„Man sollte alles essen, was schmeckt“

Spiel und Spaß in der Küche mit Katharina Lindt und den Tomatenpiraten (Foto: Nico Elste)

Die Tomatenpiraten sind eine Gruppe junger Hallenser, die Spaß am Kochen und an experimenteller Küche haben. Dabei achten sie auf eine gesunde und vegane Zubereitung. Einmal im Monat kann man das Resultat ihrer kreativen Kochkunst bei einem Brunch in der Goldenen Rose ausprobieren. Kulturfalterredakteur Nico Elste sprach mit Katharina Lindt, einer der Initiatoren der Tomatenpiraten.

Kulturfalter: Ihr nennt euch „Tomatenpiraten“ – was motivierte euch zu diesem Namen?

Katharina Lindt: Es gibt eigentlich keinen speziellen Grund. Als wir die Gruppe gegründet haben, haben überlegt, was wir machen können, und im Internet habe ich dann Popeye gefunden. Da dachte ich: „Super, Popeye, der Held mit Spinat“. Jedoch wollten wir, dass es sich reimt. Lustigerweise war für die Namensgebung auch noch „Gemüsekombüse“ im Angebot, sodass wir mit „Tomatenpiraten“ gleich doppelt zufrieden waren. Zwei Reime sind enthalten und es passt thematisch. Die Tomatenpiraten laden in die Gemüsekombüse. Eigentlich Zufall.  

Euer Credo ist: „Essen macht Spaß“. Außerdem schreibt ihr auf eurer Internetseite, ihr wertschätzt Essen und dessen Zubereitung. Inwiefern passt das zu veganer Küche?

Eine Freundin und ich haben die Tomatenpiraten gegründet und wir haben schon in gewisser Weise einen politischen Hintergrund. Die Leute, die jetzt noch mitmachen, tun das jedoch wirklich, weil es Spaß macht. Viele leben selbst nicht vegan, sondern nehmen die vegane Küche als Ergänzung. Also dass wir uns schon vegetarisch oder gesund ernähren und einmal im Monat die Herausforderung annehmen, uns Rezepte zu überlegen, die vegan funktionieren. Es ist ja auch so, dass dies eine totale Erweiterung der eigenen Essensmöglichkeiten ist, weil man Sachen ausprobieren muss, die man vorher nie gemacht hat und deswegen auf Geschmacksrichtungen stößt, die man nicht kannte. Es soll zeigen, dass es auch anders geht, und dass vegan Leben nicht unbedingt eine Einschränkung sein muss, sondern auch eine Erweiterung sein kann. Die Wertschätzung steckt auch darin, dass vegan Essen auch gesund ist und wir auch darauf achten, möglichst viele Biokomponenten beim Kochen zu verwenden.  

Du sagtest, dass ihr neue Rezepte ausprobiert – wo nehmt ihr sie denn her?

Wir suchen sie uns im Internet. Oder wir probieren, Gerichte, die wir so zuzubereiten gelernt haben, vegan zu kochen. Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir dann unsere Rezepte oder verlinken sie. Beim Kochen stehen wir auf derselben Stufe wie die Leute, die unser Essen dann probieren. Einen Tag vorher kosten wir selbst alle Gerichte und versuchen dann mit dem Brunch andere anzuregen, dass sie es uns nachmachen. Keiner von uns hat allerdings eine Kochausbildung – es ist also alles sehr experimentell.

Seit Februar 2011 organisiert ihr schon monatlich die „Gemüsekombüse“ hier in der Goldenen Rose. Wie ist die Resonanz bisher?

Oh, die ist sehr gut – man muss sogar sagen, dass sie zu gut ist. (lacht) Denn obwohl wir schon jedes Mal mehr kochen, ist das Essen um eins immer schon komplett alle. Deswegen suchen wir auch Leute, die bei uns mitmachen wollen.  

Was wird von den Gästen am liebsten gegessen?  

Ich glaube, die Extrasachen, die es manchmal gibt – die sind sehr begehrt. Normalerweise machen wir viele Brotsorten und dazu verschiedene Aufstriche, Salate und Suppen. Und daneben gibt es häufig Kleinigkeiten extra, wie heute Lasagne und Kuchen oder manchmal auch Couscous-Bällchen – und die sind immer als erstes alle.  

Was plant ihr als „Tomatenpiraten“ für die Zukunft?

Es gibt die Überlegung, unseren Brunch zweimal im Monat anzubieten. Dafür bräuchten wir aber mehr Mitmacher, damit wir uns auch abwechseln könnten. Das wäre jedoch ein Expansionsplan.  

Wie würdet ihr einen Fleischliebhaber von der veganen Küche überzeugen?

Durch das Essen, das wir kochen. (lacht) Ich weiß allerdings nicht, ob es unsere Mission ist, jeden von veganem Essen zu überzeugen. Dann würden wir auf jeden Fall viel deutlicher politische Botschaften verbreiten. Wir wollen jedoch, dass jeder selbst seine Idee findet oder sein Konzept umsetzt. Die Leute sollen angeregt werden, weswegen bei uns alles offen gestaltet ist. Wir betreiben also selbst keine Politik, damit der Rahmen soweit wie möglich offen bleibt und sich so jeder bei uns willkommen fühlen kann.  

Es gibt sehr viele vegane bzw. vegetarische Gerichte, die Fleischgerichte nachahmen oder versuchen, sie geschmacklich zu kopieren. Da gibt es zum Beispiel Seitanburger oder Tofubratwürste. Was haltet ihr von dieser Art der veganen Küche?

Das ist eine schwierige Frage. Die kann ich nur für mich, aber nicht für die Gruppe beantworten. Ich kenne die Ansicht, eine Zubereitung abzulehnen, die tierische Produkte nachahmt, weil man von einem Konzept tierischer Ernährung wegkommen möchte. Ich würde allerdings sagen: Man sollte alles essen, was schmeckt. Und wenn man das ohne tierische Produkte schafft, dann ist es umso besser. Ich habe beispielsweise nicht aufgehört Fleisch zu essen, weil ich den Geschmack eklig fand, sondern aus moralischen Gründen. Aber der Geschmack wäre tendenziell etwas, was mich wieder zurückbringen würde. Deswegen finde ich es persönlich gut, ein Ersatzprodukt zu haben.  

Dann wären wir am Ende …

Ah, ich habe ganz vergessen, die DJ’s zu supporten. „Ted Adrett“ und „Heard Bop“ liefern die musikalische Untermalung unseres Brunchs. „Ted Adrett“ war bis jetzt immer dabei und ohne ihn und seine Musik wäre es bei weitem nicht so lässig.  

Das findet natürlich Beachtung. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Lindt!
(Nico Elste, Kulturfalter November 2011)

 

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