Cya Bazzaz - Jedes Werk ein Abenteuer

Foto: Antoine Porcher

Musikalische Wunderkinder beginnen meist in ganz jungen Jahren Instrumente zu spielen, zu singen oder zu komponieren. Anders Cya Bazzaz, die Entdeckung des Impuls-Festivals 2016: Mit 17 Jahren erhielt er seinen ersten Klavier- und Kompositionsunterricht und spielte erstmals klassische Stücke. Kurz darauf fing er an, zu komponieren. Kulturfalterredakteurin Anne-Marie Holze sprach mit ihm über die Arbeit von Auftragswerken, Hobbys und Tipps für junge Musiker.

Herr Bazzaz, sind Sie mit Ihren 20 Jahren jetzt schon da angekommen, wo Sie als Kind hinwollten?

Ich kann mich erinnern, dass ich als kleines Kind sehr gerne zu Michael Jacksons Musik getanzt habe und ein 'Meister' des Moonwalks war, den ich in den vergangenen Jahren selbstverständlich noch weiter perfektionieren konnte. Ich denke, was ich heute mache, scheint im Kern wesensverwandt mit meinen Kindheitsspielereien. Aber Spaß beiseite, ich hatte damals noch keinen blassen Schimmer, was ich heute machen würde und hatte von Superheld bis Fußballstar auch schon alle Berufswünsche durchgehabt. Abgesehen davon hoffe ich, dass ich in gewisser Weise nie ankommen werde, sondern mich vor allem innerlich stets auf Reisen befinden werde.

Warum haben Sie erst vergleichsweise spät angefangen, Klavierunterricht zu nehmen und daraufhin zu komponieren?

Nun, ich hatte nie einen sonderlichen Bezug zur klassischen Musik. In meinem Familienkreis hat man für gewöhnlich kurdische Musik gehört und in meinem Freundeskreis waren eher Musikrichtungen wie Pop, Hip-Hop oder R'n'B angesagt. Erst als ich mit 16 zufällig auf YouTube eine Nocturne von Chopin gehört hatte, begann ich mich langsam für klassische Musik zu begeistern. Mit knapp 17 kam dann der Wunsch, stark angetrieben von meinem damaligen Musiklehrer, Klavierunterricht zu nehmen und infolgedessen habe ich ganz automatisch auch angefangen, selbst Musik zu komponieren. Seitdem hat die Faszination für klassische Musik nicht nachgelassen und sie begeistert mich jeden Tag auf's Neue!

Im letzten Jahr gewannen Sie den Impuls-Förderpreis der Halberstädter Orchesterwerkstatt. Was mussten Sie dafür tun und wie haben Sie sich vorbereitet?

Das lief sehr spontan ab. Ich hatte zu der Zeit zufällig an einer sinfonischen Dichtung gearbeitet und gar nichts von dieser Orchesterwerkstatt gewusst. Erst als ich schon monatelang fertig mit diesem Werk war, kam mein damaliger Kompositionslehrer mit einem Flyer auf mich zu und meinte, ich könne doch mein Werk da einfach einreichen und sehen, was passiere. Ich tat es und wurde glücklicherweise eingeladen.

Wie haben Sie es geschafft, das Auftragswerk „Azadi“ zu komponieren – wie strukturieren Sie Ihre Arbeit zu solchen Werken?

Die Frage lässt sich allgemein nur schwer beantworten, da jedes Werk ein komplett eigenes Abenteuer ist und die Struktur jedes Mal eine gänzlich andere. Die Arbeit strukturiert sich quasi aus sich selbst heraus. Bei mir beginnt es oft mit einer kleinen musikalischen Idee, aus der dann zahlreiche weitere Ideen entspringen, aus denen dann wiederum weitere Einfälle entstehen und so weiter. Dadurch ergibt sich die Struktur des Werkes ganz natürlich von selbst. Ich persönlich finde es einschränkend mir, vorher alles durchzuplanen und quasi eine Schablone auf das Werk zu pressen und zu sagen: ,Da musst du rein!'. Das nimmt mir dann doch ein wenig den Zauber beim Komponieren.