Unabhängigkeit über alles zu stellen. Im Summer of Love 1967 verdient sie ihr erstes Geld mit selbst genähten Blümchenhosen. Ihre Hippie-Kundschaft ist begeistert. Fortan ist Koko auf der Suche nach Kleidern, die ihre besten Jahre längst hinter sich haben, und bessert sie kundig und fantasievoll aus – der Beginn eines atemberaubenden Aufstiegs in der männerdominierten Secondhand-Branche. Mit Eröffnung ihrer eigenen Boutique wird sie endgültig zur ungekrönten Königin der Vintage-Mode: die "Vintage-Queen". Doch die Globalisierung macht auch vor ›Koko’s‹ nicht Halt ...
Als Chris Baldry von der Front zurückkehrt, trifft er auf drei Frauen, die sein Leben geprägt haben: Kitty, seine schöne, kühle Ehefrau, seine Cousine Jenny, die ihn vergöttert, und seine Jugendliebe Margaret. Doch er kann sich nur noch an zwei von ihnen erinnern – Chris hat ein Kriegstrauma erlitten und einen Teil seines Gedächtnisses verloren. Um ihn ins Jetzt zurückzuholen, müssen die Frauen in "Die Rückkehr" ungewöhnliche Wege gehen.
Was ist der Verstand? Wie unterscheidet er sich vom Körper? Kann der Verstand auf Neuronen im Gehirn reduziert werden oder nicht? In ihrem Essay "Die Illusion der Gewissheit" nimmt sich Siri Hustvedt das uralte, noch immer nicht gelöste Geist-Körper-Problem vor und macht deutlich, wie sehr die unterschiedlichen Antworten auf diese Frage tiefgreifende Bedeutung für unser Verständnis von uns selbst haben. Mit ihrem multidisziplinären Zugang zeigt Hustvedt, wie sehr ungerechtfertigte Annahmen über Körper und Geist das Denken der Neurowissenschaftler, Genetiker, Psychiater, Evolutionspsychologen und der Forscher zur Künstlichen Intelligenz verzerrt und verwirrt hat.
Jeder Mensch hat zwei Familien. Die, in die er hineingeboren wird, und die, für die er sich entscheidet. HOOL ist die Geschichte von Heiko Kolbe und seinen Blutsbrüdern, den Hooligans. Philipp Winkler erzählt vom großen Herzen eines harten Jungen, von einem, der sich durchboxt, um das zu schützen, was ihm heilig ist: Seine Jungs, die besten Jahre, ihr Vermächtnis. Winkler hat einen Sound, der unter die Haut geht. Mit "Hool" stellt er sich in eine große Literaturtradition: Denen eine Sprache zu geben, die keine haben.


(Hörbuch-)Highlights im April

Im April sind alle damit beschäftigt, auf den Frühling zu warten. Auch die Buchwelt begibt sich ein wenig in Wartestellung. Doch wir haben ein paar schöne Bücher und ein Hörbuch für euch herausgesucht:

Wir sind abhängig von Anerkennung und Bestätigung – auf der Jagd danach agieren wir oft an der Grenze unserer Kräfte. Alkohol und Nikotin helfen, diese Grenze ein wenig auszudehnen; Shopping oder Marathonlaufen verschaffen uns die Befriedigung, die der Alltag uns nicht gibt. Wir sind süchtig und wissen es gar nicht, denn viele unserer Süchte sind unauffällig und gesellschaftlich akzeptiert. Brigitte Witzer deckt in "Glückt Sucht Leben" unsere verborgenen Süchte auf und zeigt, wie sie das gute Leben zerstören.
David Adam taucht in "Das Genie, das in uns steckt" ein in die Welt der Intelligenzforschung, inklusive Selbstversuche mit Pillen und Denkkappen. Und so erfahren wir, wie wir unsere Intelligenz hacken können. Plus: Sie bekommen die Antwort auf die Frage, wie viele Handschläge es insgesamt gibt, wenn sich zehn Leute die Hände schütteln.
Reich an Glanz und voller dunkler Seiten ist die Geschichte der außergewöhnlichen Familie Salz: Sie beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. In den Vierzigerjahren muss sich Lola Salz auf eine Odyssee quer durch das Deutsche Reich begeben; das Leben mit ihr beschreibt Tochter Aveline in den 60ern als Horror. Kurt Salz ist 1989 Teil einer herrlichen Wendekomödie, seine Tochter Emma Salz sucht 2015 detektivisch nach ihrem Schatten und der Wahrheit. Stets im Zentrum von "Die unsterbliche Familie Salz" von Christopher Kloeble: das prächtige Hotel ›Fürstenhof‹ in Leipzig, Zuhause und Existenzgrundlage der Familie Salz – und die Frage: welche Schatten werfen wir auf die Generationen nach uns?
Die erste Regel im Hörbuch "Wie man die Zeit anhält" von Matt Haig lautet: Du darfst dich niemals verlieben. Niemals. Tom Hazard ist Geschichtslehrer, ein introvertierter Mann, der ein zurückgezogenes Leben führt. Und er hat ein Geheimnis: Er sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, das Paris der 20er Jahre erlebt und alle paar Jahre eine neue Identität angenommen. Aber eines war er immer: einsam. Gelesen von Christoph Maria Herbst - göttlich!


Janet Lewis - Die Frau, die liebte

Manchmal denkt man, ein Roman müsste ellenlang sein. Gut beschrieben, ausführlich bis ins kleinste Detail der Gefühle... "Die Frau, die liebte" dagegen überrascht mit Mut zur Lücke. Das Buch lässt Lücken, sehr viele sogar. Es beantwortet wenig Fragen, erklärt nicht. Und trotzdem schafft es Janet Lewis, eine Geschichte zu erzählen, die den Leser packt.
Bertroinde de Rois und Martin Guerre werden als Kinder verheiratet. Mit 18 Jahren werden sie dann auf dem Hof Guerre zusammengeführt und wenden sich nach einigem Ringen tatsächlich liebevoll einander zu. Doch sie stehen unter dem Patriarchiat von Martins Vater - eine Situation, die den jungen Mann scheinbar zu erdrücken droht. Und eines Tages verschwindet er. Nach rätselhafter Abwesenheit von acht Jahren steht Martin endlich wieder auf dem Hof. Der inzwischen zehnjährige Sohn weicht dem Vater nicht mehr von der Seite, das Gut blüht auf, die große Familie ist wieder vereint. Bertrande hat sich gesehnt, hatte gebangt und gezürnt, war weder Witwe noch frei gewesen, und jetzt – endlich – kann sie sich hingeben. Der Liebe, ihrer Sinnlichkeit, seinem Begehren. Und doch hat sie Angst. Welcher Dämon treibt ihr plötzlich Zweifel ins Herz? Ist der Mann, den sie liebt, wirklich Martin? Dieser Gedanken und vor allem das Gefühl lassen sie nicht mehr los - schließlich wird es sie alle vor Gericht führen.
Diese Handlung könnte man in drei Romanen á la Sabine Ebert wunderbar beschreiben. Man kann sie aber auch - wie Janet Lewis - auf 136 Seiten abhandeln. Ob dem Leser was fehlt? Ja. Aber ob das schlimm ist? Ich bin unentschlossen. Die Geschichte umfasst fast 20 Jahre. Sie lässt einen Mann verschwinden, ohne, dass man bei der Wiederkehr erfährt warum er ging, wo er war und warum er nicht zurückkam. Es wird eine Frau skizziert, die man auch auf den letzten Seiten des Buches nicht wirklich gut kennt und deren Zukunft ungewiss bleibt. So wie das meiste in diesem Buch. Und doch schafft es "Die Frau, die liebte" zu sagen, was es sagen will. Es geht um Liebe. Um ihr Wesen. Ihre Konsequenzen. Ihre Stärke. Leicht fabelähnlich lässt es den Leser mit einer Moral zurück, die jedoch auch nur Interpreationssache ist. Janet Lewis hat ein Buch geschrieben, das vor allem im Kopf des Lesers geschieht. Jeder mag es anders verstehen - und das ist auch ok so. So wie die Liebe eines jeden anders ist und manchmal nur weniger Worte bedarf. Die Fragen, die das Buch aufwirft, stellt man sich am besten selbst. Und wenn das 136 Seiten schaffen, ist das eine hervorragende Leistung.

Anne-Marie Holze

Highlights im März - Teil II

Der Monat März ist der Buchmesse-Monat. Kein Wunder also, das hier zahlreiche Neuerscheinungen aus dem Boden sprießen. Hier der zweite Teil unserer Highlights:

Als Martin Guerre nach langjähriger, rätselhafter Abwesenheit endlich zu seiner Frau zurückkehrt, ist Bertrande de Rols, eine Frau von 30 Jahren, von Sinnen vor Glück. Der inzwischen zehnjährige Sohn weicht dem Vater nicht mehr von der Seite, das Gut blüht auf, die große Familie ist wieder vereint. Welcher Dämon treibt ihr plötzlich Zweifel ins Herz? Ist der Mann, den sie liebt, wirklich Martin? Hin- und hergerissen zwischen Sehnsucht nach Zugehörigkeit und einer düsteren Ahnung, entfesselt sich in "Die Frau, die liebte" von Janet Lewis eine richterliche Untersuchung – und eine Tragödie.
"Der schöne Mann" erschien 1858 in dreizehn wöchentlichen Kolumnen im "New York Atlas" und war 150 Jahre lang verschollen. Jetzt liegt Whitmans kurioser Ratgeber erstmals auf Deutsch vor. Denn Männer denken einfach zu viel. Und sie lassen sich immer wieder einreden, Schönheit wäre eine Sache der Frauen, reine Haut, leichtfüßige Bewegungen, eine klangvolle Stimme. In dem Buch lesen Sie eine Hymne auf den männlichen Körper und einen Leitfaden, wie man seine Möglichkeiten voll ausschöpft. Das reicht von einer reinen Fleischdiät über das Rezitieren von Gedichten im Freien und sorgloses Tanzen bis zu Bare Knuckle Fights.
In diesem in den USA gefeierten Roman "Moonglow" erzählt Michael Chabon die unglaublichen Abenteuer seines unkonventionellen Großvaters, der einst Wernher von Braun in Deutschland jagte und ein in vielerlei Hinsicht leidenschaftliches Leben führte.
Nadja Spiegelman erzählt in "Was nie geschehen ist" mehr als ihre eigene Geschichte. Sie zeichnet die Lebenswege dreier Frauen nach, deren Schicksale kaum enger miteinander verknüpft sein könnten. Ein eindrucksvolles Debüt über die blinden Flecken in Familien, über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerung und über die Kraft des Erzählens.
In Mareike Schneiders Debüt "Alte Engel" sehen alle dem Sterben der Patriarchin - der Großmutter - entgegen, als sei er die Lösung unausgesprochener Konflikte. Mit erzählerischer Wucht und Originalität bringt sie uns die Geschichte einer Familie nahe, die ihre Mitte lange vor dem Tod der Großmutter verloren hat - und sich doch nicht von ihr lösen kann.


