Kloster Michaelstein bekommt digitalen Zwilling

Per Mausklick durch die Geschichte spazieren – das ist ab 4. Dezember möglich, denn dann geht das Kloster Michaelstein in Blankenburg (Harz) als virtuelles Museum online.

Was große Museen von Weltrang vormachen, funktioniert nun auch hier: Vom heimischen Sofa aus können Besucher des virtuellen Museums unter www.kloster-michaelstein.de auf Erlebnistour gehen, durch die Klosterräume flanieren und sich mittels einer Zoomfunktion die Exponate ganz genau ansehen. „Die Fertigstellung dieses aufwendigen digitalen Projekts kommt in Zeiten der Corona-Pandemie gerade zum richtigen Moment, denn virtuell hat das Kloster natürlich immer geöffnet“, sagt Museumsleiter Simon Sosnitza. „Für uns ist es eine großartige Möglichkeit, unsere Schätze in den Fokus zu rücken und Menschen neugierig zu machen.“ Dazu Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, der das virtuelle Kloster am 4. Dezember eröffnen wird: „Seit Corona unser Alltagsleben bestimmt, mussten sich viele Institutionen die Frage stellen wie man insbesondere Kunden und Besucher in diesen Zeiten überhaupt noch erreichen kann. Das Virus hat uns zur Entwicklung von neuen digitalen Formaten gezwungen, das war für viele wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ein gutes und gelungenes Beispiel für diese neuen Ansätze ist das virtuelle Kloster Michaelstein.“

Mit hunderten Fotos zum digitalen Zwilling

Hunderte hochaufgelöste Rundum-Fotos wurden in der Software der Firma Matterport zu einem digitalen Zwilling des Klosters Michaelstein zusammengesetzt. Wie in einem Videospiel bewegt sich der Besucher per Mausklick durch die Klosterräume. Bilder, Videos und Musik hauchen den alten Mauern und den Exponaten Leben ein und entfachen die Lust am Entdecken. Am Eingang werden die Gäste vom Museumsleiter per Videobotschaft begrüßt und können sich dann frei im virtuellen Museumsraum bewegen. Musikinstrumente aus der Sammlung erklingen, Kulturvermittler erläutern Funktionen von Räumen und Exponaten und zukünftig können für Klein und Groß auch Spiele angelegt werden.

Dass künftig weniger Gäste den Weg ins Kloster finden, weil sie zu Hause auf dem Sofa ihren virtuellen Rundgang ja schon gemacht haben, befürchtet Simon Sosnitza nicht. „Ganz im Gegenteil. Ich hoffe auf einen inspirierenden und animierenden Effekt. Der virtuelle Museumsrundgang ist eine völlig neue Erlebnisart, er macht neugierig auf das reale Erlebnis. Letzten Endes kann ich das Musikinstrument nur vor Ort im Museum spielen, den Lavendel der Klostergärten nur hier riechen oder die Jahrhunderte alten Mauern nicht nur sehen, sondern auch wirklich berühren.“

Kein Ersatz für das richtige Museum

Das virtuelle Museum wolle und könne also kein Ersatz für das reale Museum sein, es biete aber sinnvolle digitale Lösungen zur Ergänzung des bestehenden Kulturangebotes an. So können sich Menschen, die das Kloster Michaelstein bisher nicht kannten, bereits im Vorfeld einer Reise von der Attraktivität des Klostermuseums überzeugen – und das von jedem Ort der Welt aus. „Das sind völlig neue Möglichkeiten. So hat zum Beispiel der Harzurlauber bereits vorab Kenntnis von unserem Kloster und ist nicht auf die Flyer angewiesen, die er erst vor Ort in der Touristeninformation findet. Er kann seinen Urlaub besser planen.“

Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Risikogruppen, die wegen der Corona-Pandemie auf das Reisen verzichten, bietet das virtuelle Museum überdies einen wichtigen Aspekt der Teilhabe, müssen sie doch für das Museumserlebnis nun nicht mehr unbedingt direkt vor Ort sein.

Mit dem virtuellen Museumsrundgang werden aber auch junge Menschen angesprochen. Schulklassen können nun mithilfe der virtuellen Interaktion ihre Unterrichtsthemen, Wandertage oder Ausflüge im Klassenzimmer vorbereiten und besuchen zum Abschluss eines Projektes dennoch den originären Ort im Harz.

Für Museumsleiter Simon Sosnitza ist „Kloster virtuell“ insgesamt ein Grund zur Freude „Wir sind das erste Museum in Sachsen-Anhalt, das nicht nur 360°-Panoramen anbietet, sondern virtuell mit Bild und Ton vollumfänglich zugänglich ist. Mit moderner Technologie lassen wir den Museumsbesuch zu einem interessanten Onlineerlebnis werden, der die Einzigartigkeit des realen Klosters Michaelstein nur unterstreicht. “

Neben Michaelstein ist auch das Altmärkische Museum in Stendal mit der dieser Technik digitalisiert worden. Michaelstein bietet darüber hinaus jedoch nicht nur in zahlreichen Videosequenzen weitergehende Informationen an, sondern auch buchbare Online-Führungen: Zu regelmäßigen Terminen oder nach individueller Vereinbarung stellen Museumspädagogen, die Kustodin oder auch der Museumsleiter selbst ihr Kloster vor und können dabei auch auf Besonderheiten eingehen, wie zum Beispiel die Inschriften im Kreuzgang, die wie eine Art von frühneuzeitlichen Graffiti, Spuren der ehemaligen Klosterschüler aus dem 16.  und 17. Jahrhundert zeigen.

Das Kloster Michaelstein

Das ehemalige Zisterzienserkloster Michaelstein in Blankenburg (Harz) ist ein touristisches Highlight an der Straße der Romanik: Hier treffen Geschichte, Natur und Musik aufeinander. Ein Rundgang durch die Klosterräume und die sehenswerte Anlage mit ihren Klostergärten vermittelt einen Eindruck mittelalterlichen Lebens. Die interaktive Ausstellung „KlangZeitRaum“ spürt mit historischen Instrumenten und Experimentierstationen dem Geheimnis der Musik nach.

Ausführliche Informationen findet man unter www.kloster-michaelstein.de.