Die Künstlerin Claudia Klinkert über das neue Kunstevent HAL Art

Claudia Klinkert (Foto:Ricarda Braun)

Claudia Klinkert ist Teil der Künstlergruppe „kunstrichtungtrotha“ und hat in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer der Händelhalle Ulf Herden und vielen anderen, die Kunstmesse HAL Art ins Leben gerufen. Diese findet am 4. und 5. November in der Händel Halle statt. Kulturfalterredakteurin Laura Kühl sprach mit ihr über das neue Kunstevent in Halle.

Wie kam es zu der Idee eine eigene Kunstmesse für Halle zu schaffen?

Ich denke, allein schon die Kunsthochschule macht die Stadt zu einem wichtigen Standort für Künstler und die Messe kann den Raum Halle in diesem Aspekt noch weiter stärken. Außerdem gibt es unter den ansässigen Künstlern ein großes Bedürfnis nach einem Ort, an dem sie sich präsentieren können und der ihnen Verkaufsmöglichkeiten bietet. Als vor drei Jahren dann Herr Herden auf uns zukam, entstand eine wunderbare Kombination. Die Händel Halle kann den richtigen Rahmen für eine solche Veranstaltung schaffen, und wir bringen viel Erfahrung in der Organisation ähnlicher Events mit. Für Ulf Herden ist es eine Herzensangelegenheit, eine Kunstmesse in Halle zu etablieren und so ist die Zusammenarbeit auch mit sehr viel persönlichem Engagement verbunden.

Warum wird die Idee einer Kunstmesse erst jetzt realisiert, warum gab es sowas nicht schon vorher?

Für viele schien das Projekt vielleicht zu umfassend oder man wollte das finanzielle Risiko nicht eingehen. Zumal bisher der Idealismus fehlte, mit dem Herr Herden dieses Projekt durchführt und natürlich ist auch die Unterstützung der Künstler nicht zu vergessen. Dazu kommt, dass der Standort Händel Halle mit seiner Größe, der zentralen Lage und seiner Popularität wirklich perfekt passt. Alles in allem haben sich wohl vorher noch nicht die richtigen Leute zusammengefunden, und das hat jetzt glücklicherweise geklappt.

Eine Vorbereitungszeit von drei Jahren hört sich erstmal sehr lang an. Welche Herausforderungen gab es in der Planung und Umsetzung der HAL ART?

Das Vorhaben ist seit der ersten Kontaktaufnahme wirklich langsam, Schritt für Schritt gewachsen und wir mussten, da die Veranstaltung zum ersten Mal stattfindet, einen eigenen Weg finden, eine hallesche Kunstmesse zu schaffen. Zu dem schon etablierten Grafikmarkt mit der Auktion, kam vor Kurzem eine Kunstverkaufsausstellung, welche aber noch nicht die richtige Resonanz fand. Dann bat man uns um Mitarbeit, um daraus tatsächlich eine Kunstmesse zu formen. Die Besucherzahlen des letzten Jahres gaben uns dann Mut genug, das Projekt zu wagen.

Eine Fachjury hat aus 150 Bewerbungen eine Auswahl für die Messe getroffen. Wie wurde diese Jury denn zusammengestellt?

Für die Jury sammelten wir Vorschläge aus dem Unterstützerteam – also von Herrn Herden, von uns (kunstrichtungtrotha) und vom Berufsverband Bildender Künstler (BBK). So war relativ schnell klar, dass Frau Dr. Renate Luckner-Bien dabei sein muss, weil sie schon an vielen Jury-Sitzungen teilgenommen hat. Rolf Müller ist Professor der Malerei und deckt damit diesen Bereich ab, das war uns wichtig. Björn Herman wiederum ist bildender Künstler der Burg, und hat so einen Überblick über die junge Kunstszene. Das sind nur einige Beispiele um den Anspruch zu zeigen, die Jury möglichst breitgefächert aufzustellen.

Was ist denn eigentlich bildende Kunst?