Highlights im März - Teil I

Der Monat März ist der Buchmesse-Monat. Kein Wunder also, das hier zahlreiche Neuerscheinungen aus dem Boden sprießen. Hier der erste Teil unserer Highlights:

Stephanie Schusters "Der Augenblick der Zeit" ist ein atmosphärischer, inspirierender, farbenprächtiger Roman über den Kosmos der schönen Künste und die Kraft der Kreativität. Ina Kosmos ist Expertin für Farben, eigentlich will sie selbst Künstlerin sein. Aber sie leidet seit zehn Jahren an einer Blockade, kann nicht zeichnen und malen und hat sich ganz auf die Förderung anderer Künstler spezialisiert. Als sie gezwungen ist, ihre Galerie aufzugeben, bricht für sie eine Welt zusammen. Da entdeckt Ina bei einer Auktion in London ein Frauenporträt, in dem sie einen noch unbekannten Leonardo da Vinci vermutet...
"Der ewige Gast" von Can Merey ist aufrüttelnd: Tosun ist der Sohn eines Istanbuler Papierfabrikanten, im Herbst 1958 kommt der junge Türke nach Deutschland – noch vor den Gastarbeitern. Nach dem Studium heiratet er Maria, die von einem bayerischen Bauernhof stammt, und gründet eine Familie, in der nur Deutsch gesprochen wird. Tosun wird Manager in einer deutschen Firma und deutscher Staatsbürger.  Doch heute, sechzig Jahre später, zieht Tosun eine ernüchternde Bilanz. Zwar hat er alles unternommen, um sich zu integrieren. Dennoch wurde ihm immer wieder bedeutet, dass er weniger wert sei als ein „echter“ Deutscher ...
"Eine Liebe, in Gedanken" von Kristine Bilkau erzählt von Liebe und Lebenslügen, von den Hoffnungen und Träumen der im Krieg geborenen Generation, vom Gefühl des Aufbruchs und Umbruchs der Sechziger Jahre. Kristine Bilkau hält uns einen Spiegel vor: Wie viel Intensität, Risiko und Schmerz lassen wir zu, wenn es um unsere Gefühle und Beziehungen geht?
Warum fasziniert uns die Geschichte von Adam und Eva noch heute? Unsere Vorstellungen vom Paradies, von Scham und Sünde, unsere Ideen von Gut und Böse und unser Frauenbild – wie sehr wurden sie von dieser Urerzählung geprägt? Bestsellerautor und Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt widmet sich in "Die Geschichte von Adam und Eva" diesem mächtigsten aller Menschheitsmythen.
"Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte" von Michael Hugentobler erzählt das Leben eines wagemutigen Exzentrikers, der stets darauf bedacht war, frei und unabhängig zu bleiben in der großen weiten Welt. Hans Roth wurde er 1849 in einem Bergdorf geboren, als Louis de Montesanto – Weltreisender, Bestsellerautor und Hochstapler – stirbt er 1921 in London. 13-jährig floh er in die Welt


Hörbuch-Highlights im März

Fakt ist: Wir scheinen immer weniger Zeit zu haben. Die Hektik des Alltags verschlingt die Ruhe, die man unter anderem so gerne zum Lesen nutzen würde. Fakt ist aber auch: Wir pendeln mehr. Zur Arbeit, zum Büro, zum Lebenspartner. Lösung: Hörbücher! Den Weg zur Arbeit oder nach Hause für spannende Geschichten zu nutzen ist kostbare Zeit, an die man sich gewöhnen kann.
Minette Walters - eigentlich bekannt für Krimis und Thriller - legt zehn Jahre nach ihrem letzten Buch nun nach: mit einem Historienstück. In "Die letzte Stunde" geht es um das England im Jahre 1348: Die Pest bricht aus. Binnen kürzester Zeit werden ganze Landstriche entvölkert. Allein Lady Anne, die Burgherrin von Develish, bleibt ruhig. Als die Pest auch ihr Gebiet erreicht, bringt sie kurzentschlossen alle in der Burg in Sicherheit und lässt die Zugbrücke verbrennen. Doch können sich die Burgleute gegen die Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die Vorräte reichen? Dann geschieht ein Mord und droht die Burggesellschaft endgültig zu zerreißen.
Um eine starke Frau geht es auch in "The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?" von A. J. Finn: Anna Fox lebt allein. Nach einem traumatischen Erlebnis verlässt sie ihre Wohnung nicht mehr. Sie verbringt ihre Tage damit, ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert ...
Ebenso und doch ganz anders dramatisch ist "Der Reisende" von Ulrich Alexander Boschwitz. Berlin, 1938: Der Kaufmann Otto Silbermann findet sich nach den Novemberpogromen und seiner Flucht aus Berlin als rastloser Reisender in den Zügen der Deutschen Reichsbahn wieder. Was ihm noch bleibt, ist eine Aktentasche voller Geld. In den Waggons, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants, auf seinen Fahrten quer durchs Land trifft er auf andere Reisende, Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie schlechte Menschen ...
"Die Geschichte des Wassers" von Maja Lunde ist wunderbar, empfindsam und sensibel. Was geschieht, wenn unser Wasser knapp wird – wie weit sind wir bereit zu gehen? Virtuos verknüpft Maja Lunde Gegenwart und nahe Zukunft zu einer ergreifenden Geschichte über die Grundlagen des Lebens. Ein Thema, über das viel zu wenig nachgedacht wird!


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Jörg Magenau – Bestseller

Jörg Magenau studierte Philosophie und Germanistik. Er gehörte zu den Gründern der Wochenzeitung Freitag, deren Literaturredakteur er bis 1996 war. Seit 2002 ist er freier Autor, unter anderem für die SZ und Deutschlandfunk Kultur. Bekannt wurde er mit Biographien über Christa Wolf, Martin Walser und über Ernst Jünger. In seinem Buch „Bestseller“ geht er dem Geheimnis des Erfolges von Büchern nach, denn oft sind diese mehr als nur erfolgreiche Bücher.

Alexander Oetker – Chateau Mort

Alexander Oetker war langjähriger Frankreichkorrespondent für RTL und n-tv . Er ist profunder Kenner von Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Sein erstes Buch „Retour. Luc Verlains erster Fall“ stand wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Und jetzt muss der Kommisar wieder ran, und zwar beim kuriosesten Marathon der Welt, dem Marathon du Médoc, denn dort passiert ein ausgeklügelter Mord. Plötzlich brechen einige Sportler zusammen, ein Politiker kommt nur knapp mit dem Leben davon, und ausgerechnet der sympathische Winzer Hubert stirbt …

Abdul Abbasi und Allaa Faham – Eingedeutscht

In ihrem Roman „Eingedeutscht“ erzählen die beiden syrischen YouTube-Stars von German LifeStyle GLS, wie sie ihre Integration in Deutschland erleben und mit Comedy zwischen den Kulturen Brücken bauen. Abdul und Allaa lernten sich im Sommer 2015 übers Internet kennen. Sie leben seit einigen Monaten in Deutschland und versuchen, sich im Dickicht aus Behördengängen, deutscher Grammatik und fremden Gepflogenheiten zurechtzufinden. Ein Videoblog, so ihre Idee, könnte helfen, zwischen Syrern und Deutschen zu vermitteln und die Sichtweise des jeweils anderen zu verstehen. Über 100.000 Follower bei Facebook und Millionen Views der Videos machen die beiden in kurzer Zeit zu Social-Media-Stars. In ihrem ersten Buch „Eingedeutscht“ erzählen sie nun ihre Geschichte.

Guido Maria Kretschmer – Das rote Kleid

Guido Maria Kretschmer gehört zu den renommiertesten deutschen Modedesignern. Seine beiden Stilratgeber standen monatelang auf den obersten Rängen der Spiegel-Bestsellerliste. Jetzt überrascht er mit einem Roman über Anascha – einem wunderschönen roten Kleid. Diese hängt an einem Filmset in der Garderobe und wartet gespannt auf ihren Auftritt. Aber Anascha ist noch ein junges Textil, und so ist sie froh, dass sie in guter Gesellschaft ist. Mit ihren Freunden muss sie so manche Herausforderung meistern. Denn sie hat einen großen Traum – ein richtiges Zuhause zu haben und einen Menschen, der sie wirklich liebt, für immer …

Claudia und Nadja Beinert – Revolution im Herzen

Nachdem sich die beiden Autorinnen und Schwestern im letzten Jahr mit Martin Luther beschäftigt hatten, kommt nun ein neuer historischer Roman von den beiden auf den Markt. Passend zum 200. Geburtstag von Karl Marx erzählen sie seine große Liebesgeschichte. In Zeiten todbringender Armut und Ausbeutung muss sich Lenchen Demuth schon früh als Dienstmädchen verdingen. Im Haushalt der Familie Marx wird sie der jungen Ehefrau Jenny zur engen Freundin – und bald auch Vertraute des großen Philosophen Karl Marx. Fasziniert verfolgt sie seine Studien und erkennt bald, dass diese auch mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Doch dann verliebt sich Lenchen rettungslos in Karl Marx. Als sie ein Kind erwartet, steht nicht nur ihre Freundschaft mit Jenny, sondern auch das Werk von Marx und Engels auf dem Spiel. Mit tiefer historischer Kenntnis verweben die Beinert-Schwestern Fakten und Fiktion zu einem einfühlsamen Roman um eine geheime große Liebe.

Sebastian Fitzek – Flugangst 7a

Der neue Psychothriller von Bestsellerautor Sebastian Fitzek wird die Leser auch auf der Buchmesse erschauern lassen. Ganz in der Tradition von „Passagier 23“ spielt Fitzek mit den menschlichen Urängsten des Eingeschlossenseins und der Hilflosigkeit an Bord eines Flugzeugs. In einem Nachtflug von Buenos Aires nach Berlin passiert es. Ein labiler Passagier, der unter Gewaltfantasien leidet, ist an Bord, und es gibt einen Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen. Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben ...

Claudia Tieschky – Engele

Wie oft begreift man gar nicht, wieso man handelt, wie man handelt … Wie oft ergibt man sich Mustern im eigenen Leben, obwohl man sie eigentlich durchbrechen möchte … Wirft man einen Blick in die eigene Familie, in die Geschichte der Eltern und Großeltern, kann man sich nicht erwehren, oftmals Parallelen zu erkennen. Denn Geschichte prägt, auch durch die Generationen hinweg. So beginnt Lotte eines Tages ihrem Liebhaber aus dem Leben ihrer Großmutter zu erzählen. Einer harten und doch lebenslustigen Frau, deren Charakter immer weiter aufbricht, je weiter Lotte in ihrer Erinnerung geht. Und schließlich kommt sie nicht umhin, anzufangen, ihre Großmutter zu begreifen – und damit auch ein Stück sich selbst.

Heinrich Steinfest – Die Büglerin

Tonia hat sich selbst eine Strafe auferlegt: ihr Leben als Büglerin zu verbringen, jemandes Bedienstete zu sein, einen niederen Stand zu haben. Sie bestraft sich, nicht genügend auf ihre Nichte Emilie aufgepasst zu haben, die unter ihrer Obhut auf tragische Weise starb. Sie gab ihr Leben in einer Villa und mit Segelyacht auf und kam nach Heidelberg. Die Arbeit als Büglerin erledigt sie mit Sorgfalt und Präzision, obgleich sie schlecht bezahlt wird. Durch die Kleidung erfährt sie einiges über ihre Kunden, ihre Vorlieben und Ängste. Bis ihr eines Tages durch Zufall auch etwas gebracht wird, was den Tod Emilies in ein andere Licht rückt ...

