Das Hauszeichen des Hans von Schönitz vom "Kühlen Brunnen"- eine Inkunabel der deutschen Stadtgeschichte

Der reiche hallische Kaufmann Hans von Schönitz (1499–1535) errichtete mit dem „Kühlen Brunnen“ einen bedeutenden Palast der Frührenaissance in Halle. Die große farbige Kachel diente ursprünglich als Hauszeichen des Kühlen Brunnens. Sie zeigt das Familienwappen und wurde vermutlich anlässlich der Bestätigung des Adelstitels auf dem Reichstag zu Regensburg 1532 durch Kaiser Karl V. in Auftrag gegeben.

Im Jahr 1534 bezichtigte Kardinal Albrecht von Brandenburg Schönitz der Hinterziehung von Geldern und Baumaterialien. Im darauf folgenden Jahr wurde er hingerichtet. Diese Exekution brandmarkte die Reformation als einen großen Justizskandal, der in Halle bis heute eine gewisse Berühmtheit genießt. Soll doch angeblich von Schönitz sein Auge auf die italienische Geliebte des Kardinals geworfen haben. Aber in Wirklichkeit konnte er fehlende 59.000 Gulden nicht erklären.

Das Hauszeichen ist eine der frühesten überhaupt überlieferten deutschen Arbeiten in farbiger Irdenware und genießt allein aufgrund seiner repräsentativen Größe Einzigartigkeit in der Keramikgeschichte. Die bemerkenswerte Polychromie, vor allem die Verwendung der teuren kobaltblauen und zinnoxidweißen Glasuren findet nur in der italienischen Majolika Parallelen. Damit gehört es zu den herausragenden und kostbaren Kunstwerken der Frührenaissance nicht nur in Halle. Die Zuschreibung der repräsentativen Tafel zur Werkstatt der Hafnerfamilie Preuning in Nürnberg erfolgte aufgrund typischer stilistischer Merkmale und der farbkräftigen Glasuren.

Dargestellt ist mit dem aufsteigenden Löwen das Wappen von Schönitz auf diagonal gelb-blau geteiltem Grund. Es wird von zwei Fabelwesen mit Fischschwänzen gehalten. Faszinierend reich sind das vielfältige Rankendekor und die Helmzier. Das sich oben spannende Inschriftband nennt den Namen „HANS V SCHENItZ“. Im unteren Drittel ist die persönliche Devise wiedergegeben: „ZVV FROM WILLIG VND VIL VERTRAVEN SCHWECHT KURTZET VND BRINGET GROSSEN RAVEN“ (Fromme Willfährigkeit und zu viel Vertrauen schwächt, kränkt und bringt große Reue).

Das Hauszeichen wurde im Jahr 1913 als Vermächtnisstiftung des Apothekers Paul Rummel von der Südseite des Küchenbaues des „Kühlen Brunnens“ in das Moritzburgmuseum überführt. Um die empfindliche Arbeit zu schützen, wurde sie in eine fast 10 cm starke Betonplatte eingegossen. Im Jahr 2004 jedoch wurden erhebliche Material- und Glasurschädigungen sichtbar, die eine Sicherung erforderten. Die 2006 von der Restauratorin Julia Skrajewski durchgeführten genaueren Untersuchungen zeigten nunmehr auch Risse, die das Objekt bereits in fünf Teile fragmentierten. Sie waren die Folge einer Versalzung des Scherbens. Die langfristige Sicherung des wertvollen Stückes erforderte die mechanische Entfernung der Betonschale. Fachliche Hilfe leistete der Restaurator Heiko Breuer aus dem Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt. Er vermittelte eine CT-Aufnahme des Objektes, um die vermutete Metallarmierung in der Betonschale sichtbar zu machen. Dies unterstützte der Leitende Physiker der Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie II, Dr. Reinhard Gerlach. Damit waren die Grundlagen für die eigentliche Restaurierung gelegt. Möglich wurde sie durch das Engagement des Förderkreises der Stiftung Moritzburg, insbesondere durch die großzügige Spende von Frau Dr. Hanna Leistner und von der renommierten Leipziger Restauratorin Silke Rohmer ausgeführt. Durch die Restaurierung ist der Zerfall eines bedeutenden halleschen Kunstwerkes der Renaissance und zugleich einer herausragenden Inkunabel der deutschen Keramikgeschichte aufgehalten. Es vermittelt nun heute wie vor fast 500 Jahren den Kunstsinn und das Repräsentationsbedürfnis des reichen halleschen Bürgertums.

Nach zehnjähriger Pause kann das Hauszeichen dank der finanziellen, ideellen und praktischen Unterstützung nun wieder in der Ausstellung „Idee Schatzkammer“ im Talamt in der Moritzburg präsentiert werden.

(Ulf Dräger, Kulturfalter April 2014)