Monstronale 2018 - Sehnsucht im Film

(Foto: Monstronale 2017)

Die diesjährige Monstronale hat sich dem Thema „Sehnsucht“ verschrieben – denn was beschriebe das Kino und seine Motivation besser als dieses Wort. Wir schauen uns Filme an, die uns an andere Orte und in andere Situationen projizieren. Wir sehen andere Länder, andere Menschen, träumen uns in surreale Umfelder. Der Film kann uns alles zeigen. Was wir als Zuschauer bestaunen können und wollen. Es baut die Sehnsuchtsräume in uns auf und entlässt uns mit dem Gefühl der teilweisen Befriedigung aus dem dunklen Raum der Vorstellung.



Das Programm der Monstronale auf Sehnsüchte konzentriert

Besucher auf der Monstronale. (Foto: Monstronale)

Der Eröff nungsfi lm „Original Copy – Bollywood ist unser Leben“ (2015) widmet sich dem Kino als Ort, an dem Wunder geschaff en werden können. Ein altes Kino im Herzen Mumbais beschäftigt den letzten Filmplakatmaler – nichts wird hier gedruckt. Auch die Filme rattern immer noch in 35-mm-Kopien durch die museumsreifen Projektoren. Doch das Kino ist ein sinkendes Schiff in Zeiten der Modernisierung. Die Frage stellt sich, was denn Kino eigentlich bedeutet.

Nach einem Wettbewerb der Shortdocs, einem Kinderprogramm „Wilde Wesen“ inklusive Wettbewerb, einem Kurzfi lmprogramm, der legendären Festivalparty in der Goldenen Rose am Freitag und einem Programm zum Länderfokus Polen schließt das Festival mit dem Film „The Purple Rose of Cairo“ (1985) von Woody Allen ab. Jener spielt mit der Idee, dass Zuschauer und Filmdarsteller in keinerlei Berührung stehen – oder vielleicht doch? Was ist, wenn eine Hauptfigur die Kinoleinwand durchbricht und in der „echten“ Welt existiert? Können die anderen Schauspieler den Film so überhaupt zu Ende spielen?



Das Programm 2018 auf einen Blick

11. April 20.00 Uhr Peissnitzhaus

Eröffnungsfilm
 ORIGINAL COPY – BOLLYWOOD IST UNSER LEBEN

Deutschland 2015 / Dokumentarfilm / 95 Minuten Regie: Florian Heinzen-Ziob, Georg Heinzen


Das Kino „Alfred Talkies“ im Herzen Mumbais ist aus der Zeit gefallen. In dem alten Hindi-Filmpalast rattern immer noch 35mm-Kopien durch die museums- reifen Projektoren. Billige B-Pictures, in denen viel geprügelt und noch mehr geschossen wird. Ein sinkendes Schiff, auf Kurs gehalten von einer unerschrockenen Crew: Der distinguierten Chen, die das Kino eigentlich nicht übernehmen sollte, weil sie eine Frau ist. Dem peniblen Manager, der genau weiß, was sein Publikum will. Und dem kettenrauchenden Filmplakatmaler, der im Stil alter Meister hinter der Kinoleinwand sein Atelier betreibt. Eine Mischung aus Künstler, Guru, Komödiant und Philosoph. Hier gewinnt am Ende immer noch das Gute, und die Schönheit triumphiert über das Chaos.

12. April 20.00 Uhr Großer Saal Puschkinhaus

SHORTDOCS

Wettbewerb für dokumentarischen Kurzfilm Jurypreis (600 €) Publikumspreis (400 €)

13. April 9.00 Uhr Großer Saal Puschkinhaus

Kinderprogramm „Wilde Wesen“

Kurzfilme für Kinder ab 9 Jahren und Präsentation der Workshopfilme aus den Workshops des Festivals und des „Wilde Wesen“ Workshops.

