Das Gelbe vom Ei

Am 10. Mai 2011 fand in Halle auf dem Marktplatz eine sehenswerte Kunstaktion statt. Die Künstlerin Simone Schicke lud dafür alle Hallenser ein, ihr Aktionspotential zu zeigen. Hintergrund der Aktion war der legendäre Eierwurf auf Helmut Kohl vor 20 Jahren. Kulturfalterredakteur Nico Elste sprach mit der Künstlerin.

Kulturfalter: Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Eierwurf?

Simone Schicke: Einfach dadurch, dass ich eine Hallenserin bin, die an Kunst im öffentlichen Raum interessiert ist. Wenn sich da ein spannendes Thema ergibt, ergreife ich die Gelegenheit.  

Wie waren die Reaktionen der Hallenser?

Es gab eine sehr gute Resonanz und ich war sehr glücklich darüber, wie die Hallenser reagiert haben. Die Meisten sind der Geschichte des historischen Eierwurfs gegenüber aufgeschlossen – das Konzept, dazu ein Denkmal zu gestalten, ist also aufgegangen.  

Gab es Reaktionen in der Presse positiv/negativ?

Ich habe die Presse ziemlich stark verfolgt. Außer dem Kulturfalter hat im Vorfeld kein anderes Stadtmagazin darüber berichtet. Radio Corax hat das Projekt aber begleitet. Die weitere Presse kam dann überraschend am 10. Mai geballt auf den Markt. Das Thema – es ist ja auch noch immer ein „heißes Eisen“ – wurde von allen halleschen Medien intensiv aufgegriffen.  

Wie viele Menschen haben mitgemacht?

An der Aktion haben sich insgesamt vielleicht 130 Menschen beteiligt, dabei sind 100 Aktionsblätter entstanden. Das Spektrum der Teilnehmer bewegte sich von 73 bis in die jüngste Generation. Als Zeitzeugen kamen dabei 60 Menschen infrage. Bei denen denke ich, dass sie sich bewusst zur Teilnahme entschieden haben.  

Wie viele Beteiligte holten sich die Ergebnisse ab?

Ihr Aktionsblatt haben sich ungefähr 20 Menschen abgeholt und eines habe ich verschenkt.  

Wie viele Besucher waren in Ihrer Ausstellung?

In die Ausstellung kamen ca. fünfzig Besucher. Jetzt baue ich sie gerade ab. Ein letzter Besucher kam gerade und hat mich gefragt, ob er mich mit Eiern bewerfen kann – er machte wohl einen Witz…  

Werfen Sie gerne mit Lebensmitteln?

Gewöhnlich werfe ich gar nicht mit Lebensmitteln. So war die Aktion auch nicht gemeint. Sie war eher als Kunstprojekt gedacht, bei dem die Besucher zur aktiven Teilnahme eingeladen werden sollten. Dafür waren Farbe und Eier vorgesehen – es sollte ja auch das Aktionspotenzial gemessen werden. Ich selbst habe nur einmal ein Ei geworfen, als Test in meinem Atelier.  

Wie würden Sie Ihre anderen Arbeiten kurz beschreiben?

Meine Arbeiten bewegen sich meistens im Spannungsfeld von Gegenwart und Vergangenheit. Ich greife gerne Sachen auf, die gesellschaftliche Relevanz haben. Dabei halte ich den partizipatorischen Aspekt in meinen Arbeiten für sehr wichtig. Der Betrachter soll bei der Kunstwerdung dabei sein.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich denke darüber nach und habe schon ein paar Ideen, die ich gerne umsetzen möchte. Auf jeden Fall wird es sich wieder um Kunst im öffentlichen Raum handeln. Nicht zuletzt deswegen, weil mir die Kommunikation mit den Menschen, die sich beteiligen, sehr viel bedeutet.

Frau Schicke, vielen Dank für das Gespräch!
(Nico Elste, Kulturfalter Mai 2011)

 

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