Geschichte eines Kreativquartiers

Das Inteckta Kaufhaus von Innen. (Foto: Andre Kehrer)

Vor über 100 Jahren eröffnete in der Großen Ulrichstraße ein hochmodernes Bekleidungskaufhaus. Als die Auftraggeber, die Händler für Bekleidung Brümmer & Benjamin, das fertige Jugendstilgebäude zum ersten Mal betraten, waren sie bestimmt beeindruckt. Schon allein die Lichthofarchitektur der Gebrüder Giese, die als bedeutende Architekten maßgeblichen Anteil an der gründerzeitlichen Umgestaltung der Stadt hatten, muss ein imposanter Anblick gewesen sein: Große Glasflächen, die Stahlskelettbauweise im Innenbereich und die geschützte Lichtkuppel für das Atrium machten das Kaufhaus zu den modernsten Bauten von Halle. So stand das Kaufhaus, das eine gelungene Mischung zwischen Repräsentation und Funktionalität darstellte, prägnant für den wirtschaftlichen Aufschwung Halles.

Wie viele Gebäude der Stadt, wurde es glücklicherweise gleich von zwei Kriegen verschont, sodass es nach 1945 als Möbelhaus genutzt werden konnte. In der Zeit erhielt es als größtes Möbelhaus der DDR auch den prägnanten Namen „Intecta“.

Doch bald war es vorbei mit dem Glanz und im Jahr 1994 musste es nach vielen misslungen Versuchen der Nutzung und Sanierung geschlossen werden. Ganze 20 Jahre stand das Kleinod hallescher Architektur leer. Doch im Oktober 2012 konnte das Intecta endlich wieder seine Pforten öff nen und ist seitdem als Kreativquartier Heimat für Einzelhändler, Büros, Ateliers und einer Praxis sowie für das Kinderund Jugendbuchhaus Krake mit Café und einer Kinder- Radiowerkstatt und natürlich kreativen Firmen wie dem Architekturbüro Däschler, der Kommunikationsagentur KAPPA und dem Trickfi lmstudio „Motionworks“, welches eines der größten Trickfi lmstudios Deutschlands ist.

Im Erdgeschoss gruppieren sich um die spektakulären denkmalgeschützten Treppenanlage neben einem Feinkostladen und einer Fahrradmanufaktur auch der bekannte Laden für Wohnaccessoires „Livingtools“ und die Firma „Licht und Design“, die allesamt als Shop-in-Shop-System gestaltet sind. Da der Eigentümer von „Licht und Design“ einer der Investoren des Intecta-Kreativquartiers ist, war es selbstverständlich das wunderbare Ambiente als Verkaufsfl äche für die hochwertigen Möbel, Licht, Wohn- und Lifestyle Accessoires zu nutzen. Für das kleine Fachgeschäft, welches 1998 in der Magdeburger Straße mit dem Verkauf von Designerleuchten begann, bedeutet der Einzug ins Kreativquartier den Höhepunkt eines erfolgreichen Weges. Denn im Intecta verbinden sich nun die Kompetenzen, die „Livingtools“ und „Licht und Design“ bieten – die Verbindung von Ästhetik und Funktionalität im Bereich Wohnen und innovativer Küchenvarianten.

Doch das Intecta-Kreativquartier versteht sich nicht nur Ort für Ateliers, Büro und kreativen Designhandel. Vielmehr wollen die Besitzer es auch als Kultur-Hotspot der Stadt weiter entwickeln. Ein gelungenes Beispiel für eine solche kulturelle Nutzung ist die Musikreihe „Belle Voci“, welche zusammen mit der Oper Halle im Intecta realisiert wird. Unter dem Titel „Belle Voci – Lieder und Literarisches“ wird das Zentrum des Intecta – der Lichthof im Erdgeschoss – freigeräumt und macht Platz für klassische Themen wie beispielsweise Franz Schuberts „Die schöne Müllerin“. Der Liederzyklus, der zu den erfolgreichsten der Romantik gehört, erklingt am 16. Mai um 20.30 Uhr. Ingo Martin Stadtmüller singt die wunderbaren Gedichte aus Schuberts Zyklus und wird dabei von Michael Smallwood am Klavier begleitet.

Schubert schrieb den berühmten Liederzyklus 1823 im zarten Alter von 25 Jahren. Als Vorlage dienten ihm Gedichte aus einer Gedichtsammlung von Wilhelm Müller. Thema der Gedichte ist die unerfüllte Liebe eines Müllerburschen, der von der Tochter seines Meisters verschmäht wird und sich im Bach umbringt als sie einen Jäger heiratet. Schubert schaff t es auf wunderbare Weise dieses volksnahe Thema mit den verschiedensten romantischen Genrebildern zu verknüpfen. Berühmt geworden ist dieser Liederzyklus übrigens nicht zuletzt durch das einleitende Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“, welches heutzutage schon jedes Kind singen kann. Neben solchen Gelegenheiten, in denen Romantik auf Moderne trifft, wird es im Intecta weitere kulturelle Veranstaltungen geben, die den Anspruch eines kulturen Ortes festigen. So ist beispielsweise eine Veranstaltungsreihe mit den ehemaligen Stouxingers, jetzt Slixs, speziell für den Lichthof im Intecta in Arbeit. Außerdem wird das Kreativquartier im Oktober als erster Hotspot außerhalb Leipzigs im Rahmen der „Designers Open“ fungieren und damit Teil eines der spannendsten Designfestivals in Deutschland sein.

Noch mehr Infos vom Kulturfalter

Weiterführende Links