13. April 10.30 Uhr Großer Saal Puschkinhaus

Kinderfilmwettbewerb „Wilde Welten“

Jurypreis (500 €) Publikumspreis (300 €) Der Jurypreis wird durch eine gewählte Kinderjury vergeben.

13. April 20.00 Uhr Großer Saal Puschkinhaus

Kurzfilmprogramm Thema: „Sehnsucht | Desire“


anschliessend Podiumsdiskussion zum Thema

14. April 20.00 Uhr Großer Saal Puschkinhaus

Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb des Monstronale Festivals

Internationale Kurzfilme mit Preisverleihung 1. Preis 900 €, 2. Preis 700 € & 3. Preis 500  €

15. April
 19.00 Uhr Peissnitzhaus

Kurzfilmprogramm Länderfokus: Animationsfilme aus Polen

15. April
 21.00 Uhr Peissnitzhaus Abschlussfilm des Festivals

THE PURPLE ROSE OF CAIRO

USA 1985 / Spielfilm / Regie: Woody Allen



New Jersey während der großen Depression: Die sensible Kellnerin Cecilia ist unglücklich mit ihrem Leben und ihrer Ehe mit dem grobschlächtigen, primitiven Arbeiter Monk. Sie flüchtet sich in die Phantasiewelt des Kinos. Ihr Lieblingsfilm ist „The Purple Rose of Cairo“, in dem der Schauspieler Gil Shepherd den Abenteurer Tom Baxter spielt.Die Filmfigur Baxter durchbricht eines Tages die Leinwand und steht vor Cecilia. Beide verlieben sich ineinander. Der Vorfall hat jedoch Folgen: Die restlichen Filmfiguren können den Film nicht zu Ende spielen und sind jetzt auf der Leinwand gefangen.



Das sechste Monstronale Festival endete am Sonntagabend

Nach fünf fulminanten Festivaltagen und 62 Filmen endete die sechste Ausgabe des Internationalen Monstronale Festivals, das unter dem Thema „Sehnsucht“ vom 11. bis 15. April 2018 in Halle an der Saale stattfand. Unzählige Besucher begeisterte das Festival mit seinem vielfältigen, internationalen Kurzfilmprogrammen. Aus den insgesamt 2086 Einreichungen aus 104 Ländern wählten Festivalleiter Christian Schunke und sein Team Kurzfilme für die Wettbewerbskategorien Shortdocs, Kinderfilm und Internationaler Wettbewerb. In den drei Wettbewerben wurden sieben Gewinnerfilme durch eine Experten-Jury und das Publikum gekürt und ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 3900 Euro vergeben. Ergänzt wurde das Repertoire durch den kuratierten Länderfokus Animationsfilme aus Polen. Die Festival-Klammer bildeten zwei Langfilme: Der Dokumentarfilm Original Copy – Bollywood ist unser Leben und der Woody Allen Klassiker „The Purple Rose of Cairo. Abgerundet wurde das Programm durch Workshops-Angeboten für Schülerinnen und Filmemacherinnen, sowie die Festival-Party.

Die Gewinner des Shortdocs-Wettbewerbs Am Donnerstagabend, den 12.04.2018, wurden im Puschkinhaus die Preisträger des Shortdocs-Wettbewerbes gekürt. Neun dokumentarische Kurzfilme buhlten dabei um die Stimmen der Jury und des Publikums. Der mit 600 Euro dotierte Jurypreis ging an den Filmemacher Samuel Pattey aus der Schweiz, der mit seiner animierten Dokumentation „Travelogue Tel Aviv“ die Jurymitglieder Dr. Steffi Ebert, Medienwissenschaftlerin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Thomas Jeschner, Produzent von Sunday Filmproduktion und Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IMWS überzeugte. Patteys Film basiert auf Eindrücken, die er während seines Auslandssemesters in Tel Aviv gesammelt hat. Die Jury zeigte sich begeistert: „Der Film ist ein facettenreicher Animadoc über ein Leben in Extremen. Eine Reise, die Lust auf mehr macht und die dramaturgische und gestalterische Möglichkeiten des Genres klug einsetzt.“

Den mit 400 Euro dotierten Publikumspreis gewann der chinesische Filmemacher Hu Jinghuan mit seinem Film „Yiyis moving castle“, in dem er eine alleinerziehende Taxifahrerin begleitet, die ihr dreijähriges Kind täglich, häufig auch nachts, mit zu ihrem Arbeitsplatz nehmen muss. Beide Preise wurden vom science2public e.V. gesponsert.



