Monstronale Filmfestival Halle - Menschen Kurzfilme nahebringen

Vom 3. bis 7. April kann man in Halle wieder wunderbare Kurzfilme auf großer Leinwand bestaunen. Denn es ist Monstronale-Zeit. Das Festival findet einmal im Jahr in Halle statt. Neben Filmen bietet das Festival Workshops, Kinderprogramm, Preisverleihung und eine Festivalparty. Doch was ist die Monstronale eigentlich? Wer organisiert das Ganze? Und was gibt es da alles zu sehen? Kulturfalterredakteur Martin Große sprach mit einem der Macher – Christian Schunke – über das Festival und den Film an sich.

Die Monstronale ist als Filmfestival bekannt. Woher rührt aber der Name?

Der Name ist eine Kombination. Es gibt im Spanischen das Wort „mostrar“ – übersetzt „zeigen“. Deswegen gibt es in Spanien und dem romanischen Sprachraum auch Filmfestivals, die dieses Wort im Namen tragen. Dazu gibt es im Italienischen das „mostro“, was man im weitesten Sinne als Monster oder fantastische Kreatur übersetzen kann. Und zum Schluss muss jedes „große“ Festival in Deutschland ein „-ale“ im Namen haben. So haben wir uns das damals zusammengebaut.

Es gab vor dem Festival die gleichnamige Filmreihe im La Bim. Entstand dort die Idee des Festivals?

Die Filmreihe lief immer sonntags im La Bim. Wenn wir uns bei manchen Filmen mehr Publikum erhofften, dann auch Freitag, Samstag und Sonntag. Die Idee zur Reihe entstand im Plan 3 e.V. Unsere Vorgänger hatten kein Interesse mehr an dem Kino, welches im La Bim vorhanden war. Deswegen entschlossen wir uns, eine Reihe des besonderen Films ins Leben zu rufen. Wir, das waren damals fünf Akteure – drei Medienwissenschaftler und zwei Filmliebhaber. Wir interessierten uns für Independent-Film abseits des inzwischen recht großen Independent-Mainstream-Kinos. Also abseits von „Ziemlich beste Freunde“ und Ähnlichem. Da wir das kleinste Kino in Halle hatten, konnten wir uns den Luxus leisten, Leute direkt anzuschreiben, weil deren Filme nicht mal einen Verleih in Deutschland hatten. So konnten wir unter anderem den Film „Rubber“ zeigen. Das ist ein französischer Film von Quentin Dupieux, auch bekannt als Mr. Oizo, aus dem Jahr 2010. Der Protagonist ist dabei ein mordender Autoreifen. Wir zeigten Filme, die man so nicht sehen würde, wie etwa den ersten Odorama-Film (Geruchs-Film) „Polyester“ von John Waters von 1981. Unser Anspruch war es, ein Programm jenseits der Programmkinoformate zu haben. Zudem haben wir immer Kurzfilme gesucht, die vor den Hauptfilmen laufen konnten, und daraus entstand dann die Idee, ein Kurzfilmfestival zu machen.

Zu Beginn war es sicher nicht einfach, das Festival zu organisieren. Man braucht Geld, Sponsoren, Filme – wie habt ihr das alles organisiert?

Für das erste Festival hatten wir Mittel für Projektförderung bei der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt beantragt und diese auch dankenswerterweise bekommen. Trotz dieser Mittel hatten wir ein Problem: Wir wollten 2700 Euro Preisgeld vergeben, und diese mussten irgendwoher kommen. Erfreulicherweise konnten wir die HWG, Rademacher Immobilien, die Stadt Halle und zwei kleinere Sponsoren für die Festivalidee begeistern, und diese sponserten das Preisgeld. Darauf konnten wir aufbauen. So wuchs das Festival zum Beispiel um den Kinderbereich, den Länderfokus, den Themenrahmen, und seit zwei Jahren gibt es die Kurzdokumentationen (Shortdocs). Wobei wir den thematischen Überbau dieses Jahr in der Werbung etwas zurücknehmen, da er auf Seiten der Besucher für Verwirrung gesorgt hat.



Wie viele Einreichungen hattet ihr bei den ersten Festivals und woher kamen diese?

Im ersten Jahr erreichten uns 315 Filme. Dafür haben wir viele Kontakte zu Produktionsfirmen aufgebaut und Filmhochschulen angeschrieben. Auffällig war, dass gerade Engländer und Franzosen unseren Namen witzig fanden und uns - obwohl sie uns nicht kannten - viele Filme geschickt haben. Wir bekommen zahlreiche Einsendungen von Studenten. Zum Beispiel verschickt die Filmhochschule Budapest jedes Jahr eine Sammlung ihrer Abschlussfilme auch an uns.

In den ersten Jahren erreichten uns tatsächlich Unmengen von DVD`s. Jetzt im Digitalzeitalter bekommen wir in der Regel einen Sichtungslink zum Beispiel bei Vimeo. Das vereinfacht die Sache sehr. Dieses Jahr lagen bisher zwei Briefe in unserem Kasten.

Wie viele Einreichungen habt ihr jetzt?