Jan Böttcher – Das Kaff

Micha ist als Jugendlicher aus dem Kaff seiner Heimat ausgebrochen, in die Großstadt, nach Berlin. Er wollte Karriere machen. Seine Familie interessierte ihn dagegen nicht, denn sie gehörte zum Kaff, was er verabscheute. Nie wieder wollte er dorthin zurückkehren. Ein Job als Bauleiter bringt ihn nun doch erneut zurück in die Heimat, in deren Straßen er jeden Stein kennt und die Gefährten seiner Jugend leben. Je länger er dort beschäftigt ist, desto weiter zieht es ihn in seinen Erinnerungen zurück, desto mehr beschäftigt er sich aus beginnender Sentimentalität mit seiner Jugendzeit. Wie Finger einer Hand beginnt sein Heimatdorf ihn zu umschließen. Mit aller Kraft biegt er einzelne Finger wieder zurück und muss sich doch die Frage nach einem Zuhause stellen.

Björn Berge – Atlas der verschwundenen Länder

Die Welt ist wie sie ist und wie wir sie kennen. Doch wie sie einmal war, wissen wir oft gar nicht mehr. Anhand von Briefmarken, die ebenso langsam in Vergessenheit geraten, zeigt Björn Berge die Geschichte von 50 Ländern. Umso spannender: Dies sind Länder, die es so nicht mehr gibt. Die Briefmarken zeigen Symbole, die das Selbstverständnis demonstrieren und eine Spur in die Vergangenheit liefern. Anhand von Dokumenten und Augenzeugenberichten erweckt Berge sie wieder zum Leben. Manche Namen kennen wir, wie Helgoland, Triest oder Biafra, von anderen haben wir noch nie gehört. Manche haben lange existiert, andere nur ein paar Wochen.


Highlights im Februar

Der Februar ist ein ruhiger Monat: Das Jahr ist gerade angelaufen, alles fügt sich wieder in den Alltag und auf dem Buchmarkt gibt es das ein oder andere Highlight.
Ein Nachzügler aus dem Januar, den wir auf jeden Fall mit hineinnehmen wollen, ist "Blutsbande" von Christina von Braun. „Blut ist ein ganz besonderer Saft“, sagt Mephisto zu Faust, den er den Pakt mit seinem Blut unterschreiben lässt. Für die Kultur des Westens sind „Blutsbande“ auch die Basis von Verwandtschaft. Das gilt nicht für alle Kulturen. Christina von Braun zeigt in ihrem neuen Standardwerk, auf welchen Vorstellungen die Idee der Blutsverwandtschaft beruht und wie sich diese Vorstellungen im Zeitalter von Genetik und Reproduktionsmedizin verändern. Wird es irgendwann das Familienmodell im engen Sinne gar nicht mehr geben? Und wäre das überhaupt schlimm?
Weiter geht es mit politisch-gesellschaftskritischen Büchern: "Das Internet muss weg" von Schlecky Silberstein. Der Blogger und Online Comedian kennt das Netz wie seine Westentasche. Und gerade deshalb warnt er davor. Dank Fake News, Filterblasen und Social Bots erlangen Konzerne, politische Entscheidungsträger und Kriminelle zunehmend Kontrolle über weite Teile der Menschheit. Wie können wir das noch unter Kontrolle kriegen? In Ferdinand von Schirachs "Strafe" beschreibt der Autor in seinem neuen Buch zwölf Schicksale. Wie schon in den beiden Bänden "Verbrechen" und "Schuld" zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von "gut" und "böse" oft sind. Um beim Thema "böse" zu bleiben - Michael Wolffs "Feuer und Zorn" ist bereits ins Deutsche übersetzt worden. Es ist das Enthüllungsbuch, das die Präsidentschaft von Donald Trump erschüttert. Der Bestseller-Autor Wolff beschreibt das Chaos, das in den ersten Monaten im Weißen Haus geherrscht hat, er enthüllt, wie nah die Russland-Verbindung an Trump herangerückt ist und wie es zum Rauswurf des FBI-Chefs Comey kam. Und er liefert erstaunliche Details über das Privatleben dieses Präsidenten.
Etwas leichtere Kost sind dann Sarah Schmidts "Seht, was ich getan habe" und Marie Benedicts "Frau Einstein". Ersteres dreht sich um einen ungeklärten Mordfall, in dem die Hauptperson Lizzi beim besten Willen nicht mehr weiß, ob sie was damit zu tun hatte oder nicht. Zweiteres rückt zum ersten Mal Mileva Marić in den Mittelpunkt der Geschichte um die Entdeckung der Relativitätstheorie. Die erste Frau des Nobelpreisträgers war maßgeblich beteiligt an seinen wissenschaftlichen Errungenschaften. Marie Benedict zeichnet eine atemberaubende Liebes- und Emanzipationsgeschichte nach, die Albert Einstein in ein völlig anderes Licht stellt.


Unsere Tipps für Ihre Weihnachtsgeschenke

Téa Obreht - Die Tigerfrau

Ein Buch weitab von rosarotem Lifestyle-Liebesroman und Historienkitsch ist dieses Erstlingswerk von Téa Obreht. Die 1985 in Serbien geborene Autorin erzählt in ihrem Buch die Geschichte von Nathalie. Die Krankenschwester arbeitet in einem Waisenhaus irgendwo in Südeuropa. Als sie vom Tod ihres geliebten Opas erfährt, begibt sie sich auf eine mythische, fantasievolle Reise in ihr Heimatdorf und trifft auf dem Weg durch die vom Krieg zerstörte Landschaft all die merkwürdigen Gestalten aus den Geschichten ihres Großvaters. Realität und Fantasie verschwimmen sprachgewaltig und traumhaft zu einer wundervollen Geschichte – ihrer Geschichte.

Thomas Fischer - Im Recht

"Können die da nicht mal durchgreifen!“, „Also ich würde das ganz anders machen!“ Wer diese Sätze von seinem Altvorderen kennt und genüssliche Diskussionen mag, dem sei dieses Werk für den Papa empfohlen.Thomas Fischer war Richter am Bundesgerichtshof. Der Strafrechtler erklärt in seinen aus der Zeit stammenden Artikeln, warum und wieso manches eben nicht so einfach ist. Sprachlich brillant, aber nicht immer einfach erklärt er, wie der Rechtsstaat im Innersten funktioniert und wo er an seine Grenzen stößt. Seine Aufsätze sind oft konträr zu landläufigen Meinungen und bieten großartigen Stoff für Diskussionen.

Julie von Kessel - Altenstein

Omas haben viel erlebt und erzählen gerne aus ihrem Leben. Das Äquivalent erzählter Geschichten sind Familienromane. Julie von Kessels „Altenstein“ beschreibt die Flucht mehrerer Generationen während des Zweiten Weltkrieges, die innere Zerrissenheit einzelner Personen und wie stark Familiengeschichten das ganze Leben prägen können. Dies passiert auf eine sehr indirekte Weise – der Leser zieht selbst Zusammenhänge, kann Gründe erahnen und Geschehnisse entschlüsseln. Und vielleicht setzt es bei den Omas auch neue Erinnerungen frei, die sie uns bei Kaffee und Plätzchen erzählen können …

Paul Erickson - War Was? Das geheime Krieg der Sterne Tagebuch

Als Lesefan möchte man gerne Lesemuffel bekehren. Die Wahl des Buches ist dabei genauso schwierig wie ihnen zu erklären, in was für Welten man beim Lesen abtauchen kann. Ein Versuch wäre Paul Ericksons neu erschienenes geheime Tagebuch von George Lucas, in dem er vom Filmprojekt „Star Wars“ erzählt. Welchen Plot hätte „Star Wars“ um ein Haar gehabt? Woher stammte die Idee für Darth Vaders Helm? Warum tragen alle Sturmtruppen Weiß? Und weshalb gibt es sie doch, die Geräusche im Weltall? Hallo? Bei der Star-Wars-Euphorie kann das nur ein Treffer sein!

Haruki Murakami - Die Bäckereiüberfälle

Der gebürtige Japaner ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller unserer Zeit. Er schreibt märchenhafte und absurde Geschichten.Wer ihn kennenlernen will, für den sind „Die Bäckereiüberfälle“ der perfekte Anfang: zwei Freunde verspüren einen übernatürlichen Hunger und beschließen, eine Bäckerei zu überfallen. Doch sie haben ihre Rechnung ohne den Bäcker gemacht, denn dieser spielt Wagner. Eine kurzweilige Geschichte mit wunderschönen Illustrationen in Gold – nicht nur für Mütter.

Andrea Wulf - Die Erfindung der Natur

Diese Biographie begeistert sicher nicht nur geschichtsinteressierte oder abenteuerlustige Großväter – sie feuert die Fantasie an und versetzt die Leser in die Schaffenszeit Alexander von Humboldts zurück. Schon vor 150 Jahren verstand der Naturwissenschaftler die Welt als lebendiges Ganzes. Er sagte zum Beispiel schon damals den Klimawandel voraus, indem er die Problematik in der massiven Rodung von Wäldern erkannte. Das Buch zeichnet eine Nahaufnahme des Visionärs und zeigt, dass unser Wissen um die Verwundbarkeit der Erde auf seinen Überzeugungen beruht.


Lauren A. Forry - Abigale Hall

Sucht man nach dem Buch von Lauren A. Forry, öffnet sich auf der Seite des Verlages "Randomhouse" die Kategorie "Frauenliteratur" - ganz klar, da gehört das Buch auch hinein. Die negative Konnotation, die diese Kategorie jedoch immer zu haben scheint, hat es nicht verdient. Ja, es weist keine komplizierten, literarischen Figuren auf und auch der Inhalt bildet weniger als er unterhält, doch wert es zu lesen, ist das Buch auf jeden Fall.
Im London Ende der 40er-Jahre verlieren die Schwestern Eliza und Rebecca ihre Eltern und werden zu der Tante geschickt. Diese selbst hat jedoch finanzielle Probleme, sodass die beiden Kinder eigentlich unerwünscht sind. Trost findet Eliza bei ihrem Freund Peter, von dem sie sehnsüchtig einen Heiratsantrag erwartet. Die Pläne werden jedoch durchkreuzt, als die Mädchen nach Abigale Hall verkauft werden, um hier als Dienstmädchen zu arbeiten. Das Anwesen findet sich nahe eines verlassenen Dorfes, welches oft im Nebel zu versinken scheint und düstere Stimmung verbreitet. Warum ist das so? Wieso schauen die Dorfbewohner Eliza und Rebecca so komisch an? Wieso dürfen sie ihren Hausherren nicht persönlich treffen? Rätsel und Geheimnisse liegen in der Luft, die Spannung ist zum Greifen. Das Buch erzählt keine bürgerliche Nachkriegsgeschichte, es erzählt eine Gruselstory. Es erzählt von Verantwortung, Verrat und Schrecken. Es verwirrt, lässt selbst an Übernatürliches glauben ...
Gehört "Abigale Hall" tatsächlich in die Kategorie er Frauenromane? Wollen nur Frauen sich manchmal Gruseln, den Wirrungen glauben schenken, sich unterhalten lassen oder mit einer Gänsehaut zurückbleiben? Vielleicht sind sie leichtgläubiger, vielleicht verfallen sie eher der Schwesterndramatik - ich weiß es nicht ... Doch klar ist, dass die verzwickte Geschichte, der mit Familiengeschichte verbundene Grusel oder die parallel laufenden Erzählstränge der verschollenen Mädchen und dem suchenden Peter fesseln, ja sogar vorantreiben. Und das ganz ohne negative Konnotation.

