Die Redaktion empfiehlt...

(Foto: Congerdesign, Pixabay)

Wer über Kulturveranstaltungen berichtet, der muss auch eine Affinität zum Lesen haben. Klischee? Kann sein. Bei unserer Redaktion stimmt es jedoch. Jedes Jahr zur Buchmesse halten wir nach neuen Werken und Autoren Ausschau, verlosen viele interessante Geschichten und stellen Bücher vor. Doch auch nach der Messe-Zeit freuen wir uns auf die Neuerscheinungen und wollen unseren Leseeindruck mit euch teilen. In regelmäßigen Abständen - es kommt sicher auf die Dicke der Bücher an - sind hier also kleine, persönliche Rezensionen der Kulturfalter-Redaktion zu finden. Viel Spaß beim Stöbern!


Lauren A. Forry - Abigale Hall

Sucht man nach dem Buch von Lauren A. Forry, öffnet sich auf der Seite des Verlages "Randomhouse" die Kategorie "Frauenliteratur" - ganz klar, da gehört das Buch auch hinein. Die negative Konnotation, die diese Kategorie jedoch immer zu haben scheint, hat es nicht verdient. Ja, es weist keine komplizierten, literarischen Figuren auf und auch der Inhalt bildet weniger als er unterhält, doch wert es zu lesen, ist das Buch auf jeden Fall.
Im London Ende der 40er-Jahre verlieren die Schwestern Eliza und Rebecca ihre Eltern und werden zu der Tante geschickt. Diese selbst hat jedoch finanzielle Probleme, sodass die beiden Kinder eigentlich unerwünscht sind. Trost findet Eliza bei ihrem Freund Peter, von dem sie sehnsüchtig einen Heiratsantrag erwartet. Die Pläne werden jedoch durchkreuzt, als die Mädchen nach Abigale Hall verkauft werden, um hier als Dienstmädchen zu arbeiten. Das Anwesen findet sich nahe eines verlassenen Dorfes, welches oft im Nebel zu versinken scheint und düstere Stimmung verbreitet. Warum ist das so? Wieso schauen die Dorfbewohner Eliza und Rebecca so komisch an? Wieso dürfen sie ihren Hausherren nicht persönlich treffen? Rätsel und Geheimnisse liegen in der Luft, die Spannung ist zum Greifen. Das Buch erzählt keine bürgerliche Nachkriegsgeschichte, es erzählt eine Gruselstory. Es erzählt von Verantwortung, Verrat und Schrecken. Es verwirrt, lässt selbst an Übernatürliches glauben ...
Gehört "Abigale Hall" tatsächlich in die Kategorie er Frauenromane? Wollen nur Frauen sich manchmal Gruseln, den Wirrungen glauben schenken, sich unterhalten lassen oder mit einer Gänsehaut zurückbleiben? Vielleicht sind sie leichtgläubiger, vielleicht verfallen sie eher der Schwesterndramatik - ich weiß es nicht ... Doch klar ist, dass die verzwickte Geschichte, der mit Familiengeschichte verbundene Grusel oder die parallel laufenden Erzählstränge der verschollenen Mädchen und dem suchenden Peter fesseln, ja sogar vorantreiben. Und das ganz ohne negative Konnotation.

Anne-Marie Holze

Heike Hoffmann - Die Seelenmuse

Die Muse nahm mich an die Hand,
entführte mich ganz elegant
in eine Welt voll Poesie
und ich erlag der Euphorie.
"Die Seelenmuse" von Heike Hoffmann aus Halle ist ein Gedichtband, den man in wenigen Stunden verschlingen oder sich häppchenweise zu Gemüte führen kann. Im Prolog schreibt die Autorin, sie möchte den Leser auf eine Reise schicken, ohne vorzuschreiben, welcher Weg zu gehen ist. Zufällig Seiten aufklappen und Gedicht herauspicken? Kapitel für Kapitel, Thema für Thema lesen? Oder alles in einem Rutsch? Letzteres möchte man gerne, man möchte den Worten folgen, doch zum Genießen braucht es Zeit!
Die Kapitel teilen sich auf in das Lachen, die Verführung, die Tränen, den Sturm, den Tanz der Muse und schließlich in die Seelenmuse selbst. So wird der Leser auf Pfade geleitet, die ihn freudig stimmen, zum Nachdenken anregen oder mit den Gedanken zu seinem eigenen Leben schweifen lassen. Die Seelenmuse nimmt an die Hand, doch lässt locker genug, um ab und zu davonschweben zu können.
Die Gedichte und Verse weisen verschiedene Reimschemen auf und auch die Betonung wechselt, rhythmisch oder fließend. Es scheint als würde die Autorin ihrer Inspiration nachgehen, ohne sich Mustern zu beugen und Regeln beachten zu müssen. Die Gedichte finden sich harmonisch zusammen. Wer abends bei einem Glas Wein dem Herbst zusehen möchte, wie er zu Bett geht und dabei ein wenig Unterhaltung braucht, findet in der Seelenmuse kurzweilige, leichte Poesie zum Abschalten.
"Das Spielen mit dem Wort begann,
durch Fantasie ich Spaß gewann,
alsbald erwuchs in mir die Kraft,
und flammte auf in Leidenschaft."

