5 Uhr früh, Halle Hauptbahnhof

Ein sehr warmer Sommertag im Juli 2007. Das Luchs-Kino am Zoo platzte trotz der Hitze fast aus allen Nähten. Passend zum Programm, denn zur Aufführung von „Du bist nicht allein“ hatte sich auch Hauptdarstellerin Katharina Thalbach angekündigt, um Publikum und Presse persönlich vom Film zu erzählen. Kulturfalter nutzte die Gelegenheit und passte die Berlinerin ab, um zu fragen, wie es denn so ist, zwischen gestern und morgen in Halle an der Saale Station zu machen.

Kulturfalter: Frau Thalbach, wo waren Sie denn gestern unterwegs?

Katharina Thalbach: In Berlin. Zur Premiere von „Du bist nicht allein“ in der Kulturbrauerei.

Und wann waren Sie das letzte Mal in Halle?

(überlegt) Das muss... 1971 gewesen sein. Ich ging damls noch zur Schule und wir haben in Leipzig einen Defa-Film gedreht. Wegen der Messe waren alle Hotels in Leipzig ausgebucht. Also waren wir im International in Halle untergekommen. Das ist lange her.

Ist noch etwas von der Stadt Halle in Erinnerung geblieben?

(lacht) Ehrlich gesagt kommt mir nur eine Szene in den Sinn: Ich stehe morgens um 5 Uhr auf dem Hauptbahnhof, glotze auf das International und denke: „Scheiße, ist das früh“...

Vor 30 Jahren sind Sie nach Westberlin umgesiedelt als persönliche Konsequenz zur Ausweisung von Wolf Biermann. Heute ist er Ehrenbürger des gesamten Berlins. Gibt es in Ihren Augen noch Ost und West?

Das glaube ich nicht. Natürlich gibt es diese Art der Unterscheidung immer noch, und das wird wohl noch zwei Generationen dauern. Aber es gibt ja auch Nord und Süd. Allein die Bundesländer sind ja schon so verschieden. Eigentlich schön, oder? Ich selbst find‘s wirklich sehr aufregend.

 
Zurück in den Osten: Was verbinden Sie am ehesten mit Halle: Händel, Halloren-Kugeln oder Halle-Neustadt?

Was für Kugeln?! (lacht) Hmm, ich denke natürlich an Halle-Neustadt. Das hat aber mit meiner Vergangenheit zu tun. Weil ich ja eine alte DDR-Bürgerin bin.  

Sind Promotiontermine eigentlich anstrengend?

Oh ja, sehr anstrengend. Man hat nix von den Städten und sieht nix. Das Einzige, was ich wirklich mag, ist der Kontakt zum Publikum. Aber Film ist ja auch nicht Theater. Nein, von Stadt zu Stadt zu jagen, das ist schon Arbeit.

Wo sind Sie denn morgen?

Morgen? Morgen fahre ich in die Ferien. Zu Freunden nach Mallorca.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Thalbach!
(Alexander Bernstein, Juli 2007)

 

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