Anne-Marie Holze

Heike Hoffmann - Die Seelenmuse

Die Muse nahm mich an die Hand,
entführte mich ganz elegant
in eine Welt voll Poesie
und ich erlag der Euphorie.
"Die Seelenmuse" von Heike Hoffmann aus Halle ist ein Gedichtband, den man in wenigen Stunden verschlingen oder sich häppchenweise zu Gemüte führen kann. Im Prolog schreibt die Autorin, sie möchte den Leser auf eine Reise schicken, ohne vorzuschreiben, welcher Weg zu gehen ist. Zufällig Seiten aufklappen und Gedicht herauspicken? Kapitel für Kapitel, Thema für Thema lesen? Oder alles in einem Rutsch? Letzteres möchte man gerne, man möchte den Worten folgen, doch zum Genießen braucht es Zeit!
Die Kapitel teilen sich auf in das Lachen, die Verführung, die Tränen, den Sturm, den Tanz der Muse und schließlich in die Seelenmuse selbst. So wird der Leser auf Pfade geleitet, die ihn freudig stimmen, zum Nachdenken anregen oder mit den Gedanken zu seinem eigenen Leben schweifen lassen. Die Seelenmuse nimmt an die Hand, doch lässt locker genug, um ab und zu davonschweben zu können.
Die Gedichte und Verse weisen verschiedene Reimschemen auf und auch die Betonung wechselt, rhythmisch oder fließend. Es scheint als würde die Autorin ihrer Inspiration nachgehen, ohne sich Mustern zu beugen und Regeln beachten zu müssen. Die Gedichte finden sich harmonisch zusammen. Wer abends bei einem Glas Wein dem Herbst zusehen möchte, wie er zu Bett geht und dabei ein wenig Unterhaltung braucht, findet in der Seelenmuse kurzweilige, leichte Poesie zum Abschalten.
"Das Spielen mit dem Wort begann,
durch Fantasie ich Spaß gewann,
alsbald erwuchs in mir die Kraft,
und flammte auf in Leidenschaft."

Anne-Marie Holze

Heather Young - Das verlorene Mädchen

Das Cover "Des verlorenen Mädchens" sieht aus wie ein Krimi, gar Thriller. Ist es aber nicht wirklich. Es ist eine Familienerzählung, die klassisch Geheimnisse birgt und zum Ende hin spannend wird. Nur dass sich das Ende darum dreht, wie ein kleines Mädchen gestorben ist. Macht es das nicht doch wieder zum Krimi?
Das Buch dreht sich um die Familie Evans, die ihre jährlichen Sommer in einem Haus am See verbringt. So auch im Jahr 1935. Zu der Familie gehören der Vater, das strenge und gläubige Familienoberhaupt, die ruhige, gar leblose Mutter und die drei Mädchen Emily, Lucy und Lilith. Der Leser erfährt relativ zu Anfang - und klar, auch durch den Klappentext - dass Emily am Ende dieses Sommers verschwand. Darauf wird jedoch nicht mit dem Finger gezeigt, es gibt nicht zu viele Andeutungen oder Abschweifungen. Nein, das Buch erzählt einfach. Und genau das macht es so besonders.
"Das verlorene Mädchen" beinhaltet zwei Erzählstränge: Der eine wird aus der Perspektive Lucys als Ich-Erzähler kurz vor ihrem Ablegen geschrieben. Sie möchte vor ihrem Tod noch einmal aufschreiben, was diesen Sommer geschah - denn sie weiß, was mit Lucy passierte. Das Notizbuch füllt sie für ihre Großnichte. Denn diese ist der einzige Nachkomme, dem sie Sympathie schenkt. Und so kommt es, dass der zweite Erzählstrang aus der heutigen Perspektive Justines mithilfe eines Er-Erzählers blickt, ebenjener Großnichte.
Zuerst scheint es merkwürdig, die Beziehungen dieser Personen zu verstehen. Wer ist wer, sah sich zum letzten Mal oder sprach nie miteinander? Doch hinter dieses Geflecht gestiegen, ist man mitten in der Familienerzählung. Warum faszinieren diese so? Weil jeder selbst eine Familie hat, Personen darin liebt oder nicht mag. Geschichten kennt, die tiefe Wunden erklären oder Geheimnisse beinhalten. Deswegen ist es so spannend, hinter die Fassade der Familie Evans zu blicken. Und das aus gleich zwei Perspektiven.
Wie in Romanen üblich, finden die beiden Erzählstränge immer weiter zusammen. Doch man muss der Autorin hoch anrechnen, dass sie erst am Ende zu einer Lösung führen. Die Aufklärung des Verschwindens der kleinen Emily kommt so weit am Schluss, dass man schon dachte, man würde es nie erfahren. Zeitweise plätschert das Buch vor sich hin und man weiß gar nicht mehr, warum Young dieses oder jenes erzählt. Aber nur, um sich am Schluss in einem Feuerwerk von Geschehnissen, Erklärungen und Verzwickungen zu entladen.
Auf den ersten Blick kann man behaupten, dass es den Strang Justines grundsätzlich eigentlich gar nicht braucht. Warum nicht die Geschichte von damals erzählen, rein chronologisch? Von den Handlungen her hat Justines nichts mehr mit Lucy gemein, außer dass sie beide Erinnerungen an das Sommerhaus teilen. Aber bei diesem Urteil darf es wirklich nur auf den ersten Blick bleiben. Denn: Die Kraft des Buches ist es, zu zeigen, was das wahre Leben oft nicht schafft. Entfernte Verwandte leben in dem gleichen Haus und treffen die gleichen Menschen wie man selbst, nur 70 Jahre später. Wie verändert sich der Blick, das Empfinden, was kehrt wieder, welche Vorurteile hat man und wie kämpft Jung gegen Alt.
Liest man ein Buch wie "Das verlorene Mädchen" geht es eben nicht um einen Krimi und nicht um das Verschwinden des Mädchens. Zumindest nicht hauptsächlich. Sondern es geht darum, wie sich jemand aus einer Familie entwickelt. Ob man etwas gegen die Prägung der Familie tun kann. Ob man überhaupt merkt, dass man sich in Mustern verliert. Warum jemand nie von einem Ort weggeht oder warum er immer weiter reisen muss. All das sind so interessante Aspekte des Buches, dass man die manchmal platten Ausdrücken oder zu weit ausformulierten Gedanken, die man schon längst als empfindender Leser verstanden hat, verzeihen kann. Gründe und Geheimnisse werden nicht immer ausformuliert, lassen sich erahnen und fühlen als wissen und sind dabei sehr oft unerwartet. Der Klappentext des Buches kann daher einen anderen Inhalt erwarten lassen, doch seien wir ehrlich: Das was man bekommt, ist viel besser.

Anne-Marie Holze

Nikola Scott - Zeit der Schwalben

Dieses Haus hat viel gesehen und gehört. Geheimnisse, die nachts vom Wind davongetragen wurden, sich um Schornsteine und schiefergedeckte Giebel wanden, an Flügelfenstern vorbei und über Kieswege. Geflüstertes, das sich seinen Weg suchte zwischen Rosen und Rhododendren und den Obstbäumen von Hartland. Neue und alte Lieben, den Schmerz eines plötzlichen Todes und die Köstlichkeit verbotener Rendezvous. Mitternächtliches Lachen und sommernächtliche Tränen, alle Träume, die man nur träumen, und alle Welten, die man entdecken kann. Das Haus hat sie bewahrt. Ohne zu fragen, ohne zu urteilen, hat es sie im Schatten seiner Mauern erhalten. - So beginnt die "Zeit der Schwalben" von Nikola Scott. Mit diesen Worten zieht sie den Leser in das Buch hinein, bereit ihn auf die kommenden 512 Seiten vor. Die Informationen in diesen ersten Sätzen kann man gar nicht alle aufnehmen, gar verstehen, vielmehr geht es um den wunderbaren Lesefluss, der den Rezipienten an die Hand nimmt. Er wird ihn während des Lesens in verschiedene Jahre führen, rückartig in die Gegenwart oder Vergangenheit schubsen und dabei niemals loslassen.
Der erste erschienene Roman von Nikola Scott ist ein dramatisches Familienwerk, welches die Schicksale der Gegenwart beschreibt und mit Erklärungen aus dem Jahr 1958 füllt. Es geht um die tote Mutter Elizabeth, die man aufgrund der Beschreibungen ihrer Tochter Adele mal mag und mal abstoßend findet. Um Adele, die dieses Verhältnis versucht zu verstehen und plötzlich mit Phoebe konfrontiert wird, die behauptet ihre Zwillingsschwester zu sein. Um Phoebe, die dringend Rätsel aufklären möchte und dabei in der Vergangenheit wühlt. Und schließlich um eine Vergangenheit, die Realitäten der 50er-Jahre preisgibt und immer wieder durcheinander wirbelt, was man bis dahin glaubte zu wissen.
Eine ganze Zeit lang weiß der Leser tatsächlich mehr als die Protagonisten. Die Gegenüberstellung von der Ich-Erzählung Adeles wird mit Tagebucheinträgen Elizabeths aus dem Jahr 1958 punktgenau verpflochten. Elizabeth als Mutter in der Gegenwart und als Kind bzw. jugendliche Schreibende stehen im Konflikt und ergänzen sich gleichzeitig so raffiniert. Wie wird man zu dem Menschen, der man ist? Würde das kindliche Ich das erwachsene treffen, würde es es mögen?
Die Ausmaße der Tragödie ist für den Leser auf den ersten Seiten gar nicht abzuschätzen. Man weiß, es ist etwas ordentlich schiefgegangen. Die Handelnden ahnen es auch. Und zusammen begibt man sich auf die wirklich spannende Suche der Geheimnisse, Personen und Erinnerungen. Das Herausforderndste dabei ist, dass die Charaktere des Buches nie durchweg sympathisch sind. Man hat Mitgefühl und dann wieder Unverständnis, man will sie bremsen und anschubsen, weniger von ihnen lesen und genau wissen, was sie fühlen. Und das ist an diesem Buch wunderbar:
Es ist realistisch. Es ist gibt zwar Helden in der Geschichte, doch sie sind nicht nur Helden. Es ist realitisch und ehrlich zum Leben und zu dem Leser. Keine Mutter ist immer liebevoll und perfekt. Keine Familie bietet nur heile Welt. Um dies zu verstehen, ist es manchmal nötig, zu fragen: "Wie verlief dein Leben? Was ist dir widerfahren? Erzähl mir, was du eigentlich nie erzählen wolltest!" Natürlich steckt nicht immer ein tiefes Geheimnis in der Geschichte. Aber unbedachte Wege, Schicksalsschläge und Kreuzungen im Leben... Menschen sind wie das beschriebene Haus am Anfang des Buches: Sie saugen ihre Umgebung auf, werden durch sie verändert, speichern Erinnerungen. Der positive Unterschied: Wir können darüber reden.