Anne-Marie Holze

Heather Young - Das verlorene Mädchen

Das Cover "Des verlorenen Mädchens" sieht aus wie ein Krimi, gar Thriller. Ist es aber nicht wirklich. Es ist eine Familienerzählung, die klassisch Geheimnisse birgt und zum Ende hin spannend wird. Nur dass sich das Ende darum dreht, wie ein kleines Mädchen gestorben ist. Macht es das nicht doch wieder zum Krimi?
Das Buch dreht sich um die Familie Evans, die ihre jährlichen Sommer in einem Haus am See verbringt. So auch im Jahr 1935. Zu der Familie gehören der Vater, das strenge und gläubige Familienoberhaupt, die ruhige, gar leblose Mutter und die drei Mädchen Emily, Lucy und Lilith. Der Leser erfährt relativ zu Anfang - und klar, auch durch den Klappentext - dass Emily am Ende dieses Sommers verschwand. Darauf wird jedoch nicht mit dem Finger gezeigt, es gibt nicht zu viele Andeutungen oder Abschweifungen. Nein, das Buch erzählt einfach. Und genau das macht es so besonders.
"Das verlorene Mädchen" beinhaltet zwei Erzählstränge: Der eine wird aus der Perspektive Lucys als Ich-Erzähler kurz vor ihrem Ablegen geschrieben. Sie möchte vor ihrem Tod noch einmal aufschreiben, was diesen Sommer geschah - denn sie weiß, was mit Lucy passierte. Das Notizbuch füllt sie für ihre Großnichte. Denn diese ist der einzige Nachkomme, dem sie Sympathie schenkt. Und so kommt es, dass der zweite Erzählstrang aus der heutigen Perspektive Justines mithilfe eines Er-Erzählers blickt, ebenjener Großnichte.
Zuerst scheint es merkwürdig, die Beziehungen dieser Personen zu verstehen. Wer ist wer, sah sich zum letzten Mal oder sprach nie miteinander? Doch hinter dieses Geflecht gestiegen, ist man mitten in der Familienerzählung. Warum faszinieren diese so? Weil jeder selbst eine Familie hat, Personen darin liebt oder nicht mag. Geschichten kennt, die tiefe Wunden erklären oder Geheimnisse beinhalten. Deswegen ist es so spannend, hinter die Fassade der Familie Evans zu blicken. Und das aus gleich zwei Perspektiven.
Wie in Romanen üblich, finden die beiden Erzählstränge immer weiter zusammen. Doch man muss der Autorin hoch anrechnen, dass sie erst am Ende zu einer Lösung führen. Die Aufklärung des Verschwindens der kleinen Emily kommt so weit am Schluss, dass man schon dachte, man würde es nie erfahren. Zeitweise plätschert das Buch vor sich hin und man weiß gar nicht mehr, warum Young dieses oder jenes erzählt. Aber nur, um sich am Schluss in einem Feuerwerk von Geschehnissen, Erklärungen und Verzwickungen zu entladen.
Auf den ersten Blick kann man behaupten, dass es den Strang Justines grundsätzlich eigentlich gar nicht braucht. Warum nicht die Geschichte von damals erzählen, rein chronologisch? Von den Handlungen her hat Justines nichts mehr mit Lucy gemein, außer dass sie beide Erinnerungen an das Sommerhaus teilen. Aber bei diesem Urteil darf es wirklich nur auf den ersten Blick bleiben. Denn: Die Kraft des Buches ist es, zu zeigen, was das wahre Leben oft nicht schafft. Entfernte Verwandte leben in dem gleichen Haus und treffen die gleichen Menschen wie man selbst, nur 70 Jahre später. Wie verändert sich der Blick, das Empfinden, was kehrt wieder, welche Vorurteile hat man und wie kämpft Jung gegen Alt.
Liest man ein Buch wie "Das verlorene Mädchen" geht es eben nicht um einen Krimi und nicht um das Verschwinden des Mädchens. Zumindest nicht hauptsächlich. Sondern es geht darum, wie sich jemand aus einer Familie entwickelt. Ob man etwas gegen die Prägung der Familie tun kann. Ob man überhaupt merkt, dass man sich in Mustern verliert. Warum jemand nie von einem Ort weggeht oder warum er immer weiter reisen muss. All das sind so interessante Aspekte des Buches, dass man die manchmal platten Ausdrücken oder zu weit ausformulierten Gedanken, die man schon längst als empfindender Leser verstanden hat, verzeihen kann. Gründe und Geheimnisse werden nicht immer ausformuliert, lassen sich erahnen und fühlen als wissen und sind dabei sehr oft unerwartet. Der Klappentext des Buches kann daher einen anderen Inhalt erwarten lassen, doch seien wir ehrlich: Das was man bekommt, ist viel besser.

Anne-Marie Holze

Nikola Scott - Zeit der Schwalben

Dieses Haus hat viel gesehen und gehört. Geheimnisse, die nachts vom Wind davongetragen wurden, sich um Schornsteine und schiefergedeckte Giebel wanden, an Flügelfenstern vorbei und über Kieswege. Geflüstertes, das sich seinen Weg suchte zwischen Rosen und Rhododendren und den Obstbäumen von Hartland. Neue und alte Lieben, den Schmerz eines plötzlichen Todes und die Köstlichkeit verbotener Rendezvous. Mitternächtliches Lachen und sommernächtliche Tränen, alle Träume, die man nur träumen, und alle Welten, die man entdecken kann. Das Haus hat sie bewahrt. Ohne zu fragen, ohne zu urteilen, hat es sie im Schatten seiner Mauern erhalten. - So beginnt die "Zeit der Schwalben" von Nikola Scott. Mit diesen Worten zieht sie den Leser in das Buch hinein, bereit ihn auf die kommenden 512 Seiten vor. Die Informationen in diesen ersten Sätzen kann man gar nicht alle aufnehmen, gar verstehen, vielmehr geht es um den wunderbaren Lesefluss, der den Rezipienten an die Hand nimmt. Er wird ihn während des Lesens in verschiedene Jahre führen, rückartig in die Gegenwart oder Vergangenheit schubsen und dabei niemals loslassen.
Der erste erschienene Roman von Nikola Scott ist ein dramatisches Familienwerk, welches die Schicksale der Gegenwart beschreibt und mit Erklärungen aus dem Jahr 1958 füllt. Es geht um die tote Mutter Elizabeth, die man aufgrund der Beschreibungen ihrer Tochter Adele mal mag und mal abstoßend findet. Um Adele, die dieses Verhältnis versucht zu verstehen und plötzlich mit Phoebe konfrontiert wird, die behauptet ihre Zwillingsschwester zu sein. Um Phoebe, die dringend Rätsel aufklären möchte und dabei in der Vergangenheit wühlt. Und schließlich um eine Vergangenheit, die Realitäten der 50er-Jahre preisgibt und immer wieder durcheinander wirbelt, was man bis dahin glaubte zu wissen.
Eine ganze Zeit lang weiß der Leser tatsächlich mehr als die Protagonisten. Die Gegenüberstellung von der Ich-Erzählung Adeles wird mit Tagebucheinträgen Elizabeths aus dem Jahr 1958 punktgenau verpflochten. Elizabeth als Mutter in der Gegenwart und als Kind bzw. jugendliche Schreibende stehen im Konflikt und ergänzen sich gleichzeitig so raffiniert. Wie wird man zu dem Menschen, der man ist? Würde das kindliche Ich das erwachsene treffen, würde es es mögen?
Die Ausmaße der Tragödie ist für den Leser auf den ersten Seiten gar nicht abzuschätzen. Man weiß, es ist etwas ordentlich schiefgegangen. Die Handelnden ahnen es auch. Und zusammen begibt man sich auf die wirklich spannende Suche der Geheimnisse, Personen und Erinnerungen. Das Herausforderndste dabei ist, dass die Charaktere des Buches nie durchweg sympathisch sind. Man hat Mitgefühl und dann wieder Unverständnis, man will sie bremsen und anschubsen, weniger von ihnen lesen und genau wissen, was sie fühlen. Und das ist an diesem Buch wunderbar:
Es ist realistisch. Es ist gibt zwar Helden in der Geschichte, doch sie sind nicht nur Helden. Es ist realitisch und ehrlich zum Leben und zu dem Leser. Keine Mutter ist immer liebevoll und perfekt. Keine Familie bietet nur heile Welt. Um dies zu verstehen, ist es manchmal nötig, zu fragen: "Wie verlief dein Leben? Was ist dir widerfahren? Erzähl mir, was du eigentlich nie erzählen wolltest!" Natürlich steckt nicht immer ein tiefes Geheimnis in der Geschichte. Aber unbedachte Wege, Schicksalsschläge und Kreuzungen im Leben... Menschen sind wie das beschriebene Haus am Anfang des Buches: Sie saugen ihre Umgebung auf, werden durch sie verändert, speichern Erinnerungen. Der positive Unterschied: Wir können darüber reden.

