Spektrum Bildhauerei – In Bild Gehauenes in der ganzen Stadt

Im Frühling haben sich vier Kultureinrichtungen in Halle (Saale) zusammengetan, um möglichst vielen Kunstinteressierten einen ganz besonderen Kosmos zu eröffnen: das Spektrum Bildhauerei.

Im Kunstmuseum Moritzburg findet die erste umfassende Werkschau der 1949 geborenen Berliner Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach statt. Sie wird kontrastiert von der Präsentation des bildhauerischen Gesamtwerks des großen Expressionisten Franz Marc (1880–1916). Außerdem ist die Ausstellung des Gustav-Weidanz-Preisträgers 2021, Willy Schulz, geboren 1990, zu sehen, der sich explizit mit dem Initiator des Preises, dem früheren Professor für Bildhauerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Gustav Weidanz (1889–1970), beschäftigt. Ihm widmet das Museum innerhalb seiner Sammlungspräsentation „Wege der Moderne“ eine kleine Präsentation im Dialog mit einer zeitgenössischen Intervention von Willy Schulz. Im Gerichtszimmer des historischen Talamts im Südflügel der Moritzburg werden in einem fünften Teilprojekt das „Spektrum Bildhauerei“ erweiternde Arbeiten aus der Sammlung Kunsthandwerk & Design des Museums gezeigt. Das Verbindende der aus drei Jahrhunderten stammenden Werke ist ihre Materialität aus Porzellan.

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zeigt in ihrer Galerie im Volkspark mit „in relation to“ Positionen junger Bildhauer/-innen aus Deutschland. Es werden plastische und raumbezogene Arbeiten präsentiert, die durch ihren ungewöhnlichen Umgang mit Formen und Materialien sowie das Zusammenspiel mit anderen Medien überzeugen und die dazu anregen, die Bildhauerei als Gattung in der Gegenwartskunst zu befragen. Mit dem Titel „in relation to“ wird auf eine Arbeitsweise zahlreicher junger Künstler/-innen aufmerksam gemacht, die Überlegungen und Entscheidungen zum plastischen Prozess mit anderen Bereichen verknüpfen. Dies betriff t im Künstlerischen zum Beispiel den Übergang zum Zweidimensionalen wie zum Malerischen oder Textilen und im weiteren Sinne die Frage nach Schnittstellen.

Die Kunsthalle „Talstrasse“ ergänzt den Reigen mit drei weiteren Projekten. Hier steht mit „Eisen- und Stahlplastik. Aspekte einer Entwicklung“ die Metallbildhauerei im 20. Jahrhundert im Fokus. Die Ausstellung wird dabei eine Linie von Werken der Klassischen Moderne bis zu jüngeren Entwicklungen ziehen. Es werden sowohl europäische Positionen als auch deutsche Künstler/-innen vorgestellt werden. Ein integrierter, besonderer Teil der Schau wird sich darüber hinaus dem Thema Schmuck aus eben diesen Materialien widmen. Ergänzt wird diese Ausstellung von einer Präsentation der Werke Karl Müllers (1888–1972) und Dorothea Prühls, geboren 1937, im Kabinett sowie dem Skulpturenpark im Felsengarten,  in dem im Sommer der 1972 geborene Bildhauer Erik Neukirchner aus Hennersdorf bei Chemnitz zu Gast ist.

Im Sessionssaal der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg widmet sich die Ausstellung „Grete Budde. Werke für die Universität“ einer der ersten Frauen, die sich als Künstlerinnen der Bildhauerei und Porträtplastik verschrieben. Über Grete Buddes Werk wird außerdem der Bezug zu den Lebensläufen jüdischer Professoren hergestellt. Beispielhaft werden Leistungen und die Prägung von Forschung und Lehre durch jüdische Wissenschaftler an der Universität Halle vermittelt. Die Biographien und Einzelschicksale zeigen ein diff erenziertes Bild von Identitäten, Ausgrenzung, Verdrängung und Solidarität in der NS-Zeit.
Alle vier Standorte sind durch ein Band zahlreicher bildhauerischer Positionen im öffentlichen Raum miteinander verbunden – von der Talstraße und der Burg Giebichenstein zu beiden Seiten der Saale über die Peißnitz bis zum Universitätsplatz können mehr als 50 Arbeiten von halleschen Künstler/-innen entdeckt und damit das Spektrum der Bildhauerei in Halle erkundet werden.

Alle Teilprojekte finden sich wieder auf der Website www.spektrumbildhauerei.de und werden ab April 2022 über ein gemeinsames Posterfaltblatt und eine Plakatierung kommuniziert.