Anne-Marie Holze

Höhenflug Kultur - Kultur von oben

 Kultur kann man auf viele Arten genießen und anschauen. Man kann in die Oper gehen oder in ein Theater, in ein Kino oder in eine Ausstellung. Man kann aber auch einen Blick von oben wagen. Damit ist nicht der Blick eines Kritikers gemeint, sondern wortwörtlich der Blick von oben. In seinem 22. Luftbildkalender von Halle präsentiert Fotografenmeister Horst Fechner faszinierende Aufnahmen von den Kunst- und Kulturstätten der Stadt. Die Luftbildfotografie ist ein besonderes Hobby des professionellen Fotografen, der schon weit in der Welt herumgekommen ist. Publikationen und Ausstellungsprojekte führten den Fotografen nach Dänemark, Dubai, Frankreich, fünfmal nach Kenia sowie nach Kolumbien, Tansania, Tunesien, in die Türkei, in die USA, nach Ägypten, Vietnam, Ungarn, Russland, Zypern und Griechenland, auf die Seychellen und die Kanarischen Inseln. Doch einmal im Jahr steigt er in einen Helikopter und fotografiert seine geliebt Heimatstadt von oben. In seiner Ausgabe 2018 kann man sehen, wie die Kultur das Stadtbild prägt – ein schöner Beitrag für die Kulturhauptstadt der Herzen. Kaufen kann man den Kalender exklusiv in der Thalia Buchhandlung.

www.thalia.de


Carolin Hagebölling - Der Brief

Selten hat ein Buch so überrascht. Der Titel relativ unspektakulär (ok, es geht um einen Brief), das Cover auf den ersten Blick nichtssagend (erst später: ahh, ein und die selbe Frau, sich entgegenkommend, die Häuser Hamburgs und Ballustraden Paris') und der Klappentext romatisch-mysteriös. Und doch ein Buch, was an einem Abend und in einer Nacht bis zum letzten Wort gelesen werden muss, weil man es nicht aus der Hand legen kann.
Marie lebt in Hamburg, ist Journalistin und lebt mit ihrer Freundin Johanna zusammen. Sie bekommt einen Brief von ihrer Schulfreundin Christine, die ihr zu dem Leben in Paris, ihrem Atelier und ihrem Mann Victor gratuliert. Merkwürdig? Merkwürdig! Marie fährt zu Christine, die in ihrem Brief von ihrem Leben in Berlin und ihren beiden Kindern erzählte. Doch Christine wohnt im Heimatdorf der beiden Frauen. Merkwürdig? Merkwürdig! Marie fragt Christine nach den beiden Kindern - doch eins davon ist vor der Geburt gestorben, Christine wird wütend und schmeißt sie raus. Die Fahrt beginnt!
Mehr sei an dieser Stelle nicht vom Plot verraten, denn die Spannung im Buch ist so hoch, dass jede Bemerkung eine Verletzung am Buch selbst wäre. Und doch fällt es schwer, dann man ist gewillt, darüber zu sprechen wie geheimnisvoll, angsteinflößend, gar gruselig das Buch an manchen Stellen wird. Man muss die Erklärung für die Briefe erfahren, es wird zu einem inneren Bedürfnis. Warum?
Hageböllig schreibt in leicht-fließenden Sätzen, die den Plot zum Strömen bringen anstatt ihn zu erdrücken. Emotionen werden nicht totbeschrieben, sondern greifbar. Viele stellten sich sicher schon einmal die Frage, wie das Leben gelaufen wäre, hätte man sich anders entschieden. Die Optionen, die das Leben bietet, sind unsere Weichen. Und was, wenn es nicht nur eine Realität gibt? Wenn, unbestimmbar wo, eine Entscheidung anders getroffen wurde und ein Teil von uns einen anderen Weg ging? Warum fühlen wir uns manchmal so, als würden wir jemanden schon gekannt haben bevor er uns begegnete? Fühlen uns an Orten zu Haus an denen wir noch nie waren? Oder kommen in unbekannten Situationen spielerisch zurecht?
Das Buch spielt mit dem Gedanken, dass Realität nicht Wahrheit, sondern Wahrnehmung ist. Natürlich muss man solche Gedankenspiele mögen, um auch das Buch zu lieben; muss sich Fiktion annehmen können. Doch wenn man das getan hat, kann man Maries Zerissenheit, Christines psychischen Schmerz und vor allem auch das Ende des Buches verstehen und daraus für sich selbst gewinnen.

Anne-Marie Holze

Oliver Hilmes – Berlin 1936

Die Olympischen Spiele 1936 stehen für den Sommer, in dem die Nationalsozialisten Berlin als weltoffene Metropole zeigen wollten. In der Stadt finden sich Sportler und Künstler, Diplomaten und NS-Größen, Transvestiten und Prostituierte, Restaurantbesitzer und Nachtschwärmer, Berliner und Touristen zusammen. Sie allen wollen dem Großereignis beiwohnen, sich dagegen streuben oder im Leben Berlins verlieren. Was sind ihre Geschichten? Wofür stehen sie? Wie kann man sie begreifen?
Als beste Beschreibung des Erzählstils dient die Erwähnung des Buches "1913" von Florian Illies. Großartig. Und besonders lesenswert. Wer das Buch nicht gelesen hat, dem sei erzählt, wie der Erzählstrang des Plots verläuft: Die Personen werden eingeführt, kurz umrissen, detaillierte Gespräche niedergeschrieben oder Gefühle dargegelegt - völlig unterschiedlich, eben so wie es der Handlung zuträglich ist. Die Geschichten, Handlungen und Worte sind so nah, wie es geht, an der Realität und nur so nötig, wie es eben ist, um Fiktion erweitert. Die bloße Gegenüberstellung und Aneinanderreihung dieser Sequenzen ergibt ein Gesamtbild, was komplexer nicht sein könnte. In "Berlin 1936" wird nicht gewertet, es wird gezeigt. Es wird so wunderbar verknüpft und Recherchen offen gelegt, die treffen. Die Verstehenlassen wie Menschen denken und dachten; wie unbegreiflich es doch aber eigentlich ist.
Oliver Hilmes führt Personen ein, deren Namen wir kennen und folgt völlig unbekannten Personen mit exemplarischen Auftritten. Tag für Tag werden die Olympischen Spiele durchgespielt und ihr Rahmen aufgezeigt. Freude im Stadion und Entjudung. Siegerehrung und Berufsverbot. Große Feste und Ghettoleben. Wie kann so ein Paradox möglich sein? Warum haben die Scharen von Gästen nichts gemerkt, nichts gesagt, nichts getan?
Weil sich Berlin versteckte und zur Kulisse wurde. Die »Juden verboten«-Schilder waren plötzlich verschwunden, statt des »Horst-Wessel-Lieds« klingen Swing-Töne durch die Straßen, der Stürmer wurde nur unter der Hand verkauft. Berlin scheint für kurze Zeit eine ganz normale europäische Großstadt zu sein, doch im Hintergrund arbeitet das NS-Regime weiter daran, die Unterdrückung zu perfektionieren und das Land in den Krieg zu treiben.
Der Leser des Buches bleibt schockiert zurück, überrumpelt und verwirrt. Begreifen kann man das alles eigentlich nicht. Sicher, es gibt unzählige Bücher mit Zweiter-Weltkrieg-Thematik und geschichtlich aufgeklärt sind wir auch. Doch der Leser rennt durch die 16 Tage und kommt doch nicht hinterher. Die Darstellung Berlins, die kühl-ironische Erzählweise Hilmes, das Auftreten von bekannten und namenlosen, doch realen Personen - all das macht das Buch einzigartig.

Anne-Marie Holze

Christoph Schulte-Richtering - 32 Tage Juli

Wir alle erinnern uns an die Sommer, in denen wir jung, frei und naiv waren. In denen wir nicht genau wussten, was wir am nächsten Tag machen würden, in denen wir noch keine Verantwortung hatten und irgendwie sowieso keine Angst, keine Sorgen und viel Gefühl. Wer hat gesagt, dass dies aufhören müssen? Dass man, wenn man erwachsen ist, viel mehr Angst, viel mehr Sorgen und weniger Gefühl haben muss? Keiner! Und doch schleichen sich Partner, Kinder und der Job in das Leben und plötzlich... Plötzlich existiert ein Stück vom früheren Selbst nur noch in Erinnerung. Und das ist auch gut so. Meistens. Und doch gibt es manchmal Situationen im Leben, da muss man ausbrechen. Alte Rechnungen begleichen. In längst besuchte Orte fahren, um zu merken, dass sie sich auch verändert haben.
32 Tage Juli von Christoph Schulte-Richtering erzählt von Jonas und Christian, beide Ende 40, die gerade im Leben scheitern. Das zwingt sie zum Nachdenken, zum Anhalten und schließlich zum Ausbrechen. Und da alte Männerfreundschaften nie wirklich enden, beschließen sie zusammen in den Ort Portugals zu fahren, in dem sie nach dem Abi den besten Sommer ihres Lebens verbrachten. Dort angekommen, ziehen sie die Touri-T-Shirts von damals an, die nicht mehr passen, gehen in die Stammkneipe und stellen ein früheres Foto nach und versuchen ein Rätsel zu lösen, was damals den gesammten Trip überschattete. Denn an der Küste Portugals ging es um Freiheit, Alkohol, die erste Liebe und ein schreckliches Verschwinden.
Die Kritiken zu Schulte-Richterings Buch nennen es unter anderem humorvoll und leicht. Das ist es auf eine gewisse Weise auch, denn das Buch liest sich durch die einfache Ausdrucksweise schnell weg und erweckt das ein oder andere Schmunzeln. Jedoch kommt man nicht umhin, zu fragen, wer eigentlich die Zielgruppe des Buches sein soll. Vom Schreib- und Erzählstil könnte es locker als Jugendbuch gelten. Doch Jugendliche wird es nicht interessieren, wie ältere Männer bedauern, dass sie eben alt sind. Böse gesagt, könnte die Zielgruppe auch aus ebendiesen Männer in ihrer Midlife-Crisis bestehen. Denn Resultat des Buches ist, dass eben doch alles gar nicht so schlimm ist im Erwachsenenleben, die Jugend damals aus heutiger Perspektive zwar toll, aber eben auch mehr Schein war, und man jede Zeit, die man hat, nutzen soll. Amen.
Natürlich - nicht jedes Buch muss lyrisch und tiefsinnig, fein erzählt und poetisch sein. Leichte Bücher, die man an einem Sommerabend verschlingt, können witzig anmuten, Sätze aneinanderreihen und müssen nicht immer zum Nachdenken anregen. Man kann es genießen, eine Jugendstory wie aus dem Nähkätchen geplaudert zu erfahren; kann den Männern über ihre Erwachsenenleben redend zuhören. Doch beim Lesen fragt man sich das ein oder andere Mal, weswegen die Geschichte nun eigentlich erzählt wird: die Jugendlichen selbst reflektieren wenig, die Sommerromanze bricht plötzlich ab, das Rätsel, um ein Verschwinden, wird gelöst und plötzlich belächelt, das Ende des Buches könnte unorigineller nicht sein. Einziger Lichtblick ist für den Leser das Auftreten des Mädchen von damals und der heutigen Frau, welche es aber auch nur sein könnte und nicht sicher ist - und damit zum Nachdenken anregt.
Wir alle erinnern uns an die Sommer, in denen wir jung, frei und naiv waren. Und diese Sommer waren wichtig. Sie haben in Darstellungen in Büchern mehr Bedeutung und Tiefe verdient.