Anne-Marie Holze

Höhenflug Kultur - Kultur von oben

 Kultur kann man auf viele Arten genießen und anschauen. Man kann in die Oper gehen oder in ein Theater, in ein Kino oder in eine Ausstellung. Man kann aber auch einen Blick von oben wagen. Damit ist nicht der Blick eines Kritikers gemeint, sondern wortwörtlich der Blick von oben. In seinem 22. Luftbildkalender von Halle präsentiert Fotografenmeister Horst Fechner faszinierende Aufnahmen von den Kunst- und Kulturstätten der Stadt. Die Luftbildfotografie ist ein besonderes Hobby des professionellen Fotografen, der schon weit in der Welt herumgekommen ist. Publikationen und Ausstellungsprojekte führten den Fotografen nach Dänemark, Dubai, Frankreich, fünfmal nach Kenia sowie nach Kolumbien, Tansania, Tunesien, in die Türkei, in die USA, nach Ägypten, Vietnam, Ungarn, Russland, Zypern und Griechenland, auf die Seychellen und die Kanarischen Inseln. Doch einmal im Jahr steigt er in einen Helikopter und fotografiert seine geliebt Heimatstadt von oben. In seiner Ausgabe 2018 kann man sehen, wie die Kultur das Stadtbild prägt – ein schöner Beitrag für die Kulturhauptstadt der Herzen. Kaufen kann man den Kalender exklusiv in der Thalia Buchhandlung.

www.thalia.de


Carolin Hagebölling - Der Brief

Selten hat ein Buch so überrascht. Der Titel relativ unspektakulär (ok, es geht um einen Brief), das Cover auf den ersten Blick nichtssagend (erst später: ahh, ein und die selbe Frau, sich entgegenkommend, die Häuser Hamburgs und Ballustraden Paris') und der Klappentext romatisch-mysteriös. Und doch ein Buch, was an einem Abend und in einer Nacht bis zum letzten Wort gelesen werden muss, weil man es nicht aus der Hand legen kann.
Marie lebt in Hamburg, ist Journalistin und lebt mit ihrer Freundin Johanna zusammen. Sie bekommt einen Brief von ihrer Schulfreundin Christine, die ihr zu dem Leben in Paris, ihrem Atelier und ihrem Mann Victor gratuliert. Merkwürdig? Merkwürdig! Marie fährt zu Christine, die in ihrem Brief von ihrem Leben in Berlin und ihren beiden Kindern erzählte. Doch Christine wohnt im Heimatdorf der beiden Frauen. Merkwürdig? Merkwürdig! Marie fragt Christine nach den beiden Kindern - doch eins davon ist vor der Geburt gestorben, Christine wird wütend und schmeißt sie raus. Die Fahrt beginnt!
Mehr sei an dieser Stelle nicht vom Plot verraten, denn die Spannung im Buch ist so hoch, dass jede Bemerkung eine Verletzung am Buch selbst wäre. Und doch fällt es schwer, dann man ist gewillt, darüber zu sprechen wie geheimnisvoll, angsteinflößend, gar gruselig das Buch an manchen Stellen wird. Man muss die Erklärung für die Briefe erfahren, es wird zu einem inneren Bedürfnis. Warum?
Hageböllig schreibt in leicht-fließenden Sätzen, die den Plot zum Strömen bringen anstatt ihn zu erdrücken. Emotionen werden nicht totbeschrieben, sondern greifbar. Viele stellten sich sicher schon einmal die Frage, wie das Leben gelaufen wäre, hätte man sich anders entschieden. Die Optionen, die das Leben bietet, sind unsere Weichen. Und was, wenn es nicht nur eine Realität gibt? Wenn, unbestimmbar wo, eine Entscheidung anders getroffen wurde und ein Teil von uns einen anderen Weg ging? Warum fühlen wir uns manchmal so, als würden wir jemanden schon gekannt haben bevor er uns begegnete? Fühlen uns an Orten zu Haus an denen wir noch nie waren? Oder kommen in unbekannten Situationen spielerisch zurecht?
Das Buch spielt mit dem Gedanken, dass Realität nicht Wahrheit, sondern Wahrnehmung ist. Natürlich muss man solche Gedankenspiele mögen, um auch das Buch zu lieben; muss sich Fiktion annehmen können. Doch wenn man das getan hat, kann man Maries Zerissenheit, Christines psychischen Schmerz und vor allem auch das Ende des Buches verstehen und daraus für sich selbst gewinnen.

Anne-Marie Holze

Oliver Hilmes – Berlin 1936

Die Olympischen Spiele 1936 stehen für den Sommer, in dem die Nationalsozialisten Berlin als weltoffene Metropole zeigen wollten. In der Stadt finden sich Sportler und Künstler, Diplomaten und NS-Größen, Transvestiten und Prostituierte, Restaurantbesitzer und Nachtschwärmer, Berliner und Touristen zusammen. Sie allen wollen dem Großereignis beiwohnen, sich dagegen streuben oder im Leben Berlins verlieren. Was sind ihre Geschichten? Wofür stehen sie? Wie kann man sie begreifen?
Als beste Beschreibung des Erzählstils dient die Erwähnung des Buches "1913" von Florian Illies. Großartig. Und besonders lesenswert. Wer das Buch nicht gelesen hat, dem sei erzählt, wie der Erzählstrang des Plots verläuft: Die Personen werden eingeführt, kurz umrissen, detaillierte Gespräche niedergeschrieben oder Gefühle dargegelegt - völlig unterschiedlich, eben so wie es der Handlung zuträglich ist. Die Geschichten, Handlungen und Worte sind so nah, wie es geht, an der Realität und nur so nötig, wie es eben ist, um Fiktion erweitert. Die bloße Gegenüberstellung und Aneinanderreihung dieser Sequenzen ergibt ein Gesamtbild, was komplexer nicht sein könnte. In "Berlin 1936" wird nicht gewertet, es wird gezeigt. Es wird so wunderbar verknüpft und Recherchen offen gelegt, die treffen. Die Verstehenlassen wie Menschen denken und dachten; wie unbegreiflich es doch aber eigentlich ist.
Oliver Hilmes führt Personen ein, deren Namen wir kennen und folgt völlig unbekannten Personen mit exemplarischen Auftritten. Tag für Tag werden die Olympischen Spiele durchgespielt und ihr Rahmen aufgezeigt. Freude im Stadion und Entjudung. Siegerehrung und Berufsverbot. Große Feste und Ghettoleben. Wie kann so ein Paradox möglich sein? Warum haben die Scharen von Gästen nichts gemerkt, nichts gesagt, nichts getan?
Weil sich Berlin versteckte und zur Kulisse wurde. Die »Juden verboten«-Schilder waren plötzlich verschwunden, statt des »Horst-Wessel-Lieds« klingen Swing-Töne durch die Straßen, der Stürmer wurde nur unter der Hand verkauft. Berlin scheint für kurze Zeit eine ganz normale europäische Großstadt zu sein, doch im Hintergrund arbeitet das NS-Regime weiter daran, die Unterdrückung zu perfektionieren und das Land in den Krieg zu treiben.
Der Leser des Buches bleibt schockiert zurück, überrumpelt und verwirrt. Begreifen kann man das alles eigentlich nicht. Sicher, es gibt unzählige Bücher mit Zweiter-Weltkrieg-Thematik und geschichtlich aufgeklärt sind wir auch. Doch der Leser rennt durch die 16 Tage und kommt doch nicht hinterher. Die Darstellung Berlins, die kühl-ironische Erzählweise Hilmes, das Auftreten von bekannten und namenlosen, doch realen Personen - all das macht das Buch einzigartig.

