Augen auf beim Ticketkauf: Datenschutz ernstnehmen

Sie kennen das vielleicht: Ihre Lieblingsband kommt in die Nachbarstadt; also fahren Sie zwei Stunden zum Veranstaltungsort und wollen sich dort schnell die Eintrittskarten für das Konzert sichern. Doch als Sie ankommen, ist die Schlange vor dem Schalter schon einen Straßenzug lang. Vielleicht regnet es sogar. Und im schlimmsten Fall sind die Tickets so beliebt und ihre Zahl ist so begrenzt, dass keines mehr übrig ist, sobald Sie an der Reihe sind.

Online-Tickets bestellen ist in Mode

Für viele gehören solche Erlebnisse aber längst der Vergangenheit an, denn das digitale Zeitalter brachte eine praktische Neuerung hinsichtlich des Kartenkaufs: Online-Tickets, auch bekannt als eTickets. Inzwischen bieten immer mehr Sport-, Konzert- und Kulturveranstalter diesen Service an, der dem Kunden große Vorteile bietet: Im Internet ist dem Event-Begeisterten eine umfangreiche Auswahl an Shows und Vorstellungen jederzeit zugänglich; auf Preisvergleich-Portalen kann er das beste Angebot suchen und aus einer Vielzahl an Zahlungsoptionen die favorisierte wählen. Das persönliche Abholen der Karten ist nicht mehr notwendig, ebenso wenig das lange Warten auf die Ticketsendung per Post. Stattdessen kann die erworbene Eintrittskarte bequem und ohne Zusatzgebühr als PDF heruntergeladen, per E-Mail angefordert oder mit QR-Code aufs Smartphone übertragen werden.



Großer Nachteil: Mangelnde Datensicherheit

Die ernüchternde Tatsache: Beim Thema Datenschutz verhält es sich mit dem Kauf von Online-Tickets genauso wie bei der Nutzung von Online-Shops: Viele Ticketanbieter sammeln routinemäßig die persönlichen Daten ihrer Kunden und analysieren so unbemerkt deren Kaufverhalten. Wenn der Käufer beim Bestellvorgang freiwillig Informationen über sich preisgibt, kann eine Eintrittskarte direkt mit ihm in Verbindung gebracht werden. So geschehen etwa bei den personalisierten Tickets zur Fußball-WM 2006 in Deutschland. Allerdings kann es durchaus passieren, dass sensible Daten auf Dauer gespeichert, weiterverwendet und sogar weiterverkauft werden. Man macht sich dadurch selbst zum "gläsernen Kunden" und braucht sich folglich nicht wundern, wenn mehr und mehr individualisierte Werbung im E-mail-Fach und im Briefkasten landet.

Eigentlich gelten laut Datenschutzgesetzgebung die Grundsätze der Datenvermeidung und Datensparsamkeit. Die Sammlung von Kundeninformationen muss also aus einem guten Grund geschehen, etwa zur Gewährleistung der Sicherheitsvorkehrungen an der Event-Location, sonst ist sie illegitim. Im Falle der Fußball-WM wollte man beispielsweise verhindern, dass bereits bekannte, gewaltbereite Hooligans Zutritt zum Stadion erhalten.



Doch selbst wenn sich die Shop-Betreiber an obige Grundsätze halten, gibt es immer noch eine weitere Gefahr: Cyberkriminalität durch professionell organisierte Hacker. Die Ergebnisse einer Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus dem Jahr 2017 brachte erschreckende Ergebnisse: Mindestens 1.000 deutsche Online-Geschäfte sind anfällig gegenüber Cyberattacken, sodass Hacker theoretisch relativ leicht private Angaben von Käufern abgreifen könnten.

Wie Sie sich schützen können

Wer die Vorteile des Online-Ticketkaufs trotzdem nicht missen will, sollte sich zumindest mit den grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen vertraut machen. Informieren Sie sich beispielsweise über die jeweiligen Ticketverkäufer: Manche Anbieter legen offen dar, welche Informationen sie wie, wofür und wie lange speichern werden. Einige bieten auch die Option, beim Verlassen des Warenkorbs der Datensammlung per Häkchen zu widersprechen. Da dies aber nur selten der Fall ist, müssen Sie selbst aktiv werden und die Sammlung ihrer Daten im Internet so weit wie möglich verhindern oder zumindest eindämmen. Hier ein paar Handlungsvorschläge:

  • Spuren verwischen: Sie sollten Ihren Browser so einstellen, dass während einer Sitzung gespeicherte Daten über Ihr Surf-Verhalten (sogenannte "Cookies") automatisch gelöscht werden.
  • Spionage abwehren: Spezielle Browser-Plugins können dafür genutzt werden, Zugriffe auf die eigenen Daten zu bemerken und gezielt zu blockieren.
  • Gast bleiben: Bedenkt man die Zeitersparnis beim erneuten Einkauf, klingt die Einrichtung eines Kundenkontos durchaus verlockend. Wenn möglich, sollten Sie aber Bestellungen aber stets als "Gast" vornehmen, damit Ihre Daten nicht dauerhaft gespeichert werden.
  • Mit Daten geizen: Gewisse Daten sind für einen Einkauf unerheblich, also geben Sie diese nicht freiwillig an. Die Frage nach einem Geburtsdatum und einer persönlichen Telefonnummer "für eventuelle Rückfragen" deutet darauf hin, dass der Anbieter zu Marktforschungszwecken das Alter und die Herkunft seiner Zielgruppe erfahren will.

Letzten Endes sollten Sie zugunsten Ihrer Datensicherheit Ihre favorisierten Anbieter nicht nur aufgrund eines niedrigen Preises, sondern auch unter Berücksichtigung ihres Umgangs mit Kundeninformationen auswählen.

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