"Wilde Welten" und internationaler Wettbewerb

Beim Kinderfilmwettbewerb "Wilde Welten" am Freitagvormittag, den 13.03.2018, ging der mit 500 Euro dotierte Jurypreis an Bastiaan Schravendeel mit seinem Animationsfilm „Scrambled“. Im Film verpasst die 19-jährige Esra ihren Zug und vertreibt sich die Zeit, indem sie auf ihrem Smartphone spielt. Doch dann gewinnt plötzlich etwas anderes ihre Aufmerksamkeit: Ein alter Zauberwürfel.

Die sechsköpfige Kinderjury aus der Heideschule begründete ihre Wahl für den niederländischen Film wie folgt: „Der Film zeigt, dass es auch andere Dinge gibt als ein Handy.“

Die begeisterten Schülerinnen und Schüler wählten als Gewinner des mit 300 Euro dotierten Publikumspreises den Animationsfilm „Stone Wings“ von den argentinischen Filmemachern Francisco Cerchiara und Sofia Gariazzo. Der Film handelt von Kid, einem kleinen Mädchen, das von einem Monster aus dem Wald heimgesucht wird. Eines Tages entschließt sich Kid, diesem nachzulaufen. Die Preisgelder für den Kinderfilmwettbewerb wurden von der HWG, Robert Lacroix und Sunday Filmproduktion gesponsert.

Am Samstagabend, den 14.04.2018, fand als Höhepunkt des Festivals der Internationale Wettbewerb im Puschkinhaus statt bei dem insgesamt drei Preise vergeben wurde. Zehn Filme hatten die Chance auf einen dieser Preise und die Jury bestehend aus Franka Sachse, Filmemacherin und Dozentin für Animation in Weimar und Kassel, Daniel Herrmann, künstlerischer Leiter der Werkleitz Gesellschaft und Alina Cyranek, Filmemacherin, die Qual der Wahl.

Der erste Preis, dotiert mit 900 Euro, ging an den Animationsfilm “Flower Found!” von Jorn Leeuwerink aus den Niederlanden, dessen Platzierung die Jury wie folgt begründete: “Ein vermeintlich niedlicher Kinderfilm hält uns einen Spiegel vor: Kein Hinterfragen, kein Differenzieren, schnelles Urteilen. Der erste Preis geht an einen Film, der in einer naiven Ästhetik politische Dimensionen aufzeigt”.

Der zweite Preis in Höhe von 700 Euro ging an die Filmemacherin Kiana Naghshineh und ihren Animationsfilm “Augenblicke”. Hierzu die Begründung der Jury: “Der Film erzählt virtuos, extrem präzise und kurz - 3:45 Minuten in Bildern und Bildfolgen die Gefühlswelt einer Betroffenen.”

Der dritte, mit 500 Euro dotierte Preis ging ebenfalls in die Niederlande, an den Filmemacher Jan van Gorkum für seinen Spielfilm “Game Night”, von der Jury beschrieben als “Eine pointiert inszenierte Humoreske, die uns in geschickten Spielzügen zum unerwarteten Ziel führt”.

Die Preisgelder des dritten Wettbewerbs wurden von der HWG, Rademacher Immobilien und Dr. Michael Glatzel bereitgestellt.

Wir gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern des 6. Monstronale Festivals.

Festivalleiter Christian Schunke vom Plan 3 e.V. zeigte sich angesichts des erfolgreichen sechsten Festivals äußerst zufrieden und gestärkt, für die anstehende Konzeption der siebten Ausgabe.