Anne-Marie Holze

Christoph Schulte-Richtering - 32 Tage Juli

Wir alle erinnern uns an die Sommer, in denen wir jung, frei und naiv waren. In denen wir nicht genau wussten, was wir am nächsten Tag machen würden, in denen wir noch keine Verantwortung hatten und irgendwie sowieso keine Angst, keine Sorgen und viel Gefühl. Wer hat gesagt, dass dies aufhören müssen? Dass man, wenn man erwachsen ist, viel mehr Angst, viel mehr Sorgen und weniger Gefühl haben muss? Keiner! Und doch schleichen sich Partner, Kinder und der Job in das Leben und plötzlich... Plötzlich existiert ein Stück vom früheren Selbst nur noch in Erinnerung. Und das ist auch gut so. Meistens. Und doch gibt es manchmal Situationen im Leben, da muss man ausbrechen. Alte Rechnungen begleichen. In längst besuchte Orte fahren, um zu merken, dass sie sich auch verändert haben.
32 Tage Juli von Christoph Schulte-Richtering erzählt von Jonas und Christian, beide Ende 40, die gerade im Leben scheitern. Das zwingt sie zum Nachdenken, zum Anhalten und schließlich zum Ausbrechen. Und da alte Männerfreundschaften nie wirklich enden, beschließen sie zusammen in den Ort Portugals zu fahren, in dem sie nach dem Abi den besten Sommer ihres Lebens verbrachten. Dort angekommen, ziehen sie die Touri-T-Shirts von damals an, die nicht mehr passen, gehen in die Stammkneipe und stellen ein früheres Foto nach und versuchen ein Rätsel zu lösen, was damals den gesammten Trip überschattete. Denn an der Küste Portugals ging es um Freiheit, Alkohol, die erste Liebe und ein schreckliches Verschwinden.
Die Kritiken zu Schulte-Richterings Buch nennen es unter anderem humorvoll und leicht. Das ist es auf eine gewisse Weise auch, denn das Buch liest sich durch die einfache Ausdrucksweise schnell weg und erweckt das ein oder andere Schmunzeln. Jedoch kommt man nicht umhin, zu fragen, wer eigentlich die Zielgruppe des Buches sein soll. Vom Schreib- und Erzählstil könnte es locker als Jugendbuch gelten. Doch Jugendliche wird es nicht interessieren, wie ältere Männer bedauern, dass sie eben alt sind. Böse gesagt, könnte die Zielgruppe auch aus ebendiesen Männer in ihrer Midlife-Crisis bestehen. Denn Resultat des Buches ist, dass eben doch alles gar nicht so schlimm ist im Erwachsenenleben, die Jugend damals aus heutiger Perspektive zwar toll, aber eben auch mehr Schein war, und man jede Zeit, die man hat, nutzen soll. Amen.
Natürlich - nicht jedes Buch muss lyrisch und tiefsinnig, fein erzählt und poetisch sein. Leichte Bücher, die man an einem Sommerabend verschlingt, können witzig anmuten, Sätze aneinanderreihen und müssen nicht immer zum Nachdenken anregen. Man kann es genießen, eine Jugendstory wie aus dem Nähkätchen geplaudert zu erfahren; kann den Männern über ihre Erwachsenenleben redend zuhören. Doch beim Lesen fragt man sich das ein oder andere Mal, weswegen die Geschichte nun eigentlich erzählt wird: die Jugendlichen selbst reflektieren wenig, die Sommerromanze bricht plötzlich ab, das Rätsel, um ein Verschwinden, wird gelöst und plötzlich belächelt, das Ende des Buches könnte unorigineller nicht sein. Einziger Lichtblick ist für den Leser das Auftreten des Mädchen von damals und der heutigen Frau, welche es aber auch nur sein könnte und nicht sicher ist - und damit zum Nachdenken anregt.
Wir alle erinnern uns an die Sommer, in denen wir jung, frei und naiv waren. Und diese Sommer waren wichtig. Sie haben in Darstellungen in Büchern mehr Bedeutung und Tiefe verdient.

Anne-Marie Holze

Friedemann Karig - Wie wir lieben - Vom Ende der Monogamie

Wie wir lieben, wen, wieviele, wie lange und ob überhaupt scheint gerade alle zu beschäftigen. Vorneweg die Medien - heben wir die Zeit, ze.tt und Neon hervor - besprechen Polyamorie oder Polygamie, auf jeden Fall aber das Ende der Monogamie. In diesen Rhythmus reiht sich Friedemann Karig mit seinem ersten Buch "Wie wir lieben - Vom Ende der Monogamie" ein.
Er beschreibt, dass jede zweite Ehe geschieden wird und sich niemand in ein Flugzeug mit einer solchen Absturzquote setzen würde. Recht hat er wohl. Im Folgenden werden dem Leser Geschichten von Paaren erzählt, die die Monogamie probiert haben oder nicht - auf jeden Fall nicht in und mit ihr leben wollten. Außerordentlich sensibel und aufmerksam gibt Karig die Gespräche mit den Pärchen wieder. Und diese scheinen bedingungslos ehrlich zu sein und ihren Weg genau nachzuzeichnen. Sie lachen, zweifeln selbst an ihren Entscheidungen oder würden alles genau so wieder tun. Wie ihre einzelnen Episoden ausgehen sei hier nicht verraten.
Zwischen den Paar-Beispielen streut der Autor wissenschaftliche Kapitel ein. Über Liebe, Ehrlichkeit, Sexualität. Man kommt nicht umhin, auch seine Meinung hier hineininterpretiert zu sehen. Spannend ist es trotzdem allemal, in welches Chaos, welche Abhängigkeit man sich eigentlich mit einer Beziehung gibt. Und die Liebe wird hier auf keinen Fall verneint, nur das Setzen in gewisse Grenzen, die scheinbar die Gesellschaft aufstülpt und nur wenige für sich persönlich wählen wollen. Mit einer gewissen Offenheit und Leichtigkeit wird hier die Liebe zwischen verschiedenen Menschen beschrieben, die sich jeder nur erträumen kann. Hier kommt das Aber.
Liest man Karigs Buch. können sich auch manchmal die Haare streuben. Man kann denken: "Aber warum denn nicht?" Warum soll es nicht möglich sein, für ein ganzes Leben lang glücklich zusammen zu sein? Weil die Wissenschaft das Gegenteil behauptet und damit sicher nicht falsch liegt. Doch was wäre das Leben ohne die Hoffnung, dass es bei einem selbst anders laufen wird. Dass man an Liebe festhalten kann. Und will. Dass man mit dem einen Menschen glücklich und zufrieden sein kann. Das scheint in der Gesellschaft der vielen Möglichkeiten manchen Menschen nahezu unsinnig. Und was, wenn das nicht nur die romantische Vorstellung ist, sondern ein Grundbedürfnis? Wenn man sich absolut nicht vorstellen kann, einen gewählten Menschen zu teilen? Wenn man nicht den Drang hat, immer etwas anderes kennen zu lernen? Was, wenn man von der Monogamie überzeugt ist? Ohne etwas anderes ausprobieren zu müssen?
Der Trend weg von der Monogamie schubst manche sicher in offene Beziehungen, die ein paar Jahre funktionieren und glücklich machen. Funktionieren sie besser oder länger als "normale" Beziehungen? Nein! Der Trend bringt manche wiederum auch auf einen Weg, der sie immer wieder verletzen wird. Die Probleme in den Beziehungen scheinen möglicherweise also anderer Natur, doch sind sie das wirklich?
Friedemann Karigs Buch liest sich durchaus interessant und amüsant. Es bildet und klärt auf. Es zeichnet ein Bild der Liebe, was ihrere offenen und impulsiven Natur entspricht. Was dabei manchmal ein wenig vergessen wird, ist, dass Menschen, die in Monogamie leben nicht immer nur zu feige, zu eifersüchtig, zu verschlossen sind. Sondern, dass sie es manchmal auch einfach nicht wollen. Der Liebe wegen. Und das ist es doch, worum es schließlich geht. Dass wir lieben.