Prinzipiell unterscheidet man zwischen bildender und angewandter Kunst. Zu bildender Kunst zählen hier die freien Künste wie Malerei, Grafik und Plastik. Zu angewandter Kunst zählt dann zum Beispiel eher Keramik, etwa eine Vase. Die Grenzen zwischen diesen beiden Formen verschwimmen aber, da auch eine Vase oder ein Teller reines Kunstobjekt sein können, welches nicht nur für die praktische Anwendung bestimmt ist, sondern als Plastik oder Skulptur aufgefasst werden soll. Und das ist bei der HAL ART auch eine Besonderheit, da viele Messen sonst auf diese Vermischung verzichten, und nur Gemälde und Grafiken ausstellen.

Was kann die Messe Studierenden der Künste bieten?

Auf jeden Fall kann es dabei helfen, sich einen Überblick über die derzeitige Kunstszene zu verschaffen. Für Studenten empfinde ich es auch als sehr wichtig, sich schon während des Studiums zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen. In den Künsten gestaltet sich das Berufsleben anders als das Studium und man sollte sich damit zu beschäftigen, wie die Realität als freischaffender Künstler aussieht, denn das wird in der Ausbildung oft verdrängt oder romantisiert. Auch ganz praktische Dinge wie der Aufbau der Stände oder die Setzung der Preise sind Dinge, die man lernen muss. Was mich sehr freut ist, dass die Burgklasse des Studiums der Keramik mit einem Stand vertreten ist und so eine Verbindung zwischen Burg und Messe, zwischen Studium und Beruf schafft.



Wozu braucht es eine Auktion zusätzlich zu dem Grafikmarkt am Sonntag?

Die Versteigerung hat schon langjährige Tradition und ist fester Bestandteil des Grafikmarktes. Und natürlich ist das auch ein Event mit Unterhaltungswert – es gefällt den Leuten zu bieten, in der Hoffnung ein Schnäppchen zu machen oder ihre Sammlung zu erweitern.

Sie nehmen selbst an der Messe teil, unterstützen die Planung aber auch gemeinsam mit verschiedenen Kunstvereinen. Das klingt nach einer sehr fairen und gemeinschaftlichen Szene. Was erhoffen Sie sich von dieser Zusammenarbeit?

Das ist für meine Begriffe sehr repräsentativ für Halle, dass sich Künstler hier gegenseitig unterstützen, indem sie Kunstmärkte oder Galerien und Ausstellungen ins Leben rufen, um aktiv auf die lokale Kunstszene einwirken zu können und diese anzutreiben. Das schafft neue Präsentations- und Verkaufsflächen, denn das fehlt in Halle leider oft. Deshalb ist es auch für mich nicht komisch, selbst an dieser Messe teilzunehmen, da ich beratend am Konzept beteiligt bin, gerade weil dieser Konkurrenzgedanke für mich dabei keine Rolle spielt.

Sie selbst sind Teil einer Künstlergruppe – kunstrichtungtrotha.

Das Projekt hat ursprünglich 2002 begonnen, und seit fünf Jahren bestehen wir in einer „festen Besetzung“ aus sechs Frauen. Wir sind drei Keramikerinnen, zwei Designerinnen und eine Bäckermeisterin, die sich eben der Backkunst widmet und damit Herzstück unserer Gemeinschaft ist. Wir veranstalten auch häufig eigene Märkte und Ausstellungen und erfahren da sehr viel Unterstützung von Freunden und Kunstliebhabern.

Wie entwickelt sich die regionale Kunstszene ihrer Meinung nach im Moment?

Die Szene entwickelt sich positiv in dem Sinne, dass Veranstaltungen und Projekte angenommen werden und sich auch junge Künstler dafür entscheiden, im Raum Halle ansässig zu werden und nach neuen Formaten suchen. Trotzdem brauchen wir noch mehr Aufmerksamkeit und Hilfe seitens der Stadt und der Kunststiftungen. Bisher lasten die Verantwortung und das finanzielle Risiko immer nur auf den Schultern der Künstler. Es ist enorm wichtig, dass nicht nur Zuschauer und Besucher, sondern auch die Veranstalter etwas von den Projekten haben.

Worauf freuen Sie sich bei der Messe besonders?

Ich freue mich auf alles – viele Besucher, Verkäufe und den Austausch mit anderen Künstlern. Doch Neugier und Hoffnung überwiegen. Ich bin neugierig darauf, wie alles letzten Endes abläuft, wie den Gästen die Messe gefällt. Und ich hoffe sehr, dass unsere Veranstaltung auch überregional Anklang findet und die Besucher auch 2018 wiederkommen wollen.