Das Nichts oder ein hoffnungsvoller Reset

Der Vorhang öffnet sich für Jonas Schüttes "Nichts". (Foto: pr)

Wer schon alles hatte, braucht sich nicht wundern, wenn er irgendwann einmal vor dem Nichts steht. Was dies bedeutet, wenn man das Prinzip auf die Welt des Theaters überträgt, zeigt Jonas Schütte ab dem 21. April im Theater Mandroschke in seiner neuen Produktion „Nichts“. Vorab sprach Kulturfalter-Redakteur Sebastian Krziwanie mit dem Regisseur über sein neues Stück.

Herr Schütte, Ihr neues Stück „Nichts“ ist die Fortsetzung des Stückes „Alles – Die Welt in einer Box – an einem Abend“, welches im vergangenen Jahr Premiere feierte. Muss man denn „Alles“ gesehen haben, um „Nichts“ zu verstehen?

Muss man natürlich nicht. Aber besser wäre es, weil der zweite Teil des Stückes natürlich Bezug auf den ersten nimmt sowie Zusammenhänge zwischen beiden erklärt.

Nun gäbe es im April im Mandroschke an zwei Abenden die Möglichkeit, „Alles“ noch einmal zu sehen. Könnten Sie für all diejenigen, die zu diesen Terminen nicht können, kurz erklären, worum es im ersten Teil geht?

Drei Männer werden aus dem Universum in eine Welt gebeamt, die vollkommen leer ist. Und damit müssen sie sich erst einmal auseinandersetzen. In dem Versuch, damit umzugehen, wird ein abstrakter Raum geschaffen und mit Inhalten gefüllt. Das hört sich natürlich sehr theoretisch an, ist aber durchaus amüsant. Besonders dann, wenn man weiß, dass diese sinnsuchenden Männer Darsteller in einem Theaterstück sind, dies aber selbst nicht wissen.

Und „Nichts“ ist nun das ganze Gegenteil von dieser Sinnsuche?

Richtig. Es klingt paradox, denn in „Nichts“ ist alles vorhanden. Eine klar definierte Welt, in der es alles gibt. Hier finden sich nun unsere drei Protagonisten – ein Anwalt, ein Bänker und ein Fluglinienchef – wieder, und im Laufe des Abends blättert die menschliche Fassade immer mehr ab, bis nichts mehr da ist und nur der Kern der Persönlichkeiten übrig bleibt.

Das klingt nach schwerem Stoff.

Ach nein, das soll es auf keinen Fall sein. Ich bezeichne es eher als komödienhaft gespielte Tragödie.

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Letztlich aus der Welt von Kurt Schwitters. Dieser hat verschiedene Spieltheorien aufgestellt, die ich nun mit einfließen lasse – etwa das Verschmelzen der Elemente.

Und welche Botschaft nimmt der Zuschauer aus dem Stück mit?

Also mit dem Zeigefinger will ich nun nicht hantieren. Aber wenn jemand Anregungen für eine neue Sichtweise auf seine Welt aus diesem Theaterabend mitnimmt, bin ich auch nicht böse.

Wenn man „Nichts“ hört, erinnert es einen sogleich an Michael Endes „Unendliche Geschichte“. Ist Ihr „Nichts“ mit diesem vergleichbar?

Also es ist auf keinen Fall dieses auffressende Nichts von Michael Ende. Ich würde es eher als hoffnungsvollen Reset bezeichnen.

 

 

Vielen Dank für das Interview!
(Sebastian Krziwanie, Kulturfalter, April 2016)