Anne-Marie Holze

Sebastian Fitzek - AchtNacht

In Fitzeks neuem Roman wird ein Gesellschaftsbild gezeichnet, welches den Leser vor die Frage stellt: Wie weit wärst du bereit zu gehen? In AchtNacht stellt das Staatssystem zwei Menschen eine ganze Nacht vogelfrei. Wer einen der beiden umbringt, bekommt mehrere Millionen Euro Gewinn. Von den Einnahmen des "Spiels" können dann Polizeikosten für die nächsten Monate bezahlt werden. Soweit erklärt es das Internet, soweit schildern es die Medien. Doch: Wieviel Glauben soll man diesen schenken? Würde das Staatssystem so weit gehen? Warum hat es die Äußerungen noch nicht dementiert? Weil es glaubt, die Menschen haben so viel gesunden Verstand, dass sie eh nicht drauf reinfallen? Doch in AchtNacht fällt die Gesellschaft drauf rein. Auch, wenn nur zum Teil. Doch selbst nur ein paar tausend Menschen in Deutschland sind genug, um zwei "AchtNächter" töten zu können.
Mit "AchtNacht" schafft Fitzek einen Thriller, der den Leser berührt, ja, mit einbezieht. Vorherige Werke waren ebenso fesselnd, doch immer noch ein Stück weg von der eigenen Realität. Natürlich ist auch "AchtNacht" fiktiv, stellt jedoch dringender als in den Büchern zuvor die Frage, ob man selbst, das Umfeld oder die eigene Gesellschaft so weit gehen würde. Oder sogar schon soweit gegangen ist, wenn auch im übertragenen Sinne. Man will die Protagonisten schütteln, will sagen sie sollen doch aufwachen und ihren Verstand benutzen. Kann man aber nicht. Man liest weiter und weiter und beobachtet, wie die Todesjagd fortschreitet.
Doch Fitzek wäre nicht Fitzek, wenn er in seinem Buch nicht mehr liefern würde als eine komplexe Geschichte. Es gibt Nebenstränge, Familienwirren, Gefühlsabhängigkeit. Um zu begreifen, wie alles zusammenhängt, muss  man bis ganz zum Schluss lesen. Auch typisch Fitzek. Bei ihm kommt immer alles anders als man denkt, und dieser Satz kommt dem Leser während des Romans ein paar Mal in den Sinn. Bei "AchtNacht" wirkt dies aber nicht künstlich, nicht aufgesetzt, sondern sich organisch ergebend durch die Gedankengänge des Hauptprotagonisten.
Wer also ein Buch lesen möchte, das an eigenen Moralvorstellungen und der Frage nach dem Glauben an die Menschheit rüttelt, dabei wegen der immer größer werdenen Spannung regelrecht durchs Geschehen hetzt und am Ende überrascht - der liegt bei Fitzeks "AchtNacht" genau richtig.

Anne-Marie Holze


Olga Grjasnowa – Gott ist nicht schüchtern

Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird. Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen. Olga Grjasnowas Romane erinnern uns immer wieder daran, dass es nicht nur diese eine Welt vor unserer Haustür gibt, sondern sehr viele Welten, und dass es sich lohnt, sie kennenzulernen. Ihr neues Buch ist ein erschütterndes Dokument unserer Zeit.


Ulrich Schacht – Notre Dame

Revolution in Leipzig 1989. Menschen, die mehr vom Leben wollen. Mehr sehen, mehr dürfen, mehr haben, mehr fühlen. Aber auch Menschen, die damit nichts anfangen können, hilflos mittreiben, keinen Halt finden. Oder Halt in einem anderen Menschen, bis die Leidenschaft und die Geschehnisse alles zu zerreißen drohen. In Notre Dame entspinnt sich eine gewaltige Liebe, die ihren Höhe- und Tiefpunkt im Paris 1991 finden und die zwei Städte so auf wunderbar tiefsinnige, detailreiche und wortverliebte Weise zusammen bringen wird.
Schachts Hauptprotagonist geht dem Leser dabei nah. Er kann ihn verstehen oder auch nicht, aber er kann fühlen, was er fühlt. Die feine Sprache, die der Autor verwendet, die klugen Vergleiche und Zitate oder das Einspinnen von Briefabsätzen - dies alles macht "Notre Dame" zu einem besonderen Buch. Weil man denkt, ganz tief in Personen hineinschauen zu können. Verzweiflung zu spüren, Abhängigkeit. Weil man sie manchmal schütteln möchte. Auch der Aufbau des Buches trägt zu diesem Bild bei: Rückblenden, aktuelle Einblicke, ein geschlossener Rahmen. Das Buch bettet den Leser ein, verlangt ihm zwar auch einiges ab, aber hält ihn nie in der Schwebe. Ein Roman für alle, die auf Gefühle stehen und sich beim Lesen Zeit nehmen wollen.

Anne-Marie Holze

Jussi Adler-Olsen – Selfies

Vizepolizeikommissar Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen Todesfalls von der Mordkommission in Kopenhagen hinzugezogen. Wie sich herausstellt, gibt es eine Verbindung zu einem mehrere Jahre zurückliegenden und ausgesprochen brisanten cold case, aus dem sich schwerwiegende Konsequenzen für die aktuellen Ermittlungen ergeben. Ausgerechnet jetzt geht es Carls Assistentin Rose sehr schlecht. Sie wird von grauenhaften Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht. Rose kämpft mit aller Macht dagegen an – und gegen das Dunkel, in dem sie zu ertrinken droht. Welche Rolle spielen die jungen Frauen Michelle, Jasmin und Denise, die sich zu einem starken und hochexplosiven Kleeblatt verbündet haben?



Mira Magén – Zu blaue Augen

Hannah Jona ist 77 Jahre alt, Witwe, und ihre Augen sind so blau, dass man sie schnell für ein bisschen exzentrisch hält. Sie lebt in einem der schönen alten zweistöckigen Jerusalemer Häuser, ihre drei Töchter wohnen ebenfalls dort, jede unverheiratet, jede mit eigener Karriere und Wohnung. Johanna, eine Pflegerin aus Rumänien, sorgt sich, dass Hannahs Doppelleben entdeckt werden könnte. Was wird geschehen, wenn herauskommt, dass Hannah, die tagsüber im Rollstuhl sitzt (nicht zuletzt, um sich die Immobilienhaie vom Hals zu halten, die ihr das wertvolle Haus abluchsen wollen), sich nachts mit hochhackigen Schuhen in Bars herumtreibt, Männer trifft und sich betrinkt? Hannahs Töchter teilen die Sehnsucht der Mutter nach Leben und Liebe und respektieren ihren Versuch, der Tyrannei der Zeit die Stirn zu bieten – jede geht anders mit Hannahs Kapriolen um. In diese skurrile Menage kommt Rafi, ein junger Mann, der vorgibt, Dichter zu sein, und ein Apartment mieten möchte. Tatsächlich gehört er zu jenen Real-Estate-Zockern, die Hannah um ihr Haus bringen wollen...


