Neues Buch zu Spotify: Forscher präsentieren Schattenseiten des Musikdienstes

Der Musikstreaming-Dienst Spotify galt lange als die Lösung für Probleme der Musikindustrie. Dabei arbeitet der Anbieter selbst intransparent, sammelt viele Daten von seinen Nutzern und nutzte in seiner Anfangszeit sogar illegal bezogene Musik.

Dies und mehr beschreiben Forscherinnen und Forscher mehrere schwedischer Universitäten und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in ihrem neuen Buch "Spotify Teardown". Darin berichten sie auch, wie der Konzern versuchte, ihre Forschung zu unterbinden.

Der Musikstreaming-Dienst Spotify galt lange als die Lösung für Probleme der Musikindustrie. Dabei arbeitet der Anbieter selbst intransparent, sammelt viele Daten von seinen Nutzern und nutzte in seiner Anfangszeit sogar illegal bezogene Musik. Dies und mehr beschreiben Forscherinnen und Forscher mehrere schwedischer Universitäten und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in ihrem neuen Buch "Spotify Teardown". Darin berichten sie auch, wie der Konzern versuchte, ihre Forschung zu unterbinden. Spotify wurde 2006 in Schweden gegründet. Mittlerweile ist das Unternehmen stark gewachsen und weltweit tätig: 2018 arbeiteten mehr als 4.000 Menschen für den Anbieter, der 207 Millionen aktive Nutzer hat.

Das Geschäftsmodell: Nutzerinnen und Nutzer können sich bei dem Dienst registrieren und anschließend beliebig viele Titel aus einer Musikbibliothek abspielen. Gegen eine monatliche Gebühr funktioniert der Dienst werbefrei. Musikerinnen und Musiker erhalten pro abgespielten Titel eine Vergütung. "Wir wollten herausfinden, wie Streaming im Kulturbereich funktioniert und wie es diesen verändert", sagt der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Patrick Vonderau von der MLU. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universitäten in Umeå und Stockholm in Schweden erforschte er für mehrere Jahre Spotify. Das aus dieser Zusammenarbeit entstandene Buch besteht aus vier Kapiteln, die sich mit verschiedenen Facetten des Musikdienstleisters befassen. Dazu gehören etwa Interviews, Beobachtungsstudien und weitere Analysen zum Angebot des Unternehmens.

Ergänzt werden diese Ausführungen durch kurze Interventionen, in denen die Autoren innovative Forschungsansätze und -methoden vorstellen, mit denen sie mehr über die Mechanismen hinter den Kulissen erfahren wollten: Die Forscher gründeten zum Beispiel ihr eigenes Musiklabel und stellten mehrere Songs auf der Plattform ein. "Wir konnten zeigen, wie leicht es ist, das Vergütungssystem für Musiker mit Hilfe von Bots zu manipulieren", sagt Vonderau. Außerdem analysierten die Forscher Daten, die ihre Computer an Spotify sendeten, während sie Musik hörten.

Diese Experimente blieben nicht lange unbemerkt: Nach Bekanntwerden wandte sich Spotify in einem Brief an den Schwedischen Forschungsrat, der die Arbeit der Wissenschaftler förderte. Das Unternehmen monierte, die Forscher hätten mit ihrer Arbeit gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform verstoßen. Der Forschungsrat solle die Förderung des Projekts einstellen - was dieser aber nicht tat.

"Das, was Spotify heute macht, hat nicht immer mit Musik zu tun", resümiert Vonderau. Das Unternehmen kooperiert zum Beispiel mit öffentlich-rechtlichen Sendern, die ihre Radiobeiträge direkt bei Spotify zum Hören anbieten können. Erst kürzlich gab Spotify zudem bekannt, dass es die US-Podcastfirma Gimlet für 230 Millionen US-Dollar gekauft hat. "Das Geschäftsfeld weitet sich immer weiter aus. Außerdem sammelt Spotify viele Daten von seinen Nutzern, bei denen der Verwendungszweck unklar ist", so Vonderau weiter. Das Unternehmen sei mittlerweile zu einer Plattform mit Monopolstellung geworden. Die Forscher fragen daher nach weiterführenden Regulierungen für derartige Konzerne.

Über das Buch: Eriksson M., Fleischer R., Johansson A., Snickars P. & Vonderau P. Spotify Teardown. MIT Press (2019). ISBN: 978-0-262-03890-4