Wir hatten letztes Jahr 2068 Filme, aus denen wir auswählen konnten. Die meisten Bewerber gab es aber 2017, da erreichten uns 3472 Filme. Diese hohe Zahl rührt daher, dass wir uns bei einem Onlineeinreichportal angemeldet hatten. Inzwischen ist es ein Geschäftsmodell, Filmemacher mit Festivals zu verknüpfen. Allerdings waren bei diesen Filmen auch viele Handyvideos dabei - und mindestens die Hälfte war schlicht nicht ansehbar. Wir haben bei der ersten Sichtung knallharte technische Kriterien, also ist das Bild in Ordnung, ist der Ton in Ordnung und so weiter. Außerdem erheben wir inzwischen auch eine geringe Einreichgebühr bei den Portalen, dadurch kann man die Zahl der Einsendungen ebenfalls steuern.

Du sagtest eben 3472 Filme. Wie lange dauert es, diese alle durchzusehen?

(Lacht) Ja, das ist eine immense Aufgabe. Jeder Film ist im Schnitt zehn Minuten lang. (angestrengtes Rechnen auf beiden Seiten)…. Das macht 34720 Minuten, also über 500 Stunden. (weiteres Rechnen) also über drei Wochen am Stück Film schauen.

Wer schaut sich das alles an?

Seit vier Jahren ist das Festival Bestandteil eines Praxisseminars bei den Medienwissenschaften der Uni Halle. Im Seminar sitzen zehn bis zwölf Studenten, und aus denen bildet sich die Gruppe „Disposition“ mit einem Tutor und mir als Festivalleiter. So kümmern sich zumeist bis zu sechs Leute um die Filme. Jeder Film wird von mindestens drei Leuten angeschaut und bewertet. Die Studenten organisieren dann Kurzfilmwochenenden oder schauen verteilt über die Wochen die Filme.

Was für ein Feedback bekommt ihr von Filmenden und der Industrie?

Es gibt viel Feedback. Die Filmemacher freuen sich, dass sie ausgewählt wurden. Auch haben wir gute Kontakte zu anderen Festivals. Mit dem Klikk Amsterdam Animations Festival organisieren wir in diesem Jahr das Länderprogramm. Problem ist allerdings, dass wir gerne die Filmemacher auch zu uns einladen wollen, um direkten Kontakt mit ihnen aufzubauen. Aber eine Förderung für Reisebudget gibt es nicht. Dankenswerterweise unterstützt uns der Studierendenrat der MLU und daraus speist sich zum Teil unser Reisebudget. Wir hatten letztes Jahr einen wunderschönen Kurzfilm aus China. Aber bekommen Sie diesen Filmemacher mal mit wenig Geld in ein Flugzeug nach Halle. Das ist quasi unmöglich.



 

Was für ein Publikum besucht das Festival?

In den Sälen sitzt schon eher ein studentisches Publikum und eben filmintererssierte Leute. Wobei wir bei den Kurzfilmprogrammen im Puschkino im letzten Jahr auch ein Publikum der Altersgruppe 60plus begrüßen konnten. Die haben sich nach dem Programm auch bei uns bedankt und gesagt, dass es ihnen gefallen hat.

Rund um das Festival gibt es ein breites kostenloses Workshopangebot. Habt ihr ein Bildungsinteresse?

Ja, wir machen einige Workshops für Kinder, die sind noch viel umfangreicher als das, was man im Festivalprogramm sieht. Ich finde, Medienbildung ist wichtig, und so ein Festival eine gute Plattform dafür auch Kindern das Medium nahezubringen. Wir bieten integrative Workshops oder einen Kinderjuryworkshop. Es ist für mich immer spannend, wie sich die Kinder verhalten, wenn sie Filme machen, und es ist sehr schön zu sehen, wie sich die Kinder dann freuen, ihre eigenen Filme auf großer Leinwand zu sehen.

Kannst du noch normal Filme schauen?

(lacht) So ganz geht das tatsächlich inzwischen nicht mehr. Ich mag verrückte Filme wie „Fargo“ oder schaue auch Serien, wie „Dirk Gentlys hollistische Detektei“ bei Netflix – da kann man ordentlich lachen. Aber ich unterrichte in Grundlagenseminaren in der Ausbildung bei den Medienwissenschaften, dort analysieren wir jede Menge Film. Also, ich schaue Filme anders als früher und muss mir Mühe geben, das Analysieren sein zu lassen.

Dann wird diese Frage sicher schwer zu beantworten sein. Hast du einen Lieblingsfilm? Und welcher Film ist der am besten gemachte Film?

Oh je! (Schweigen, Nachdenken) Es gibt so unglaublich viele Filme. Also ‚der am besten gemachte‘ Film war für mich in letzter Zeit der dritte Teil der Marvel-Reihe „Avengers - Infinity wars“. Aber meine Lieblingsfilme, was das Zusammenspiel von Dialog, Geschichte, Bild, Regie und Schauspieler angeht … (Nachdenken) Puuh, darf ich drei auswählen?

Ja :-)

Ok! „Psycho“, das Original von Alfred Hitchcock, „Lucky Number Slevin” von Paul McGuigan und „Es war einmal in Amerika” von Sergio Leone.

Christian, vielen Dank für das Gespräch.

http://www.monstronale.org