Frank Goldammer – Der Angstmann

Spielt ein Roman im November 1944 vermutet man einen Kriegsroman, meistens inklusive packender Liebesgeschichte. „Der Angstmann“ jedoch ist ein Krimi, was ihn nicht weniger die Schrecken des Zweiten Weltkrieges betrachten lässt. Kriminalinspektor Heller sucht in diesen Zeiten einen Frauenmörder, der nachts durch die Gassen schleicht. Treffen diese packende Story und geschichtliche Wirrungen und Schrecken aufeinander, entsteht ein Roman, der es in sich hat.
Wer hat Schuld und verbündet sich mit dem Bösen? Wer hat nur sein eigenes Schicksal im Kopf oder denkt an die Masse? Ist die Suche nach einem Mörder dringender als die Kriegsverbrechen gegen die Masse? All diese Fragen und viele weitere, die die Moral betreffen, werden in diesem Buch indirekt gestellt. Der Leser entscheidet für sich wie er dem Hauptprotagonisten folgt - doch auch wenn er es nicht nachvollziehen kann, hält ihn die Story fest. Denn die Suche nach dem Mörder wird genau in dem Moment, an dem man glaubt, das Buch beginnt sich aufzulösen, noch einmal mit voller fahrt aufgenommen und bringt die Gedanken um den Glauben an die Menschheit und die Einteilung in Gut und Böse ins Wanken.

Anne-Marie Holze





Andree Hesse – Der Diversant

»Diversant [lat.-russ.] der: (bes. DDR) Saboteur; jmd., der Störmanöver gegen den Staat mit Mitteln der Sabotage verübt.«(*) - Andree Hesse schildert die Geschichte eines jungen Menschen auf der Suche nach seinem Platz im Leben: von einem Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen und vom Zerfall einer Familie in der Nachkriegszeit. Der Roman handelt von der deutschen Teilung und einer doppelten Flucht, lässt eine Welt auferstehen, die unsere Gegenwart geprägt hat, in der Menschen lebten, die unsere Eltern und Großeltern sind, eine Generation, die bald sterben wird. Einfühlsam und packend direkt erzählt »Der Diversant« von dem, was lange verschwiegen wurde, und wie die Grausamkeit eines totalitären Sytems einfach jeden treffen kann – eine wahre Geschichte.


Jón K. Stefánsson – Etwas von der Größe des Universums

Lässt man sich auf ein Gedankenspiel ein, bereit, durchaus philosophische Wege zu gehen, ist dieses Buch genau das richtige. Der Tod und das Leben geben sich in diesem Werk die Hand, ohne jedoch jemals den Humor zu verlieren. Unbegreifliches wird weitergesponnen, tiefe Gefühle werden ausgebreitet, Glück und Unglück weitergereicht. Ein Roman voll rauer Poesie, die zum Träumen anregt.
Am Beginn der Geschichte steht der Tod, doch in Wahrheit zelebriert dieser Roman das Leben: über mehrere Generationen hinweg wird von Ari und seiner Familie erzählt; von der Leidenschaft zwischen Mann und Frau, von verbotener Liebe, Gewalt, Kummer, Betrug und Bedrückung. In Aris Familie werden Glück und Unglück eben gleichermaßen von einer Generation in die nächste gereicht. Am vorläufigen Ende dieser Reihe steht Ari selbst, auf dem Weg zu seinem Vater, mit dem er noch eine Rechnung offen hat, bevor dieser stirbt. Jon Kalman Stefánsson vermag diese raue Schönheit des Lebens, die auch der isländischen Landschaft eingeschrieben ist, in seiner archaischen und ergreifenden und dann doch wieder vollkommen heutigen und humorvollen Prosa einzufangen wie kaum eine anderer Autor seiner Generation.


Elena Ferrante - Die Geschichte eines neuen Namens

Lila und Elena sind sechzehn Jahre alt, und sie sind verzweifelt. Lila hat noch am Tage ihrer Hochzeit erfahren, dass ihr Mann sie hintergeht – er macht Geschäfte mit den allseits verhassten Solara-Brüdern, den lokalen Camorristi. Für Lila, arm geboren und durch die Ehe schlagartig zu Geld und Ansehen gekommen, brechen leidvolle Zeiten an. Elena hingegen verliebt sich Hals über Kopf in einen jungen Studenten, doch der scheint nur mit ihren Gefühlen zu spielen. Sie ist eine regelrechte Vorzeigeschülerin geworden, muss aber feststellen, dass das, was sie sich mühsam erarbeitet hat, in ihrer neapolitanischen Welt kaum etwas gilt. Trotz all dieser Widrigkeiten beharren Lila und Elena immer weiter darauf, ihr Leben selbst zu bestimmen, auch wenn der Preis, den sie dafür zahlen müssen, bisweilen brutal ist. Woran die beiden jungen Frauen sich festhalten, ist ihre Freundschaft. Aber können sie einander wirklich vertrauen?
Was tut man, wenn die Freundin, mit der man seit 60 Jahren befreundet ist, verschwindet? Das Rätsel um Lila lässt Elana zurückblicken – auf das pralle Leben, die jahrhundertelangen Familienfehden, die es auszustehen galt, Schießereien, Liebesaffären und Mutterschaft. Und so taucht der Leser ab in eine fremd anmutende Welt Neapels in den 50er-Jahren, in die man sich durch die warme Sprache Ferrantes doch hineinfühlen kann.


Arturo Pérez-Reverte – Der Club Dumas

Liest man den Namen Dumas, fallen einem unweigerlich die drei Musketiere ein. Doch was hat der Autor nicht veröffentlicht? Lucas Corso, Buchhändler, wird beauftragt, eine seltene Handschrift Dumas' zu untersuchen. orso ahnt, diese Aufträge kosten ihn vielleicht mehr als seine Selbstsicherheit … Das Zeugnis einer gefährlichen Leidenschaft. Der Weltbestseller über den Wahnsinn, den es bedeutet, zu lesen. Das Abenteuer rund um ein teuflisches Geheimnis. Die Reise führt ihn zu letzten Exemplaren eines Buches, von dem viele glauben, der Teufel selbst habe es geschrieben. Pérez-Reverte zieht den Leser durch seine direkte Sprache in eine mystische Welt.

 

 


D. Janke & J. Leibiger – Digitale Revolution

Gesellschaftliche Verhältnisse – betrachtet durch die Brille von Philosophen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften – machen dieses Buch zu einer interessanten Abhandlung der heutigen Zeit. Welche Veränderungen in der Produktions- und Lebenswelt ließen die Digitale Revolution oder Industrie 4.0 entstehen? 
Dritte oder vierte Industrielle Revolution, digitale Revolution oder Industrie 4.0: All diese Kennzeichnungen der Umbrüche im System der produktiven Kräfte reflektieren, dass sich fundamentale Veränderungen in den Produktions- und Lebenswelten vollziehen. Was ist das Bestimmende an diesen Veränderungen? Was bedeuten sie für die sozialen Verhältnisse? Ist diese Umwälzung im Kapitalismus beherrschbar oder braucht es dafür eine neue Wirtschaftsordnung? Welche Produktivkräfte braucht der sozial-ökologische Fortschritt?


