Schafe, Monster und Mäuse: Element of Crime sind zurück

Element of Crime zählen seit vielen Jahren zum Besten was die Musikszene aus Berlin hervorgebracht hat. Nach vier Jahren Pause hat die Band rund um Sven Regener mit „Schafe, Monster und Mäuse“ ein neues Album auf den Markt gebracht. Das Werk vereint alle Stärken der Berliner und präsentiert doch hin und wieder Neues in deren Sounduniversum.

Die Band hat eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich, die nun auch schon 33 Jahre anhält. Nach vier englischsprachigen Alben entschlossen sich Element of Crime die Sprache zu wechseln und veröffentlichten fortan auf Deutsch. Und siehe da, jetzt kam die Poesie und Sprachgewalt von Sven Regener erst so richtig zur Geltung. Trotz überwältigendem Kritikerlob sollte es noch viele Jahre dauern bis sich der ganz große Erfolg einstellte.



Es geht auch anders

Schrullig, ein wenig verschroben, liebenswert und melancholisch, so kennt man seit Jahrzehnten die Band aus Berlin, deren Sänger Sven Regener zwar aus Bremen stammt, mittlerweile jedoch eingefleischter Hauptstadt Bewohner geworden ist. Dass Regener durchaus auch anders kann, bewies er vor Jahren in seiner nun schon legendären Wutrede gegen illegale Downloads. Tantiemen sind zwar für Straßenkünstler wie Duo kein Thema, für etablierte Künstler ist es jedoch ein wichtiger Teil ihres Lohns für ihre künstlerische Arbeit.

Darauf wies Regener 2012 in einem fast sechs-minütigem Redeschwall im Interview mit dem Zündfunk-Autor Erich Renz auch nachdrücklich hin. „Wir sind ja keine Straßenkünstler. Wir machen keine Verträge, weil wir doof sind, oder etwas zu verschenken haben, sondern weil wir sonst unsere Musik nicht machen können." „Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern um geht, ist nichts wert. Es ist eine Frage des Respekts und des Anstands, nichts zu klauen.“ Diese Zitate rauschten durch den deutschen Blätterwald und provozierten wütende Gegenreden. Regener ließ sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und vertritt seine Meinung nach wie vor hoch erhobenen Hauptes.



Berlin nur du allein

Das gilt auch für das neue Album. Seine Wahlheimat Berlin dominiert die ungebrochen grandiosen Texte von Sänger Sven Regener. Wie gewohnt variieren Element of Crime ihren Sound nur behutsam, im Mittelpunkt steht die Sprachgewalt von Regener, der übrigens auch Bestseller-Autor ist. Und der liefert auch diesmal ab.

Neu an seinen Liedern ist nicht nur die ungewohnt lange Dauer, sondern auch die Bandchöre in Songs wie „Ein Brot und eine Tüte“ und der zweiten Single Auskoppelung „Die Party am Schlesischen Tor“. Beide Songs sind absolute Highlights eines durchgängig großartigen Albums und werden als konzipierte Gassenhauer bei der anstehenden Tour sicherlich für mächtig Stimmung bei den Fans sorgen. Das überrascht dann doch etwas, schließlich klang der erste Vorbote von „Schafe, Monster und Mäuse“ wie gewohnt melancholisch. „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ ließ Großes erwarten, nicht zu Unrecht, wie man nun hören kann.

Der Titelsong reiht sich ebenso ein in die Großtaten der CD ein, wie „Immer noch Liebe in mir“ mit seinem fröhlichen Mariachi-Sound. Schließlich ist Sven Regener nicht nur der Texter und Sänger der Band, sondern auch deren Trompeter. „Gewitter“, „Stein Schere Papier“ und „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ sind gleichzeitig düster und hoffnungsvoll. Kurz bevor das Album in die letzte Runde geht, taucht plötzlich ein Gaststar auf. „Karin, Karin“ ist nicht nur die Fortführung des Klassikers „Kaffee und Karin“ sondern auch ein Duett von Regener mit seiner Tochter, die der Nummer eine gewisse Leichtfüßigkeit verleiht. Element of Crime zelebrieren auch diesmal wieder gekonnt die Absurditäten des Alltags und werfen ihre Blicke dorthin, wo niemand sonst hinsieht. Gelassen und sich ihres Könnens bewusst verweigern sie sich allen Trends und werden trotzdem, oder gerade deshalb damit Erfolg haben.

Die Band geht auch mit der neuen Platte wieder auf Tour. Alle aktuellen Daten finden sich auf der offiziellen Webseite der Band. Nach ersten einzelnen Konzerten im Herbst dieses Jahres findet die große Tour dann im Mai 2019 im deutschen Sprachraum statt. Kurz vor der Veröffentlichung der neuen CD gab die Band bereits ein Open Air Konzert vor 3.000 Fans auf der Peißnitz in Halle. Die Begeisterung war groß, nächstes Jahr ist dann ganz Deutschland an der Reihe.