Highlights für's Impulsfestival - alles auf einen Blick

Thema Super Tuesday / am 30.10. um 20 Uhr im Steintor-Varieté

Einen weiteren Bogen vom Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren bis hin zu den aktuellen Geschehnissen im Mittleren Osten und anderen Kriegsschauplätzen spannt das diesjährige Impuls-Programm des „Super Tuesday“ im Steintor. Im heutigen Irak, das seit vierzig Jahren von Krieg, Bürgerkrieg und Anschlägen heimgesucht wird, melden sich Autorinnen unterschiedlicher Generationen zu Wort. Es ist das Verdienst der deutschen Journalistin Birgit Svensson, deren Texte zu sammeln und auch Frauen zum Schreiben zu ermutigen. Auf diese Weise entstand das Buch „Mit den Augen von Inana“ (Schiler- Verlag), in welchem erstmals Lyrik und Prosatexte die Situation im Irak refl ektieren. Während Männer meistens über die Taten (von Männern) schreiben, tun es hier Frauen über die Folgen der Taten: über die Angst, über die moderne Scheherazade, deren Geschichten so gar nichts Märchenhaftes mehr haben, oder von vermeintlichen „Märtyrern“.

Fünf junge Komponistinnen und Komponisten aus fünf Ländern setzen sich in der Internationalen Masterclass am Bauhaus Dessau unter der Leitung von Annette Schlünz mit den Texten auseinander, die von Autorin Astrid Vehstedt in einen dramaturgischen, einer Reportage ähnlichen Rahmen gesetzt werden. Moderne Berichterstattung, Kriegshandlungen und ihre Folgen sind dabei thematische Schwerpunkte. Schnelle Information – Breaking News – steht im Kontrast zur Refl exion über die Folgen. Dabei werden Parallelen sichtbar bis hin zum Dreißigjährigen Krieg, dessen Ausbruch vor 400 Jahren in diesem Jahr gedacht wird.

Die Sängerin, Stimmkünstlerin und Schauspielerin Salome Kammer verknüpft die fünf vertonten Monodramen teils als Sprecherin, Moderatorin und Anchorwoman einer News-Sendung, fl ankiert von Videoprojektionen des Leipziger Filmemachers Sascha Kummer. Nodoka Okisawa, Teilnehmerin der Impuls-Masterclass 2016, dirigiert in diesem Projekt das junge Ensemble Tempus Konnex Leipzig. Der New Yorker Komponist Gene Pritsker steuert kontrastierend einen Percussion-Battle für vier Schlagzeuger bei. Für „Lost City“ ließ er sich von Friedrich Schillers Texten über den Dreißigjährigen Krieg und hier speziell die verheerende Zerstörung Magdeburgs 1621 inspirieren. Für das fulminante Werk treff en Percussionisten aus Impuls-Partnerorchestern aufeinander.



Black Monday / am 21.10., 11 Uhr & am 22.10., 19.30 Uhr in der Händelhalle

Großartige Talentförderung

Nils Mönkemeyer gehört zu denjenigen Solisten, die es verstehen, der Bratsche als Instrument Wirkung und Gewicht zu verleihen. Und das in einem besonderen Werk, das der georgische Komponist Giya Kancheli dem berühmten Bratschisten Yuri Bashmet auf den Leib geschrieben hat. Als in den Neunzigern mehrere seiner Freunde starben, schrieb Kancheli ein Werk mit dem Titel „Styx“. „Ich habe mir Bashmet gewünscht, weil die Stimme seiner Bratsche in der Lage ist, die von den Wassern des Styx getrennten Welten der Toten und Lebenden miteinander zu vereinen.

Gerade die Bratsche ist doch durch den Reichtum ihrer Klangfarben und durch die tiefe Ausdrucksfähigkeit prädestiniert, den Seelen Versöhnung, Frieden und Harmonie zu bringen.“ Der Impuls-Preisträger 2017, Tianyang Zhang, kommentiert die Komposition Kanchelis mit seiner Auftragskomposition, und zwar über den legendären Fährmann des Styx, „Charon“.



Seine Hommage an den in Halle stattfi ndenden Deutschen Bratschistentag stellt eine Violagruppe in den Mittelpunkt, sinnbildlich für den Fluss, fl ankiert von Bläsern links und rechts auf den Emporen und den Percussionisten, die den fi nsteren, aber unbestechlichen Charon verkörpern. Bei der Urauff ührung „Charon“ steht als eindrückliches Beispiel der Impuls-Talentförderung im Bereich Komposition, verbunden mit der Orchesterpraxis im Netzwerk der Orchester, die schon seit 2008 mit Impuls kooperieren.

Für den zweiten Teil hat der Dirigent Darrell Ang, aus Singapur stammend, aber in St. Petersburg ausgebildet, die 10. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch aus dem Jahre 1953 ausgewählt, in der manche Zeitgenossen eine musikalische Aufarbeitung der Stalin-Zeit vermuten.