Faber
Faber, (Foto: © Fabien J. R. Raclet)

Faber

Die Musik eines guten Singer/Songwriters besitzt immer auch etwas Heimeliges: Songs wie eine warme Jacke, eine Stimme wie das Nach-Hause-Kommen nach einer langen Reise. Lauter Attribute, die auch auf den Anfang-Zwanzigjährigen Faber aus Zürich zutreffen – und dennoch, etwas Entscheidendes ist anders hier... Die von Akkorden begleitete Gefälligkeit des Genres stellt etwas dar, was der Typ mit dem verschmitzten Blick so gar nicht mit seinen Kollegen teilen will. So ist es gerade der bewusste Verzicht darauf, der ihn zu einem der interessantesten, ja, aufwühlendsten Talente der Schweizer Musikszene werden lässt. Denn Musik und Texte des Zürichers, der eigentlich Julian Pollina heißt, besitzen Widerhaken, es geht an keiner Stelle darum, sattsam bekannte Befindlichkeiten zu paraphrasieren. Kein egaler „Glaub an ich“ - Scheiß, ein Stück wie „ er nicht schwimmen kann, der taucht“ begegnet dem verstörenden Flüchtlingsdrama am Mittelmeer eben auch mit verstörenden Mitteln - überhaupt glänzt Fabers Lyrik gern mit Brecht‘schem - Effekt. Hier werden Gewissheiten in Frage gestellt, es wird sich selbst aufs Glatteis gelockt. Denn mal ehrlich... nur relaxed mit Klampfe und C-Dur am Kaminfeuer sitzen, das wäre doch einfach zu langweilig. So erfüllt sich dann auch gerade live Fabers Punkbackground. Neben ruhigen und ergreifenden Momenten nimmt sein Folk immer wieder rasante Fahrt auf, wobei das Setting mit Bassist und einem Drummer, der gleichzeitig (!) Posaune spielt, zusätzlich zu Fabers Gesang und Gitarre stets etwas von einem durchgeknallten Straßenmusik-Happening besitzt. „Abstinenz“ lautet der Titel der aktuellen EP und ihr Eröffnungsstück erzählt davon, wie es ist, zu Boden zu gehen. Kein Appell ans Aufstehen, eher eine berührende Hymne ans Unten-Sein. „Mir macht es Spaß, Sachen anders rum zu drehen“, so Faber selbst. Doch auch wenn Faber stets sehr pointiert von Vereinzelung singen mag, bleibt ihm selbst dieses Schicksal in Zürich erspart. Zusammen mit der Clique rund um das Labelkollektiv „Lauter Musik“ nutzt er die Möglichkeit, gegen all die strukturelle Langeweile immer wieder anzuspielen, dagegen anzufeiern. Jetzt kann es richtig losgehen, jetzt geht es richtig los.

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