Saalebadeanstalten in Halle

Wer heute im Stadtgebiet von Halle im Sommer baden oder schwimmen will, wird die Freibäder oder Badeseen ansteuern. Den Wenigen, die heute in der Saale baden wollen, stehen seit den 90er-Jahren die jährlich veranstalteten „Saale-Badetage“ offen.

Schon seit Jahrhunderten wird in Flüssen und Bächen gebadet. Die steigende Zahl der Badeunfälle führte im 18. Jahrhundert zur Beaufsichtigung bestimmter Badeplätze durch bezahlte Bademeister. Das war die Geburtsstunde der Flussbadeanstalten, wie sie auch an der Saale im Gebiet von Halle entstanden. Erste bewachte Badeplätze in Halle gab es nördlich der Mansfelder Straße nahe der heutigen Hafenstraße. In den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die städtischen Badeplätze an die Pulverweiden verlegt. Parallel dazu stellten an den Weingärten wohnende Fischer seit der Wende zum 19. Jahrhundert am Ufer ihrer Grundstücke öffentlich nutzbare Badehäuser auf. In den folgenden Jahrzehnten kamen sogenannte „Wellenbäder“ nahe der Neumühle und der Steinmühle sowie hinter den Wehren an der Herrenstraße, an den Pulverweiden und bei Gimritz hinzu. Als letztes privat betriebenes Schwimmbad entstand das Luisenbad an der Mansfelder Straße. Auch in Trotha, Lettin und Böllberg gab es Flussbadeanstalten. Eine eigenständige Geschichte können zudem vereinseigene Bäder vorweisen. Die schlechter werdende Wasserqualität der Saale führte seit den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu Bäderschließungen. Mit dem städtischen „Freibad Pulverweiden und Kanalbad“ endete 1962 die Geschichte der Flussbadeanstalten in Halle.

Heute erinnern nur noch wenige Relikte an die einstigen Badefreuden. So existiert an der Mansfelder Straße westlich der Elisabethbrücke noch das massive Hauptgebäude des 1913 eröffneten Luisenbades. Mitten im Garten des Grundstücks Pulverweiden 2 hat sich das umgenutzte Toilettengebäude des Florabades erhalten.

Der wichtigste Rest einer Badeanstalt steht dagegen am Ufer der Weingärten: Gegenüber den Pulverweiden kann man mehrere gelb angestrichene Holzbauten sehen. Eines dieser Holzgebäude ist zweigeschossig und besitzt im Obergeschoss eine Galerie. Es handelt sich hierbei um einen – im Erdgeschoss zum Bootshaus erweiterten – Umkleidezellenbau der ehemaligen Flussbadeanstalt „Johannesbad“ (Weingärten 29-31). Fischermeister August Elitzsch hatte 1827 in der damaligen Presse die Wiederinstandsetzung seines Badehauses an diesem Standort angekündigt. Schon wenige Jahre später konnte auch das weibliche Geschlecht – getrennt vom männlichen – hier baden. Auch Schwimmunterricht wurde erteilt. Wie für August Elitzsch war auch für die nachfolgenden Besitzer die Badeanstalt nur ein Nebenerwerb. Auch Hermann Birnstiel, der 1907/08 das Mietshaus an der Straße (Nr. 31) mit seinem breiten Durchgang zur Badeanstalt neu errichten ließ, betrieb noch die Fischerei als Haupterwerb. Der vorhandene Umkleidezellenbau kann zu dieser Zeit laut Zeichnung zum Bauantrag schon bestanden haben. Ein genaues Erbauungsdatum lässt sich anhand der Bauakte im Stadtarchiv jedoch nicht feststellen. Damals befand sich auf der Saale vor den landseitigen Holzbauten das durch Holzstege abgetrennte und durch Bretterplanken gegen Einblicke von außen abgeschirmte Wasser-Viereck. Neben dem normalen Publikum führte hier der Hallesche Schwimmverein von 1902 e. V. ab 1921 mehrere Jahre lang seine täglichen Schwimmübungen durch. Auch sogenannte Schwimmfeste wurden in den 20er-Jahren im Johannesbad veranstaltet. Der nächste Grundstückseigentümer – Karl Gramm – ersetzte 1929 den nördlichen Ankleidezellen-Bau durch ein Bootshaus. Schon ein Jahr später schloss er seine Badeanstalt.

Trotz Einstellung des Badebetriebes an den Weingärten in den späten 40er-Jahren, hatten sich bis 1995 hier noch Umkleidebauten weiterer drei Badeanstalten erhalten. Deren Abriss in der Folgezeit macht die Erhaltung des letzten Teils des Johannesbades umso wichtiger.

(Peter Breitkopf, Kulturfalter Juni 2011)
2007 hat die „Saale-Initiative“ am Flussufer in Halle den „Saalepfad“ eröffnet. Neben anderen Sehens- und Merkwürdigkeiten wird mit Schautafeln auch auf die Relikte des Luisenbades an der Mansfelder Straße und des Johannesbades gegenüber den Pulverweiden hingewiesen.