Hans von Held: Ein aufgeklärter Staatsdiener zwischen Preußen und Polen

In seiner Zeit zählte der Beamte und politische Schriftsteller Hans von Held (1764–1842) zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Spätaufklärung in Preußen. Er wurde vor allem durch seine Anklagen gegen die preußische Staatsverwaltung am Ende des 18. Jahrhunderts berüchtigt, aber auch durch seine öffentliche Kritik am preußischen Vorgehen nach der Zweiten und Dritten Teilung Polens in den Jahren 1793 bzw. 1795.

Der in der Nähe von Breslau in Schlesien geborene Hans von Held, Sohn eines verarmten ehemaligen preußischen Militärs unter Friedrich II., strebte eine Laufbahn im Staatsdienst an. Hierzu studierte er zwischen 1784 und 1787 an den Universitäten Frankfurt an der Oder, an der Fridericiana zu Halle sowie in Helmstedt Rechts- und Staatswissenschaften. In Halle gehörte Held dem „Constantistenorden“ an, einem der zu dieser Zeit weit verbreiteten geheimen Studentenorden. Seine Tätigkeit richtete sich nicht nur auf das Dichten von Liedern für die Zusammenkünfte und auf die Anwerbung von neuen Mitgliedern. Er war darüber hinaus an der Ausbreitung des Ordens auf andere Universitäten beteiligt. Wegen seines Engagements handelte er sich in Halle eine zweitägige Karzerstrafe ein, nachdem er ins nahegelegene Passendorf geflohen war, um sich einem Verhör durch die Universitätsleitung zu entziehen. Seit seiner Jugend knüpfte und unterhielt Held zahlreiche Kontakte, die sich auch in seinem rund 230 Einträge enthaltenden Studentenstammbuch und in einem umfangreichen Briefwechsel niederschlugen.



Seine von vielen Ortswechseln geprägte berufliche Laufbahn startete Held 1788 als Kassenkontrolleur der niederschlesischen Akzise- und Zolldirektion in Glogau. 1791 wurde er nach Küstrin versetzt und zum Sekretär der dortigen Akzise- und Zolldirektion befördert. Nach der Zweiten Teilung Polens wurde Held 1793 in das an Preußen gefallene Gebiet versetzt, das die neue Provinz Südpreußen bildete. Als Akzise- und Zollrat in der Provinzialhauptstadt Posen beobachtete er Missstände in der Verwaltung, Korruption unter hohen Beamten, Bereicherung des Adels und Ausbeutung der Bevölkerung. Weil er diese Beobachtungen mit der Publikation eines kritischen Gedichtes öffentlich machte, wurde Held 1797 in die Stadt Brandenburg strafversetzt. Von dort aus konnte er jedoch wichtige Kontakte nach Berlin unterhalten, das zu dieser Zeit ein Zentrum der spätaufklärerischen Öffentlichkeit war.

Von der Gedankenwelt der Aufklärung beeinflusst und von den Ereignissen der Französischen Revolution beflügelt, setzte sich Held radikal für Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit ein. 1801 publizierte er mit Unterstützung seiner Kontakte in Berlin Aktenmaterial aus Verwaltungsbehörden, mit dem er die Missstände in Südpreußen beweisen wollte. Einige der Exemplare seines Buches mit dem Titel „Die wahren Jacobiner im preußischen Staate“ ließ Held schwarz einbinden und direkt an den königlichen Hof senden. Es wurde als „Schwarzes Buch“ bekannt und regte auch spätere, in derartiger Buchform publizierte Sammlungen von Negativbeispielen an.



Anhand der Schriften des preußischen Beamten wurde nur allzu deutlich, dass das öffentlich geäußerte Wort auch dem vermeintlich Machtlosen Wirksamkeit verleihen konnte, zumal sie auf erhebliche publizistische Resonanz stießen. Allerdings musste Held seine offenen Worte büßen: Er wurde zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt, die er in Kolberg in Hinterpommern verbrachte. Die Jahre nach seiner Rückkehr nach Berlin 1803 verliefen ebenfalls bewegt, denn er musste sich 1806 nach dem französischen Einmarsch in Berlin aufgrund der (anonymen) Veröffentlichung napoleonfeindlicher Schriften nach Neuruppin zurückziehen. Seine vormals geäußerte Kritik an der – von Napoleon besiegten – preußischen Führung fand in diesen Jahren neue Beachtung.

Durch die aus seiner publizistischen Tätigkeit und politischen Haltung entstehenden beruflichen Probleme war von einer weiteren Karriere Helds nicht mehr zu reden; erst 1812 erhielt er eine Wiederanstellung im Staatsdienst. Ab da übte er ein – von politischen Fragen weit entferntes – Amt in der Berliner Salzfaktorei aus. Die auch mit Halle verbundene Lebensgeschichte Hans von Helds, zugleich Staatsdiener und radikaler Publizist, steht exemplarisch für die Schwierigkeiten der Ausbildung einer politischen Öffentlichkeit in den Jahrzehnten um 1800 und ist darin zugleich unmittelbar mit der Geschichte Preußens und Ostmitteleuropas dieser Zeit verknüpft.

Vom 17. Sept. bis zum 15. Nov. wird die deutsch-polnische Tafelausstellung „Wortgewalten“ im Foyer des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA), auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen, Franckeplatz 1, Haus 54, gezeigt. Das Haus ist von Mo. bis Do. von 9 bis 18 Uhr, Fr. bis 13 Uhr geöffnet. Die Eröffnung findet am 16. September um 18 Uhr mit einer Einführung der Kuratorin Anna Joisten (Stuttgart) statt.