Anne-Marie Holze

Friedemann Karig - Wie wir lieben - Vom Ende der Monogamie

Wie wir lieben, wen, wieviele, wie lange und ob überhaupt scheint gerade alle zu beschäftigen. Vorneweg die Medien - heben wir die Zeit, ze.tt und Neon hervor - besprechen Polyamorie oder Polygamie, auf jeden Fall aber das Ende der Monogamie. In diesen Rhythmus reiht sich Friedemann Karig mit seinem ersten Buch "Wie wir lieben - Vom Ende der Monogamie" ein.
Er beschreibt, dass jede zweite Ehe geschieden wird und sich niemand in ein Flugzeug mit einer solchen Absturzquote setzen würde. Recht hat er wohl. Im Folgenden werden dem Leser Geschichten von Paaren erzählt, die die Monogamie probiert haben oder nicht - auf jeden Fall nicht in und mit ihr leben wollten. Außerordentlich sensibel und aufmerksam gibt Karig die Gespräche mit den Pärchen wieder. Und diese scheinen bedingungslos ehrlich zu sein und ihren Weg genau nachzuzeichnen. Sie lachen, zweifeln selbst an ihren Entscheidungen oder würden alles genau so wieder tun. Wie ihre einzelnen Episoden ausgehen sei hier nicht verraten.
Zwischen den Paar-Beispielen streut der Autor wissenschaftliche Kapitel ein. Über Liebe, Ehrlichkeit, Sexualität. Man kommt nicht umhin, auch seine Meinung hier hineininterpretiert zu sehen. Spannend ist es trotzdem allemal, in welches Chaos, welche Abhängigkeit man sich eigentlich mit einer Beziehung gibt. Und die Liebe wird hier auf keinen Fall verneint, nur das Setzen in gewisse Grenzen, die scheinbar die Gesellschaft aufstülpt und nur wenige für sich persönlich wählen wollen. Mit einer gewissen Offenheit und Leichtigkeit wird hier die Liebe zwischen verschiedenen Menschen beschrieben, die sich jeder nur erträumen kann. Hier kommt das Aber.
Liest man Karigs Buch. können sich auch manchmal die Haare streuben. Man kann denken: "Aber warum denn nicht?" Warum soll es nicht möglich sein, für ein ganzes Leben lang glücklich zusammen zu sein? Weil die Wissenschaft das Gegenteil behauptet und damit sicher nicht falsch liegt. Doch was wäre das Leben ohne die Hoffnung, dass es bei einem selbst anders laufen wird. Dass man an Liebe festhalten kann. Und will. Dass man mit dem einen Menschen glücklich und zufrieden sein kann. Das scheint in der Gesellschaft der vielen Möglichkeiten manchen Menschen nahezu unsinnig. Und was, wenn das nicht nur die romantische Vorstellung ist, sondern ein Grundbedürfnis? Wenn man sich absolut nicht vorstellen kann, einen gewählten Menschen zu teilen? Wenn man nicht den Drang hat, immer etwas anderes kennen zu lernen? Was, wenn man von der Monogamie überzeugt ist? Ohne etwas anderes ausprobieren zu müssen?
Der Trend weg von der Monogamie schubst manche sicher in offene Beziehungen, die ein paar Jahre funktionieren und glücklich machen. Funktionieren sie besser oder länger als "normale" Beziehungen? Nein! Der Trend bringt manche wiederum auch auf einen Weg, der sie immer wieder verletzen wird. Die Probleme in den Beziehungen scheinen möglicherweise also anderer Natur, doch sind sie das wirklich?
Friedemann Karigs Buch liest sich durchaus interessant und amüsant. Es bildet und klärt auf. Es zeichnet ein Bild der Liebe, was ihrere offenen und impulsiven Natur entspricht. Was dabei manchmal ein wenig vergessen wird, ist, dass Menschen, die in Monogamie leben nicht immer nur zu feige, zu eifersüchtig, zu verschlossen sind. Sondern, dass sie es manchmal auch einfach nicht wollen. Der Liebe wegen. Und das ist es doch, worum es schließlich geht. Dass wir lieben.

Anne-Marie Holze

Sebastian Fitzek - AchtNacht

In Fitzeks neuem Roman wird ein Gesellschaftsbild gezeichnet, welches den Leser vor die Frage stellt: Wie weit wärst du bereit zu gehen? In AchtNacht stellt das Staatssystem zwei Menschen eine ganze Nacht vogelfrei. Wer einen der beiden umbringt, bekommt mehrere Millionen Euro Gewinn. Von den Einnahmen des "Spiels" können dann Polizeikosten für die nächsten Monate bezahlt werden. Soweit erklärt es das Internet, soweit schildern es die Medien. Doch: Wieviel Glauben soll man diesen schenken? Würde das Staatssystem so weit gehen? Warum hat es die Äußerungen noch nicht dementiert? Weil es glaubt, die Menschen haben so viel gesunden Verstand, dass sie eh nicht drauf reinfallen? Doch in AchtNacht fällt die Gesellschaft drauf rein. Auch, wenn nur zum Teil. Doch selbst nur ein paar tausend Menschen in Deutschland sind genug, um zwei "AchtNächter" töten zu können.
Mit "AchtNacht" schafft Fitzek einen Thriller, der den Leser berührt, ja, mit einbezieht. Vorherige Werke waren ebenso fesselnd, doch immer noch ein Stück weg von der eigenen Realität. Natürlich ist auch "AchtNacht" fiktiv, stellt jedoch dringender als in den Büchern zuvor die Frage, ob man selbst, das Umfeld oder die eigene Gesellschaft so weit gehen würde. Oder sogar schon soweit gegangen ist, wenn auch im übertragenen Sinne. Man will die Protagonisten schütteln, will sagen sie sollen doch aufwachen und ihren Verstand benutzen. Kann man aber nicht. Man liest weiter und weiter und beobachtet, wie die Todesjagd fortschreitet.
Doch Fitzek wäre nicht Fitzek, wenn er in seinem Buch nicht mehr liefern würde als eine komplexe Geschichte. Es gibt Nebenstränge, Familienwirren, Gefühlsabhängigkeit. Um zu begreifen, wie alles zusammenhängt, muss  man bis ganz zum Schluss lesen. Auch typisch Fitzek. Bei ihm kommt immer alles anders als man denkt, und dieser Satz kommt dem Leser während des Romans ein paar Mal in den Sinn. Bei "AchtNacht" wirkt dies aber nicht künstlich, nicht aufgesetzt, sondern sich organisch ergebend durch die Gedankengänge des Hauptprotagonisten.
Wer also ein Buch lesen möchte, das an eigenen Moralvorstellungen und der Frage nach dem Glauben an die Menschheit rüttelt, dabei wegen der immer größer werdenen Spannung regelrecht durchs Geschehen hetzt und am Ende überrascht - der liegt bei Fitzeks "AchtNacht" genau richtig.

Anne-Marie Holze


Olga Grjasnowa – Gott ist nicht schüchtern

Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird. Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen. Olga Grjasnowas Romane erinnern uns immer wieder daran, dass es nicht nur diese eine Welt vor unserer Haustür gibt, sondern sehr viele Welten, und dass es sich lohnt, sie kennenzulernen. Ihr neues Buch ist ein erschütterndes Dokument unserer Zeit.


Ulrich Schacht – Notre Dame

Revolution in Leipzig 1989. Menschen, die mehr vom Leben wollen. Mehr sehen, mehr dürfen, mehr haben, mehr fühlen. Aber auch Menschen, die damit nichts anfangen können, hilflos mittreiben, keinen Halt finden. Oder Halt in einem anderen Menschen, bis die Leidenschaft und die Geschehnisse alles zu zerreißen drohen. In Notre Dame entspinnt sich eine gewaltige Liebe, die ihren Höhe- und Tiefpunkt im Paris 1991 finden und die zwei Städte so auf wunderbar tiefsinnige, detailreiche und wortverliebte Weise zusammen bringen wird.
Schachts Hauptprotagonist geht dem Leser dabei nah. Er kann ihn verstehen oder auch nicht, aber er kann fühlen, was er fühlt. Die feine Sprache, die der Autor verwendet, die klugen Vergleiche und Zitate oder das Einspinnen von Briefabsätzen - dies alles macht "Notre Dame" zu einem besonderen Buch. Weil man denkt, ganz tief in Personen hineinschauen zu können. Verzweiflung zu spüren, Abhängigkeit. Weil man sie manchmal schütteln möchte. Auch der Aufbau des Buches trägt zu diesem Bild bei: Rückblenden, aktuelle Einblicke, ein geschlossener Rahmen. Das Buch bettet den Leser ein, verlangt ihm zwar auch einiges ab, aber hält ihn nie in der Schwebe. Ein Roman für alle, die auf Gefühle stehen und sich beim Lesen Zeit nehmen wollen.

Anne-Marie Holze

Jussi Adler-Olsen – Selfies

Vizepolizeikommissar Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen Todesfalls von der Mordkommission in Kopenhagen hinzugezogen. Wie sich herausstellt, gibt es eine Verbindung zu einem mehrere Jahre zurückliegenden und ausgesprochen brisanten cold case, aus dem sich schwerwiegende Konsequenzen für die aktuellen Ermittlungen ergeben. Ausgerechnet jetzt geht es Carls Assistentin Rose sehr schlecht. Sie wird von grauenhaften Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht. Rose kämpft mit aller Macht dagegen an – und gegen das Dunkel, in dem sie zu ertrinken droht. Welche Rolle spielen die jungen Frauen Michelle, Jasmin und Denise, die sich zu einem starken und hochexplosiven Kleeblatt verbündet haben?



Mira Magén – Zu blaue Augen

Hannah Jona ist 77 Jahre alt, Witwe, und ihre Augen sind so blau, dass man sie schnell für ein bisschen exzentrisch hält. Sie lebt in einem der schönen alten zweistöckigen Jerusalemer Häuser, ihre drei Töchter wohnen ebenfalls dort, jede unverheiratet, jede mit eigener Karriere und Wohnung. Johanna, eine Pflegerin aus Rumänien, sorgt sich, dass Hannahs Doppelleben entdeckt werden könnte. Was wird geschehen, wenn herauskommt, dass Hannah, die tagsüber im Rollstuhl sitzt (nicht zuletzt, um sich die Immobilienhaie vom Hals zu halten, die ihr das wertvolle Haus abluchsen wollen), sich nachts mit hochhackigen Schuhen in Bars herumtreibt, Männer trifft und sich betrinkt? Hannahs Töchter teilen die Sehnsucht der Mutter nach Leben und Liebe und respektieren ihren Versuch, der Tyrannei der Zeit die Stirn zu bieten – jede geht anders mit Hannahs Kapriolen um. In diese skurrile Menage kommt Rafi, ein junger Mann, der vorgibt, Dichter zu sein, und ein Apartment mieten möchte. Tatsächlich gehört er zu jenen Real-Estate-Zockern, die Hannah um ihr Haus bringen wollen...


