(Vor)geschichte Scheiben-Weise im neuen Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Das Landesmuseum für Vorgeschichte. (Foto: Hörentrup)

Fast anderthalb Jahre galt es für den archäologisch interessierten Museumsbesucher in Halle auf den umfangreichen Fundus des Landesmuseums in der Richard-Wagner-Straße zu verzichten. Seit Herbst 2006 wurde das 95 Jahre alte, deutschlandweit erste Museumsgebäude für Vorgeschichte saniert. Nach der Auslagerung bisheriger Archiv- und Büroräume ist der historische Bau nun wieder als reines Museum zur Besichtigung offen.

Mit seinen über 10 Millionen Sammlungsstücken zählt das hallesche Landesmuseum für Vorgeschichte zu den wichtigsten archäologischen Museen Mitteleuropas. Die weltberühmte Himmelsscheibe von Nebra aus dem Jahre 1600 vor Christi Geburt, die als älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheit bereits vor zwei Jahren Publikum aus aller Welt nach Halle gelockt hat, wird auch in der neuen Dauerausstellung zu bewundern sein, die mit ihren völlig neu gestalteten Teilbereichen (Alt-, Mittel-, Jungsteinzeit, Bronzezeit) allerdings mehr als bloß informative Kulisse für den Publikumsmagneten Himmelsscheibe ist. Das von ausgewählten Archäologen, Restauratoren, Künstlern und Gra kern gemeinsam gestaltete Gesamtkunstwerk der neuen Installationen muss sich nicht hinter seinem Prachtausstellungsstück verstecken. Der neugierige Besucher bekommt einzigartige Einblicke in den Alltag der ersten Bewohner Mitteldeutschlands und erlebt Auge in Auge mit wilden Höhlenlöwen, imposanten Mammuts und nachdenklichen Neandertalern eine abwechslungsreiche Entdeckungsreise zu den Wurzeln der europäischen Menschheitsgeschichte.



Ob Totenkammer, Jagdrevier oder Schamanenbehausung, das Landesmuseum macht auch die räumlichen Be ndlichkeiten vergangener Zeiten erfahrbar. Die Inszenierung von stein- und bronzezeitlichem Leben lassen ein realistisches Bild unserer Vorzeit und Urahnen entstehen, das auch den durchschnittlichen  Museumsmuffel aus seiner gelangweilten Lethargie reißen dürfte. Und wen der Blick zurück auf die menschheitsgeschichtlichen Anfänge zu noch ausgedehnteren Museumsbesuchen animiert, der kommt ab Mai auch wieder bei wechselnden Sonderausstellungen auf seine Kosten.

Mehr Museumsluft zu schnuppern gibt’s dann für Jung und Alt in einem breit gefächerten Begleitprogramm mit klassischen Führungen, Sonderaktionen, Vortragsreihen und museumspädagogischen Veranstaltungen. Seinen eigenen Jäger- und Sammlertrieb befriedigen kann man außerdem anschließend im hausinternen Museumsshop, wo es für jeden Geschmack und Geldbeutel gut nachgemachte Mitbringsel aus der mitteldeutschen Urzeit zu erstehen gibt, so dass dem runden Abschluss eines sowohl geistig anregenden wie seelisch befriedigenden Museumserlebnis ab Mai nichts mehr im Wege stehen dürfte.

(Barbara Wolf, Kulturfalter)


Vergangene und aktuelle Ausstellungen im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle macht immer wieder mit großen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Neben dem Highlight - der Himmelsscheibe von Nebra - gibt es also oft etwas neues und spektakuläres zu entdecken. Im folgenden haben wir eine kleine Auswahl.

Aktuelle Ausstellungen im Landesmuseum Halle

Die Suche nach dem Weltengeheimnis

Im Zentrum der Ausstellung stehen die einmaligen Überreste einer Alchemistenwerkstatt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, die kürzlich bei Ausgrabungen in der Lutherstadt Wittenberg entdeckt wurden.

Die Ausstellung läuft noch bis 5. Juni 2017.  Weitere Informationen.

Vergangene Ausstellungen im Landesmuseum Halle

Krieg - Eine archäologische Spurensuche

Die archäologische Erforschung des Phänomens »Krieg« hat in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht: Schlachtfelder und Befestigungen wurden ausgegraben, Massengräber geborgen, unzählige Skelette mit Verletzungsspuren untersucht, Waffen sowie bildhafte Darstellungen und historische Texte analysiert – mit fundamentalem Erkenntnisgewinn. Das Landesmuseum für Vorgeschichte zeigte nun auf 1.000 m2 und mit Hilfe von prägnanten Objekten aus über 60 europäischen Museen und Sammlungen erstmals die wichtigsten Aspekte dieser Forschungen im Rahmen einer Sonderausstellung.

Die Ausstellung lief bis zum 22. Mai 2016. Weitere Informationen.

3300 BC Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt

Die Welt des Ritualortes Salzmünde ist eine Welt der Ahnen, mysteriösen Zeichen und rituellen Handlungen. Die moderne Wissenschaft ringt diesen Rätseln Lebensgeschichten einzelner Menschen ab und entschlüsselt die Mechanismen des Handelns. Nun ist es an dem Besucher selbst, einzutauchen in die fremde, längst vergangene Welt vor über 5.000 Jahren. Im Jahr 2014 das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle eine neue Sonderausstellung, die das Schicksal der dort Bestatteten beleuchtet und es dem Besucher möglich macht, mit Hilfe modernster Untersuchungsmöglichkeiten den Kriminalfall Salzmünde selbst zu rekonstruieren.

Die Ausstellung lief bis zum 9. Dezember 2013. Weitere Informationen.