Klaus Völker - Das Schweigen der Kommunisten

Zum Theater der Welt Festival 2008 kam das "Schweigen der Kommunisten" auf die Bühne. Kulturfalter sprach vorab mit dem Theaterhistoriker, Dramaturg und Publizist Klaus Völker, der das Stück in Halle mit Schauspielern der Kulturinsel zum Festival inszenierte.

Die Inszenierungen von Luca Ronconi in Turin und Jean-Pierre Vincent in Avignon sorgten für viel Jubel, reichlich Gesprächsstoff und holten das Theater zurück auf die politische Bühne. Grundlage des Stückes „Das Schweigen der Kommunisten“ sind Briefwechsel des Gewerkschafters Vittorio Foa mit den Ex-Kommunisten Miriam Mafai und Alfredo Reichlin – 10 Jahre nach der Selbstaufl ösung der Kommunistischen Partei Italiens, mit der einmal ein Drittel der Bevölkerung sympathisierte. Warum verlor die Partei, die für den Neuanfang und Demokratisierungsprozeß entscheidend war, abrupt an Zustimmung? Die drei prominenten Intellektuellen reflektieren ihre Erfahrungen, um sich den Fragen der Zukunft zu stellen, der Globalisierung und der veränderten Arbeitswelt. Vincents französische Bearbeitung löste im letzten Jahr eine erneute Auseinandersetzung über das Scheitern des Kommunismus aus. Theater der Welt 2008 bringt diesen Funken in eine Stadt der ehemaligen DDR. Kulturfalter sprach vorab mit Klaus Völker, der das Stück in Halle mit Schauspielern der Kulturinsel zum Theater der Welt Festival inszeniert.

Herr Völker, Haben sie schon eine Ahnung, wie sie den Briefwechsel umsetzen werden?

Nein ich habe noch keine Ahnung. Ich bin jetzt erst dabei und muss mal schauen. Ich habe auch noch kein Bühnenbild im Kopf oder so. Aber das wird es auch nicht groß geben, denn die Briefe sollen im Mittelpunkt bleiben. Es wird aber ein geistiges Abenteuer, es wird unterhaltsam im positiven Sinne und anregend.

Ist der Kommunismus denn tot oder schweigt er nur?

(Überlegt lange) Naja das Komische ist, das der Kommunismus eigentlich weg ist, aber der Antikommunismus immer noch da ist. Man hat Angst vor dem Kommunismus und wenn der Antikommunismus noch existiert, dann muss der Kommunismus ja eigentlich auch noch da sein.

Könnte die erstarkende Linke in Südamerika ein Vorbild für Europa sein?

Ob sie ein Vorbild sein könnte, weiß ich nicht. Sie hat dort weniger mit dem Glauben gemein als bei uns und es haben sich viele Ungleichheiten nach Südamerika verlagert. Das hat sicher auch zum Erstarken der Linken beigetragen. Es ist viel Gutes daran, aber nicht alles.

Es gibt eine Theorie, die besagt, dass wenn alle Menschen Aktien kaufen, dann gehen die Produktionsmittel in die Hand des Volkes über und dann haben wir ja eigentlich den Kommunismus? Eine Vision?

Eine interessante Idee, aber das werden die Reichen nicht zulassen. Dann kann ja keiner mehr etwas mit den Aktien verdienen und die die jetzt mit Aktien verdienen, werden sich dieses nicht aus der Hand nehmen lassen. Es erinnert mich an Peter Handkes „Die Unvernünftigen sterben aus.“ Der Unvernünftige ist ein Störfaktor in unserer Gesellschaft, zumal wenn er Visionen hat.

Zurück zum Stück, denken Sie, dass es in Halle, einer Stadt in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik – eine sozialistische Diktatur mit dem großen Endziel Kommunismus, eine ähnliche Diskussion geben wird wie bei den anderen Aufführungen?

Ich denke schon und hoffe sehr darauf. Diese politische Trägheit mit ihren „Scheinwahlen“ – die Leute wissen nicht, warum sie wählen, das sollte durchbrochen werden. Keiner hat das Gefühl, dass mit Wahlen etwas erreicht wird und die Politiker sind nicht die Vertreter der Leute, die sie wählen. Das ist bedauerlich. Mir ist ein Politiker lieber, der reinen Wein einschenkt, das ist sinnvoller als jedes Wahlversprechen. Ich denke auch, dass die Leute hier sensibler sind, weil ja viele hier noch direkte Erfahrungen mit dem Kommunismus gemacht haben. Wie wird der Funke überspringen? Oh ich denke, das wird durch den Briefwechsel und dem was darin steht schon kommen. Ich habe einiges auch neu übersetzen lassen und ich hoffe auch, dass sich die Lokalpolitik sehen lässt.

(Martin Große, Kulturfalter)

Zur Person  

Klaus Völker, Jahrgang 1938, ist Theaterhistoriker, Dramaturg und Publizist zugleich. Bereits während des Studiums an der Goethe-Universität Frankfurt und der Freien Universität Berlin war er als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Studentenbühnen tätig und schrieb Theaterkritiken. Zwischen 1969 und 1985 war Völker als Dramaturg an Schauspielbühnen in Zürich, Basel und Bremen tätig, zuletzt am Schillertheater in Berlin. Von 1993 bis 2005 war er als Rektor der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin tätig.