Ulrike Hinrichs & Günther Spiegel – Kleine Weltküche

Nicht nur in Deutschland gibt es den Ausspruch „Liebe geht durch den Magen“. Aber auch andere Kulturen und Sprachen kennen die Redensart, etwa das Englische oder Arabische. Die beiden HerausgeberInnen haben diese Lebensweisheit beim Wort genommen und einen gemeinsamen Austausch von Rezepten, Kochen und Essen als gelebte Kultur organisiert, die verbindet und in der Begegnung aus Fremden Freunde macht. Das Buch wurde von den Beteiligten selbst illustriert, mitgewirkt haben u.a. Profis wie Emad Hashem, der an der Universität in Damaskus (Syrien) eine Kunstprofessur inne hatte, oder auch kleine Künstlerinnen wie die elfjährige Yona Sabbah, ebenfalls aus Syrien, die Spaß am Malen hat. Sie schufen ein Gesamtkunstwerk, mit dem neben den Rezepten auch gemeinsame Erlebnisse, Bilder und Geschichten in die Welt gehen. Das Kochrezepte-Buchprojekt »Kleine Weltküche« zielt auf eine Interaktion von Menschen in einer kulturell bunten Gesellschaft. Alle können von den kulinarischen Impulsen profitieren und die Kultur des anderen kennen- und schätzen lernen. Das gemeinsame – auch künstlerische – Schaffen zum Thema Essen fördert den interkulturellen Dialog. Denn ganz nebenbei haben sich die Beteiligten beim Austausch über die Rezepte Geschichten erzählt, über das Essen, die Heimat, das Bekannte und das Unbekannte. Da wurde im fröhlich lauten Sprachgewirr zwischen Deutsch, Englisch, Arabisch, Persisch sowie Zeichensprache und anderen Sprachen gelacht, übersetzt, gefragt, erzählt und gemalt. Guten Appetit beim Lesen, Staunen, Nachkochen und Essen!

 

 


Paul Auster – 4 3 2 1

Es hat sich jeder wohl schon einmal die Frage gestellt, was wäre gewesen, wenn …? Wenn man eine Begabung mehr gefördert hätte, sich mit mehr zufriedengegeben hätte oder mit weniger? Paul Auster beschreibt in seinem Roman das Leben von Archibald Ferguson – gleich vier Mal. Das Werk zeigt wie unterschiedlich Abendteuer enden, Lieben beginnen und Schicksalsschläge verkraftet werden können.  
Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls. '4 3 2 1' – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. "Was für ein interessanter Gedanke", sagt er sich als kleiner Junge, "sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte." Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals … '4 3 2 1' ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht.

 

 


Julie von Kessel – Altenstein

Ein gemütlicher Abend und ein gutes Buch – das passt perfekt zusammen. Wenn es dann noch eine Geschichte einer alten Adelsfamilie ist, die einen direkt in den Bann zieht, ist das noch viel besser! Inmitten des Zweiten Weltkrieges erlebt die Familie der Gräfin von Kolberg wie es ist, wenn die Familie zerreißt. Wenn die schlimmen Erlebnisse zusammenschweißen oder weiter auseinander treiben können. Wenn die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse erneut einem Umschwung unterworfen werden. Altenstein behandelt ein exemplarisches Stück deutscher Geschichte.
Dabei werden alle Figuren vorgestellt ohne zu bestimmen wie sie sind. Von Kessel schafft dies, in dem sie Geschehnisse, die den Charakter formten, die etwas mit den Personen machten. Doch was und wie, das kann sich der Leser selbst erschließen, wenn er denn ein Urteil fällen möchte. Das faszinierendste daran ist, dass dafür jegliche zeitliche Kontinuität umgangen wird. Wir springen in der Zeit: vor dem Zweiten Weltkrieg, zum Zusammenschluss Deutschlands, zum Hier und Jetzt. Handlungslücken schließen sich nicht immer, doch oft denkt man begriffen zu haben, was danach geschah. Und vor allem begriffen zu haben, was diese Familie umtreibt und auch auseinander. Warum alle ihre Rollen haben und warum sie unbedingt daraus entfliehen wollen. In den seltensten Fällen gelingt dies - und der Leser weiß auch, wieso.
Man könnte meinen von Kessel verlangt durch den Aufbau des Buches viel vom Leser ab. Doch eigentlich schafft sie es nur, das beste aus dem Leser und den Figuren hinauszukitzeln, keine Stigmata aufzudrücken, intelligente Fäden zu spinnen und den Rezipienten auf eine spannende Suche nach den Verbindungen zu schicken.

Anne-Marie Holze


Titus Müller – Der Tag X

Der 17. Juni 1953 hat sich tief in das Bewusstsein unseres Landes eingebrannt. An diesem Tag erhoben sich in der jungen DDR die Arbeiter, um gegen das Regime aufzubegehren. Alles schien an diesem Tag möglich, Freiheit lag in der Luft. Doch dann kam alles anders… Titus Müller, der bisher drei ebenfalls historische Romane verfasste, nimmt sich der Ereignisse dieses Sommers an. Er erzählt die Geschichte von Nelly, deren Vater gezwungen wird, in Russland zu arbeiten. Nelly sucht ihren Vater, gerät an einen sowjetischen Spion, und es kommt auch noch Liebe ins Spiel, als die Welt in Halle und Berlin aus den Fugen gerät.
Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht, auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder. Hinzu kommt ihr Engagement in einer kirchlichen Jugendorganisation, was im Frühjahr 1953 zum Rauswurf aus der Schule führt. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.


Robert Gerwarth – Die Besiegten

Geht ein Krieg zu Ende, herrscht Frieden. So die allgemeingültige Einschätzung. Dieses Buch stellt jenen Trugschluss auf den Kopf und betrachtet die, die verloren haben. Wer nicht zu den Gewinnern des Krieges zählte, fiel in Revolutionswirren. Vertreibungen prägten die Nachkriegszeit. Gerwarth betrachtet das explosive Gemisch, welches schwache Staaten, traumatisierte Bevölkerungsgruppen sowie Rachewünsche zurückließen.
Der Waffenstillstand vom 11. November 1918 beendete das Sterben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, doch in weite Teile Europas kehrte mit diesem Datum kein Friede ein. Vor allem die Verlierer des Krieges versanken in einer Spirale der Gewalt. In seinem breit recherchierten und packend geschriebenen Buch macht Robert Gerwarth das Ausmaß der Kriege und Konflikte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs deutlich und zeigt, warum das Schicksal der Besiegten der Schlüssel zum Verständnis des 20. Jahrhunderts ist.Die Brutalität des Ersten Weltkriegs ist in der kollektiven Erinnerung Europas fest verankert. Fast völlig vergessen ist hingegen das Leid, dass die zahlreichen (Bürger-)Kriege, Vertreibungen, Pogrome und gewaltsamen Auseinandersetzungen nach Ende des Ersten Weltkriegs über weite Teile des Kontinents brachten. Von Russland, der Ukraine und den Staaten Osteuropas, von Deutschland und Österreich bis zum Balkan und in den Mittleren Osten wurde um das Erbe der zerbrechenden Reiche gerungen und für eine neue Ordnung getötet. Die nicht enden wollenden Kämpfe der Zwischenkriegszeit, so zeigt Robert Gerwarth in seiner umfassenden Studie, kosteten nicht nur Millionen Menschenleben, sie hinterließen auch unter den Überlebenden ein explosives Erbe: schwache Staaten, traumatisierte und hasserfüllte Bevölkerungsgruppen sowie Politiker und Militärs, die nur auf die nächste Gelegenheit warteten, um Rache zu üben.