Frank Goldammer – Der Angstmann

Spielt ein Roman im November 1944 vermutet man einen Kriegsroman, meistens inklusive packender Liebesgeschichte. „Der Angstmann“ jedoch ist ein Krimi, was ihn nicht weniger die Schrecken des Zweiten Weltkrieges betrachten lässt. Kriminalinspektor Heller sucht in diesen Zeiten einen Frauenmörder, der nachts durch die Gassen schleicht. Treffen diese packende Story und geschichtliche Wirrungen und Schrecken aufeinander, entsteht ein Roman, der es in sich hat.
Wer hat Schuld und verbündet sich mit dem Bösen? Wer hat nur sein eigenes Schicksal im Kopf oder denkt an die Masse? Ist die Suche nach einem Mörder dringender als die Kriegsverbrechen gegen die Masse? All diese Fragen und viele weitere, die die Moral betreffen, werden in diesem Buch indirekt gestellt. Der Leser entscheidet für sich wie er dem Hauptprotagonisten folgt - doch auch wenn er es nicht nachvollziehen kann, hält ihn die Story fest. Denn die Suche nach dem Mörder wird genau in dem Moment, an dem man glaubt, das Buch beginnt sich aufzulösen, noch einmal mit voller fahrt aufgenommen und bringt die Gedanken um den Glauben an die Menschheit und die Einteilung in Gut und Böse ins Wanken.

Anne-Marie Holze





Andree Hesse – Der Diversant

»Diversant [lat.-russ.] der: (bes. DDR) Saboteur; jmd., der Störmanöver gegen den Staat mit Mitteln der Sabotage verübt.«(*) - Andree Hesse schildert die Geschichte eines jungen Menschen auf der Suche nach seinem Platz im Leben: von einem Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen und vom Zerfall einer Familie in der Nachkriegszeit. Der Roman handelt von der deutschen Teilung und einer doppelten Flucht, lässt eine Welt auferstehen, die unsere Gegenwart geprägt hat, in der Menschen lebten, die unsere Eltern und Großeltern sind, eine Generation, die bald sterben wird. Einfühlsam und packend direkt erzählt »Der Diversant« von dem, was lange verschwiegen wurde, und wie die Grausamkeit eines totalitären Sytems einfach jeden treffen kann – eine wahre Geschichte.


Jón K. Stefánsson – Etwas von der Größe des Universums

Lässt man sich auf ein Gedankenspiel ein, bereit, durchaus philosophische Wege zu gehen, ist dieses Buch genau das richtige. Der Tod und das Leben geben sich in diesem Werk die Hand, ohne jedoch jemals den Humor zu verlieren. Unbegreifliches wird weitergesponnen, tiefe Gefühle werden ausgebreitet, Glück und Unglück weitergereicht. Ein Roman voll rauer Poesie, die zum Träumen anregt.
Am Beginn der Geschichte steht der Tod, doch in Wahrheit zelebriert dieser Roman das Leben: über mehrere Generationen hinweg wird von Ari und seiner Familie erzählt; von der Leidenschaft zwischen Mann und Frau, von verbotener Liebe, Gewalt, Kummer, Betrug und Bedrückung. In Aris Familie werden Glück und Unglück eben gleichermaßen von einer Generation in die nächste gereicht. Am vorläufigen Ende dieser Reihe steht Ari selbst, auf dem Weg zu seinem Vater, mit dem er noch eine Rechnung offen hat, bevor dieser stirbt. Jon Kalman Stefánsson vermag diese raue Schönheit des Lebens, die auch der isländischen Landschaft eingeschrieben ist, in seiner archaischen und ergreifenden und dann doch wieder vollkommen heutigen und humorvollen Prosa einzufangen wie kaum eine anderer Autor seiner Generation.


Elena Ferrante - Die Geschichte eines neuen Namens

Lila und Elena sind sechzehn Jahre alt, und sie sind verzweifelt. Lila hat noch am Tage ihrer Hochzeit erfahren, dass ihr Mann sie hintergeht – er macht Geschäfte mit den allseits verhassten Solara-Brüdern, den lokalen Camorristi. Für Lila, arm geboren und durch die Ehe schlagartig zu Geld und Ansehen gekommen, brechen leidvolle Zeiten an. Elena hingegen verliebt sich Hals über Kopf in einen jungen Studenten, doch der scheint nur mit ihren Gefühlen zu spielen. Sie ist eine regelrechte Vorzeigeschülerin geworden, muss aber feststellen, dass das, was sie sich mühsam erarbeitet hat, in ihrer neapolitanischen Welt kaum etwas gilt. Trotz all dieser Widrigkeiten beharren Lila und Elena immer weiter darauf, ihr Leben selbst zu bestimmen, auch wenn der Preis, den sie dafür zahlen müssen, bisweilen brutal ist. Woran die beiden jungen Frauen sich festhalten, ist ihre Freundschaft. Aber können sie einander wirklich vertrauen?
Was tut man, wenn die Freundin, mit der man seit 60 Jahren befreundet ist, verschwindet? Das Rätsel um Lila lässt Elana zurückblicken – auf das pralle Leben, die jahrhundertelangen Familienfehden, die es auszustehen galt, Schießereien, Liebesaffären und Mutterschaft. Und so taucht der Leser ab in eine fremd anmutende Welt Neapels in den 50er-Jahren, in die man sich durch die warme Sprache Ferrantes doch hineinfühlen kann.


Arturo Pérez-Reverte – Der Club Dumas

Liest man den Namen Dumas, fallen einem unweigerlich die drei Musketiere ein. Doch was hat der Autor nicht veröffentlicht? Lucas Corso, Buchhändler, wird beauftragt, eine seltene Handschrift Dumas' zu untersuchen. orso ahnt, diese Aufträge kosten ihn vielleicht mehr als seine Selbstsicherheit … Das Zeugnis einer gefährlichen Leidenschaft. Der Weltbestseller über den Wahnsinn, den es bedeutet, zu lesen. Das Abenteuer rund um ein teuflisches Geheimnis. Die Reise führt ihn zu letzten Exemplaren eines Buches, von dem viele glauben, der Teufel selbst habe es geschrieben. Pérez-Reverte zieht den Leser durch seine direkte Sprache in eine mystische Welt.

 

 


D. Janke & J. Leibiger – Digitale Revolution

Gesellschaftliche Verhältnisse – betrachtet durch die Brille von Philosophen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften – machen dieses Buch zu einer interessanten Abhandlung der heutigen Zeit. Welche Veränderungen in der Produktions- und Lebenswelt ließen die Digitale Revolution oder Industrie 4.0 entstehen? 
Dritte oder vierte Industrielle Revolution, digitale Revolution oder Industrie 4.0: All diese Kennzeichnungen der Umbrüche im System der produktiven Kräfte reflektieren, dass sich fundamentale Veränderungen in den Produktions- und Lebenswelten vollziehen. Was ist das Bestimmende an diesen Veränderungen? Was bedeuten sie für die sozialen Verhältnisse? Ist diese Umwälzung im Kapitalismus beherrschbar oder braucht es dafür eine neue Wirtschaftsordnung? Welche Produktivkräfte braucht der sozial-ökologische Fortschritt?


Ulrike Hinrichs & Günther Spiegel – Kleine Weltküche

Nicht nur in Deutschland gibt es den Ausspruch „Liebe geht durch den Magen“. Aber auch andere Kulturen und Sprachen kennen die Redensart, etwa das Englische oder Arabische. Die beiden HerausgeberInnen haben diese Lebensweisheit beim Wort genommen und einen gemeinsamen Austausch von Rezepten, Kochen und Essen als gelebte Kultur organisiert, die verbindet und in der Begegnung aus Fremden Freunde macht. Das Buch wurde von den Beteiligten selbst illustriert, mitgewirkt haben u.a. Profis wie Emad Hashem, der an der Universität in Damaskus (Syrien) eine Kunstprofessur inne hatte, oder auch kleine Künstlerinnen wie die elfjährige Yona Sabbah, ebenfalls aus Syrien, die Spaß am Malen hat. Sie schufen ein Gesamtkunstwerk, mit dem neben den Rezepten auch gemeinsame Erlebnisse, Bilder und Geschichten in die Welt gehen. Das Kochrezepte-Buchprojekt »Kleine Weltküche« zielt auf eine Interaktion von Menschen in einer kulturell bunten Gesellschaft. Alle können von den kulinarischen Impulsen profitieren und die Kultur des anderen kennen- und schätzen lernen. Das gemeinsame – auch künstlerische – Schaffen zum Thema Essen fördert den interkulturellen Dialog. Denn ganz nebenbei haben sich die Beteiligten beim Austausch über die Rezepte Geschichten erzählt, über das Essen, die Heimat, das Bekannte und das Unbekannte. Da wurde im fröhlich lauten Sprachgewirr zwischen Deutsch, Englisch, Arabisch, Persisch sowie Zeichensprache und anderen Sprachen gelacht, übersetzt, gefragt, erzählt und gemalt. Guten Appetit beim Lesen, Staunen, Nachkochen und Essen!

 

 


Paul Auster – 4 3 2 1

Es hat sich jeder wohl schon einmal die Frage gestellt, was wäre gewesen, wenn …? Wenn man eine Begabung mehr gefördert hätte, sich mit mehr zufriedengegeben hätte oder mit weniger? Paul Auster beschreibt in seinem Roman das Leben von Archibald Ferguson – gleich vier Mal. Das Werk zeigt wie unterschiedlich Abendteuer enden, Lieben beginnen und Schicksalsschläge verkraftet werden können.  
Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls. '4 3 2 1' – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. "Was für ein interessanter Gedanke", sagt er sich als kleiner Junge, "sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte." Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals … '4 3 2 1' ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht.

