„Berlin im Licht“ beim Kurt Weill Fest

Prof. Michael Kaufmann ist Intendant des Kurt-Weill-Festes (Foto: Andreas Fruhnert)

51 Veranstaltungen und einige Ausstellungen waren im Februar 2011 zum 19. Kurt Weill Fest in Dessau, der Geburtsstadt des weltbekannten Komponisten, geplant. Im August 2009 hatte Professor Michael Kaufmann die Intendanz des Festivals übernommen. Kulturfalterredakteur Andreas Fruhnert sprach mit dem umtriebigen Kulturmanager über das Festival.

Kulturfalter: Herr Professor Kaufmann, seit einem guten Jahr sind Sie nun der Intendant des Kurt-Weill-Festes, was hat es denn seitdem für Veränderungen gegeben?

Prof. Michael Kaufmann: Neben den Vorbereitungen für das kommende Fest habe ich mich auch mit internen Themen beschäftigt. Unter der Leitung meines Vorgängers Clemens Birnbaum ist das Festival in Umfang und Bedeutung sehr gewachsen, die innere Struktur konnte dabei nicht mehr ganz mithalten. Da wir wollen, dass die Kurt-Weill-Gesellschaft auch bei schwieriger kommunaler Finanzlage stabil bleibt, mussten und müssen wir eine zukunftsfähige Struktur schaffen.

Dessau-Rosslau, eine verhältnismäßig kleine Stadt mit beschränkten finanziellen Mitteln und einer kulturpolitisch angespannten Situation – wie kann sich da das Weill-Fest behaupten?

Wenn grundsätzlich weniger Geld zu verteilen ist, müssen auch wir sehen, wie wir verantwortlich mit dieser Situation umgehen. Auf der anderen Seite kommen weniger als 10% unserer Finanzierung von der Stadt Dessau. Ich glaube damit können wir nachweisen, dass wir viel für die Stadt tun – auch mit den Mitteln, die von außen kommen. Andererseits: Das Kurt Weill Fest ist eine strahlende Marke, die eine Beachtung Dessaus weit über die Region hinaus bringt. Und um überhaupt strahlen zu können, bedarf es auch eines gesicherten finanziellen Fundamentes aus der Stadt.

Damit sind wir beim aktuellen Festivaltitel „Berlin im Licht“ – weshalb der Titel und was kann der Besucher an Höhepunkten erwarten?

Als ich die Intendanz übernahm, war meine Idee, die drei folgenden Feste den drei Lebens- und Arbeitsstationen von Kurt Weill zu widmen. „Berlin im Licht“ ist die erste Station und da gibt es ja den fantastischen Song von Weill „Berlin im Licht“, der gleichzeitig für die 20er Jahre in dieser Stadt steht – mit einem unverkrampften Nebeneinander von Kabarett, Klassik, Jazz und Populärem. Das wollen wir vermitteln. Wunderbar und unverzichtbar ist dabei die Kooperation mit dem Anhaltischen Theater. “Der Protagonist“, Weills erste Oper, wird am Eröffnungsabend Premiere haben und auch „One Touch Of Venus“ aus dem letzten Jahr ist noch einmal zu sehen. Zum ersten Mal wird die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von Antony Hermus dabei sein. Und ganz besonders freue ich mich, dass das gefeierte Ensemble Modern als Residenz-Ensemble das diesjährige Fest mit drei Programmen prägen wird. Ich kann gar nicht alle Höhepunkte aufzählen, die zwischen Sinfonik und Kleinkunst, zwischen Klassik und Jazz liegen.

Dazu gehört in diesem Jahr auch viel Kino – ist nicht sogar eine Premiere dabei?

Genau, die hätte ich auch schon bei den Höhepunkten nennen müssen: Der Franzose Renaud Garcia-Fons hat für den stummen Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ eine märchenhafte Neuinterpretation komponiert, die im Bauhaus ihre Premiere haben wird. Außerdem gibt es im Programmkino Kiez ein kleines Film-„Festival“ mit Filmen aus der Zeit der Weimarer Republik, wie „Emil und die Detektive“, „Kuhle Wampe“ oder der legendäre „Blaue Engel“. Kino – auch eine wichtige Farbe unseres Festivals.

Das Programm des aktuellen Kurt Weill Festes steht, aber da Sie ja einen „Dreisprung“ wagen wollen – gibt es schon Pläne für das nächste?

Ja, nach Berlin war Weills nächste Station Paris und wir wollen im nächsten Jahr das Thema „Exil und Heimat“ näher beleuchten. Ich glaube, so ein Festival ist ein guter Vermittler, scheinbar komplexe gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen für alle verständlich zu präsentieren und erlebbar zu machen – durch die Musik, durch die Kunst.

Herr Prof. Kaufmann, herzlichen Dank für das Gespräch.
(Andreas Fruhnert, Kulturfalter Januar 2011)