Sabine Ebert – Schwert und Krone

In ihrem neuen historischen Roman widmet sich die Bestseller-Autorin Sabine Ebert der Barbarossa-Ära, und „Schwert und Krone – Meister der Täuschung“ ist der Auftakt zu einer neuen großen Mittelalter-Serie. Die Geschichte startet im Dezember 1137. Der alte Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer, die selbst Jahre zuvor durch Ränke an der Machtübernahme gehindert wurden, in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt. Bald muss er erkennen, dass sogar sein Bruder und sein junger Neffe, der künftige Friedrich Barbarossa, ihm nur bedingt die Treue halten. Es beginnt ein jahrelanger Krieg – und raffiniertes Intrigenspiel, in dem Welfen, Askanier, Wettiner und viele andere mächtige Häuser mitmischen – und auch so manche Frau. Bestseller-Autorin Sabine Ebert entführt ihre Leser in die faszinierende Zeit des 12. Jahrhunderts und entfaltet ein grandioses, erschütterndes und schillerndes Panorama, das auf verbürgten Ereignissen beruht. In ihrer neuen epischen Mittelalter-Serie beleuchtet sie den Aufstieg Barbarossas zu einem der mächtigsten Herrscher des Mittelalters.


Verena Lugert – Die Irren mit dem Messer

„In den Küchen der Spitzen-Gastronomie wird ebenso viel geweint und gelitten wie gekocht …“ Diese Erfahrung ist Verena Lugert von Anfang an ihrer Kochkarriere in der Haute Cuisine vertraut. In ihrem mitreißenden Memoir gibt sie eine Antwort auf die Frage, was einen Menschen wie sie dazu bringt, mit Ende dreißig ihre erfolgreiche Karriere als Journalistin aufzugeben und sich in die Küche eines Sternekochs wie Gordon Ramsay zu stellen, dort sechzehn Stunden am Tag zu malochen, körperliche Schmerzen und Erniedrigung zu erdulden und sich einem unvorstellbaren Anspruch nach Perfektion auszusetzen? Verena Lugert erzählt vom gnadenlosen Druck in den Küchen der Spitzenrestaurants, von Adrenalin-Junkies, die jeden Neuen in der Küche argwöhnisch auf Herz und Nieren prüfen, und von ihrem Selbstbehauptungswillen inmitten dieser unbarmherzigen Männerwelt. "Die Irren mit dem Messer" ist die faszinierende Geschichte einer mutigen Frau, die in London im "Le Cordon Bleu", der weltweit bekannten Kochschule, das Kochen für die Spitzengastronomie lernt, um anschließend in einem Restaurant der Haute Cuisine tagelang Schweinsköpfe zu zerlegen, glutheiße Herde zu schrubben – und es mit viel Schmerz und Tränen zu schaffen, endlich anerkannt und Teil eines Teams zu werden, das jeden Tag lukullische Kunstwerke auf den Teller zaubert.

Wenn Sie dieses Buch gewinnen möchten, senden Sie uns bis zum 31.3. eine E-Mail an verlosung@kulturfalter.de mit Ihrem Namen und Adresse und diesem Buchtitel.


Beinert Schwestern – Die Mutter des Satans

Die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert sind nicht nur Zwillinge, sondern auch als Gespann ein erfolgreiches Autorenpaar. Bekannt sind sie für historische Stoffe und auch sie liefern im Reformationsjahr ein Buch über Luther. Jedoch nicht über Martin, sondern über seine Mutter Margarethe Luther und wie sie ihren Sohn, den Reformator Martin Luther, prägte. Der Roman beginnt in Zeiten von Pest, Aberglaube und Ablass: 1480 wird die junge Margarethe mit dem gleichaltrigen Hans Luder vermählt. Trotz der zunächst trostlosen Aussicht eines Lebens an der Seite eines Bergmannes ist die Ratsherrentochter 1483 über die Geburt ihres ersten Sohnes Martin sehr glücklich. Als Martin Luther sich Jahre später gegen den Willen des Vaters für ein Leben als Mönch entscheidet, ist Margarethe hin- und hergerissen zwischen Ehegehorsam und Mutterliebe. In den gefährlichen Jahren der beginnenden Reformation wagt sie einen gefährlichen Balanceakt und trifft den mittlerweile berühmt-berüchtigten Sohn sogar heimlich. Erst ihre bedingungslose Zuneigung und Liebe zu Martin – von Geburt an – machten aus Martin Luther den mutigen, unerschütterlichen Reformator, der uns bis heute überliefert ist.


Philipp Reinartz – Die letzte Farbe des Todes

Der Autor Philipp Reinartz wurde 1985 in Freiburg geboren. Heute ist er ein in Berlin lebender Autor und Kreativer. Er studierte in Köln, Saragossa und Potsdam, und veröffentlichte 2013 seinen Debütroman „Katerstimmung“. Als Mitgründer einer Berliner Ideenschmiede entwickelt er digitale und analoge Spiele. Daneben schreibt er feuilletonistische Texte unter anderem für das Süddeutsche Magazin. „Die letzte Farbe des Todes“ ist der erste Kriminalroman des Autors und der Beginn einer Serie um den Berliner Kommissar Jerusalem „Jay“ Schmitt.
Aus dem Berliner Westhafen wird die Leiche eines Hotelchefs geborgen. Der Tote ist merkwürdig kostümiert, sein Nacken wurde mit einem lilafarbenen Punkt markiert. Ein Fall für die neu gegründete Neunte Berliner Mordkommission, eine Sondereinheit für außergewöhnliche Fälle. Ihr Leiter: Jerusalem „Jay“ Schmitt, Polizei-Elite, international ausgebildet. Doch bald wird die nächste Leiche gefunden, wieder mit einem farbigen Punkt im Nacken. Und schon lange Vergangenes wird plötzlich aktuell. Jay vermutet einen Masterplan, sucht nach der Gemeinsamkeit hinter den in Szene gesetzten Morden. Langsam kommt er seinem Gegenspieler immer näher. Oder ist es am Ende umgekehrt?


Claudia Winter - Glückssterne

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Neben "Aprikosenküsse" und "Glückssterne", beide im Goldmann Verlag erschienen, hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht.
In ihrem neuen Roman geht es um Karriere, Heirat, Kinder. Die Anwältin Josefine weiß genau, was sie vom Leben erwartet. Doch kurz vor der Hochzeit brennt Josefines Cousine mit einem Straßenmusiker nach Schottland durch, den legendären Familienring im Gepäck, den die Braut bei der Trauung tragen sollte. Als ihre abergläubische Großmutter daraufhin der Ehe ihren Segen verweigert, bleibt Josefine keine Wahl: Wutentbrannt reist sie dem schwarzen Schaf der Familie hinterher und gerät in den verregneten Highlands von einem Schlamassel in das nächste. Nicht nur einmal muss der charismatische Konditor Aidan der Braut in spe aus der Patsche helfen – dabei ist dieser Charmeur der Letzte, vor dem sie sich eine Blöße geben möchte. Aber der Zauber Schottlands lässt niemanden unberührt, und schon bald passieren seltsame Dinge mit Josefine, die so gar nicht in ihren Lebensplan passen ...