 

 


Julie von Kessel – Altenstein

Ein gemütlicher Abend und ein gutes Buch – das passt perfekt zusammen. Wenn es dann noch eine Geschichte einer alten Adelsfamilie ist, die einen direkt in den Bann zieht, ist das noch viel besser! Inmitten des Zweiten Weltkrieges erlebt die Familie der Gräfin von Kolberg wie es ist, wenn die Familie zerreißt. Wenn die schlimmen Erlebnisse zusammenschweißen oder weiter auseinander treiben können. Wenn die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse erneut einem Umschwung unterworfen werden. Altenstein behandelt ein exemplarisches Stück deutscher Geschichte.
Dabei werden alle Figuren vorgestellt ohne zu bestimmen wie sie sind. Von Kessel schafft dies, in dem sie Geschehnisse, die den Charakter formten, die etwas mit den Personen machten. Doch was und wie, das kann sich der Leser selbst erschließen, wenn er denn ein Urteil fällen möchte. Das faszinierendste daran ist, dass dafür jegliche zeitliche Kontinuität umgangen wird. Wir springen in der Zeit: vor dem Zweiten Weltkrieg, zum Zusammenschluss Deutschlands, zum Hier und Jetzt. Handlungslücken schließen sich nicht immer, doch oft denkt man begriffen zu haben, was danach geschah. Und vor allem begriffen zu haben, was diese Familie umtreibt und auch auseinander. Warum alle ihre Rollen haben und warum sie unbedingt daraus entfliehen wollen. In den seltensten Fällen gelingt dies - und der Leser weiß auch, wieso.
Man könnte meinen von Kessel verlangt durch den Aufbau des Buches viel vom Leser ab. Doch eigentlich schafft sie es nur, das beste aus dem Leser und den Figuren hinauszukitzeln, keine Stigmata aufzudrücken, intelligente Fäden zu spinnen und den Rezipienten auf eine spannende Suche nach den Verbindungen zu schicken.

Anne-Marie Holze


Titus Müller – Der Tag X

Der 17. Juni 1953 hat sich tief in das Bewusstsein unseres Landes eingebrannt. An diesem Tag erhoben sich in der jungen DDR die Arbeiter, um gegen das Regime aufzubegehren. Alles schien an diesem Tag möglich, Freiheit lag in der Luft. Doch dann kam alles anders… Titus Müller, der bisher drei ebenfalls historische Romane verfasste, nimmt sich der Ereignisse dieses Sommers an. Er erzählt die Geschichte von Nelly, deren Vater gezwungen wird, in Russland zu arbeiten. Nelly sucht ihren Vater, gerät an einen sowjetischen Spion, und es kommt auch noch Liebe ins Spiel, als die Welt in Halle und Berlin aus den Fugen gerät.
Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht, auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder. Hinzu kommt ihr Engagement in einer kirchlichen Jugendorganisation, was im Frühjahr 1953 zum Rauswurf aus der Schule führt. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.


Robert Gerwarth – Die Besiegten

Geht ein Krieg zu Ende, herrscht Frieden. So die allgemeingültige Einschätzung. Dieses Buch stellt jenen Trugschluss auf den Kopf und betrachtet die, die verloren haben. Wer nicht zu den Gewinnern des Krieges zählte, fiel in Revolutionswirren. Vertreibungen prägten die Nachkriegszeit. Gerwarth betrachtet das explosive Gemisch, welches schwache Staaten, traumatisierte Bevölkerungsgruppen sowie Rachewünsche zurückließen.
Der Waffenstillstand vom 11. November 1918 beendete das Sterben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, doch in weite Teile Europas kehrte mit diesem Datum kein Friede ein. Vor allem die Verlierer des Krieges versanken in einer Spirale der Gewalt. In seinem breit recherchierten und packend geschriebenen Buch macht Robert Gerwarth das Ausmaß der Kriege und Konflikte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs deutlich und zeigt, warum das Schicksal der Besiegten der Schlüssel zum Verständnis des 20. Jahrhunderts ist.Die Brutalität des Ersten Weltkriegs ist in der kollektiven Erinnerung Europas fest verankert. Fast völlig vergessen ist hingegen das Leid, dass die zahlreichen (Bürger-)Kriege, Vertreibungen, Pogrome und gewaltsamen Auseinandersetzungen nach Ende des Ersten Weltkriegs über weite Teile des Kontinents brachten. Von Russland, der Ukraine und den Staaten Osteuropas, von Deutschland und Österreich bis zum Balkan und in den Mittleren Osten wurde um das Erbe der zerbrechenden Reiche gerungen und für eine neue Ordnung getötet. Die nicht enden wollenden Kämpfe der Zwischenkriegszeit, so zeigt Robert Gerwarth in seiner umfassenden Studie, kosteten nicht nur Millionen Menschenleben, sie hinterließen auch unter den Überlebenden ein explosives Erbe: schwache Staaten, traumatisierte und hasserfüllte Bevölkerungsgruppen sowie Politiker und Militärs, die nur auf die nächste Gelegenheit warteten, um Rache zu üben.


Sabine Ebert – Schwert und Krone

In ihrem neuen historischen Roman widmet sich die Bestseller-Autorin Sabine Ebert der Barbarossa-Ära, und „Schwert und Krone – Meister der Täuschung“ ist der Auftakt zu einer neuen großen Mittelalter-Serie. Die Geschichte startet im Dezember 1137. Der alte Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer, die selbst Jahre zuvor durch Ränke an der Machtübernahme gehindert wurden, in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt. Bald muss er erkennen, dass sogar sein Bruder und sein junger Neffe, der künftige Friedrich Barbarossa, ihm nur bedingt die Treue halten. Es beginnt ein jahrelanger Krieg – und raffiniertes Intrigenspiel, in dem Welfen, Askanier, Wettiner und viele andere mächtige Häuser mitmischen – und auch so manche Frau. Bestseller-Autorin Sabine Ebert entführt ihre Leser in die faszinierende Zeit des 12. Jahrhunderts und entfaltet ein grandioses, erschütterndes und schillerndes Panorama, das auf verbürgten Ereignissen beruht. In ihrer neuen epischen Mittelalter-Serie beleuchtet sie den Aufstieg Barbarossas zu einem der mächtigsten Herrscher des Mittelalters.


Verena Lugert – Die Irren mit dem Messer

„In den Küchen der Spitzen-Gastronomie wird ebenso viel geweint und gelitten wie gekocht …“ Diese Erfahrung ist Verena Lugert von Anfang an ihrer Kochkarriere in der Haute Cuisine vertraut. In ihrem mitreißenden Memoir gibt sie eine Antwort auf die Frage, was einen Menschen wie sie dazu bringt, mit Ende dreißig ihre erfolgreiche Karriere als Journalistin aufzugeben und sich in die Küche eines Sternekochs wie Gordon Ramsay zu stellen, dort sechzehn Stunden am Tag zu malochen, körperliche Schmerzen und Erniedrigung zu erdulden und sich einem unvorstellbaren Anspruch nach Perfektion auszusetzen? Verena Lugert erzählt vom gnadenlosen Druck in den Küchen der Spitzenrestaurants, von Adrenalin-Junkies, die jeden Neuen in der Küche argwöhnisch auf Herz und Nieren prüfen, und von ihrem Selbstbehauptungswillen inmitten dieser unbarmherzigen Männerwelt. "Die Irren mit dem Messer" ist die faszinierende Geschichte einer mutigen Frau, die in London im "Le Cordon Bleu", der weltweit bekannten Kochschule, das Kochen für die Spitzengastronomie lernt, um anschließend in einem Restaurant der Haute Cuisine tagelang Schweinsköpfe zu zerlegen, glutheiße Herde zu schrubben – und es mit viel Schmerz und Tränen zu schaffen, endlich anerkannt und Teil eines Teams zu werden, das jeden Tag lukullische Kunstwerke auf den Teller zaubert.

Wenn Sie dieses Buch gewinnen möchten, senden Sie uns bis zum 31.3. eine E-Mail an verlosung@kulturfalter.de mit Ihrem Namen und Adresse und diesem Buchtitel.


Beinert Schwestern – Die Mutter des Satans

Die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert sind nicht nur Zwillinge, sondern auch als Gespann ein erfolgreiches Autorenpaar. Bekannt sind sie für historische Stoffe und auch sie liefern im Reformationsjahr ein Buch über Luther. Jedoch nicht über Martin, sondern über seine Mutter Margarethe Luther und wie sie ihren Sohn, den Reformator Martin Luther, prägte. Der Roman beginnt in Zeiten von Pest, Aberglaube und Ablass: 1480 wird die junge Margarethe mit dem gleichaltrigen Hans Luder vermählt. Trotz der zunächst trostlosen Aussicht eines Lebens an der Seite eines Bergmannes ist die Ratsherrentochter 1483 über die Geburt ihres ersten Sohnes Martin sehr glücklich. Als Martin Luther sich Jahre später gegen den Willen des Vaters für ein Leben als Mönch entscheidet, ist Margarethe hin- und hergerissen zwischen Ehegehorsam und Mutterliebe. In den gefährlichen Jahren der beginnenden Reformation wagt sie einen gefährlichen Balanceakt und trifft den mittlerweile berühmt-berüchtigten Sohn sogar heimlich. Erst ihre bedingungslose Zuneigung und Liebe zu Martin – von Geburt an – machten aus Martin Luther den mutigen, unerschütterlichen Reformator, der uns bis heute überliefert ist.


Philipp Reinartz – Die letzte Farbe des Todes

Der Autor Philipp Reinartz wurde 1985 in Freiburg geboren. Heute ist er ein in Berlin lebender Autor und Kreativer. Er studierte in Köln, Saragossa und Potsdam, und veröffentlichte 2013 seinen Debütroman „Katerstimmung“. Als Mitgründer einer Berliner Ideenschmiede entwickelt er digitale und analoge Spiele. Daneben schreibt er feuilletonistische Texte unter anderem für das Süddeutsche Magazin. „Die letzte Farbe des Todes“ ist der erste Kriminalroman des Autors und der Beginn einer Serie um den Berliner Kommissar Jerusalem „Jay“ Schmitt.
Aus dem Berliner Westhafen wird die Leiche eines Hotelchefs geborgen. Der Tote ist merkwürdig kostümiert, sein Nacken wurde mit einem lilafarbenen Punkt markiert. Ein Fall für die neu gegründete Neunte Berliner Mordkommission, eine Sondereinheit für außergewöhnliche Fälle. Ihr Leiter: Jerusalem „Jay“ Schmitt, Polizei-Elite, international ausgebildet. Doch bald wird die nächste Leiche gefunden, wieder mit einem farbigen Punkt im Nacken. Und schon lange Vergangenes wird plötzlich aktuell. Jay vermutet einen Masterplan, sucht nach der Gemeinsamkeit hinter den in Szene gesetzten Morden. Langsam kommt er seinem Gegenspieler immer näher. Oder ist es am Ende umgekehrt?


Claudia Winter - Glückssterne

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Neben "Aprikosenküsse" und "Glückssterne", beide im Goldmann Verlag erschienen, hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht.
In ihrem neuen Roman geht es um Karriere, Heirat, Kinder. Die Anwältin Josefine weiß genau, was sie vom Leben erwartet. Doch kurz vor der Hochzeit brennt Josefines Cousine mit einem Straßenmusiker nach Schottland durch, den legendären Familienring im Gepäck, den die Braut bei der Trauung tragen sollte. Als ihre abergläubische Großmutter daraufhin der Ehe ihren Segen verweigert, bleibt Josefine keine Wahl: Wutentbrannt reist sie dem schwarzen Schaf der Familie hinterher und gerät in den verregneten Highlands von einem Schlamassel in das nächste. Nicht nur einmal muss der charismatische Konditor Aidan der Braut in spe aus der Patsche helfen – dabei ist dieser Charmeur der Letzte, vor dem sie sich eine Blöße geben möchte. Aber der Zauber Schottlands lässt niemanden unberührt, und schon bald passieren seltsame Dinge mit Josefine, die so gar nicht in ihren Lebensplan passen ...