Am Puls der Zeit

Hans Rotman ist Intendant für das Impuls Festival für Neue Musik (Foto: Impuls Festival)

Hans Rotman ist bekannter Dirigent und Intendant des Impuls Festivals für Neue Musik. Anlässlich der zehnten Auflage führte Kulturfalterredakteurin Louise Wilke ein eInterview mit ihm über die Entwicklung von Impuls, seine Leidenschaft für Neue Musik und erfuhr schon ein paar Highlights des diesjährigen Festivals.

Kulturfalter: Woher kommt Ihre Leidenschaft für Neue Musik?

Hans Rotman: Aus der Leidenschaft für Musik, aus der reichen Vergangenheit und der daraus folgenden Neugier darauf, was heute geschaffen wird!

Was macht den besonderen Reiz des Festivals aus?


Impuls ist ein Festival, das durch seine unterschiedlichen Konzertformate für alle Generationen attraktiv ist. Für und mit Jugendlichen und Schülern gibt es die jährlichen Musiktheaterprojekte, für das breite Konzertpublikum die Abonnementkonzerte der sieben an Impuls teilnehmenden Orchester, in denen die Neue Musik sogar anmoderiert wird, und für die Studierenden die Club-Konzerte mit dem MDR Sinfonieorchester. Für junge Komponisten und Dirigenten gibt es dazu die Bauhaus-Dessau-Masterclasses, in denen das „Handwerk“ mit Hilfe von fantastischen Lehrern an der Praxis getestet wird. Für das Publikum übrigens ein interessante Erfahrung, Musik im Prozess ihres Entstehens mitzuerleben.

Vergangenes Jahr setzten sich junge Komponisten, Dirigenten und das Publikum mit Migration auseinander. Was ist das Thema im Jahr 2017 – ist es ebenso politisch angehaucht?

Jedes Festival, das sich mit der Musik von heute beschäftigt, muss unbedingt auch am Puls der Zeit sein. Junge Komponisten reflektieren mit ihren Kompositionen aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft. Genau das macht solche Festivals so spannend! 2017 bekommt Impuls ein holländisches Motto: „Volharding“, was soviel bedeutet wie „Dran bleiben“, und „Standhaftigkeit“. Für mich als Holländer starke Begriffe, um in Zeiten von Lügen und Populismus Werte wie Wahrheit und Demokratie zu stärken.

Was war der Anlass/ Grundgedanke, der vor zehn Jahren zur Gründung des Impuls Festivals führte?

Dass in einem Land, das zurückschaut auf ein reiches Barockerbe mit Impuls auch die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Womit kann man die alten Meister Bach, Händel und Weill besser ehren als mit einer lebendigen Szene der Musik von heute?

Wie sind Sie Intendant für das Festival geworden?


Der Landesmusikrat hat sich schon 2007 stark gemacht für diese Idee. Ich arbeitete damals für das Kunstfest Weimar und für die Staatskapelle Halle und habe mich sehr für die Vermittlung neuer und klassischen Musik engagiert . Ein breiter Kreis an Komponisten, Professoren und Musikern unter der Leitung von Prof. Kupke, unterstützt vom Kultusministerium, hat mich dann gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte.

Das Impuls Festival für Neue Musik feiert dieses Jahr Jubiläum, wie hat sich das Festival in den zehn Jahren entwickelt?

Wir sind mit dem Ziel gestartet, die Neue Musik „lekker zu machen“, wie das auf holländisch heißt. Inzwischen haben wir von Jahr zu Jahr ein immer größeres Publikum davon überzeugen können. Genau so wichtig für den Erfolg war, das Netzwerks für Neue Musik mit den Orchestern und Theatern, mit Schulen und Hochschulen, mit der Stiftung Bauhaus über die Jahre immer weiter auszubauen. Damit hat Sachsen-Anhalt ein Alleinstellungsmerkmal erreichen können.

Gibt es wesentliche Unterschiede in der Rezeption zwischen der Neuen Musik in Holland und der in Mitteldeutschland?

Eindeutig. In Sachsen-Anhalt machen wir gerade vor, wie man eine Neue-Musik-Szene gestalten kann, in dem man ein Netzwerk vor Ort mit den Orchestern im Land aufbaut. Holland hat dagegen tolle spezialisierte Ensembles und eine seit über 40 Jahre gut aufgebaute Infrastruktur für Neue Musik. Aber Neue Musik wird sicher immer wieder durchsetzen müssen, beim Publikum und in der Politik. Ob in Holland oder Mitteldeutschland.

Im Jahr 2006 wurden Sie von Klaus-Maria Brandauer beauftragt, die Musik für sein Mozartprogramm zu komponieren.  War das für Sie ein besonderer Meilenstein in Ihrer Karriere?


Es war eine schöne Zusammenarbeit, und sicherlich eine Meilenstein für die Aufmerksamkeit, die meine Musik bekommen hat!

Sind Sie heute noch als Komponist tätig?


Gerade aktuell, denn zur Zeit arbeite ich für die Impuls-Festivaleröffnung an der Oper Halle am 11. Oktober, zusammen mit einer jungen Kollegin, der chinesischen Komponistin Leyan Zhang, an einem Musiktheater.

Kann man anlässlich des Jubiläums mit einem besonderen Programm rechnen? Vielleicht verraten Sie schon ein paar Highlights?

In Halle sind das die Festivaleröffnung mit dem Musiktheater „Spiel im Sand“ in der Oper Halle, die Konzerte mit der Staatskapelle und das „Lutheroratorium“ in der Händelhalle auf Texte von Christoph Hein, und natürlich das MDR Orchester und einem DJ mit einem Trump-Concerto im Steintor. In Dessau ist die wunderbare Bauhaus-Masterclasses mit den talentvollen Komponisten und Dirigenten aus acht Ländern am 27.10. und 09.11 ein Highlight. In Magdeburg freue ich mich auf das Wiedersehen mit Wim Henderickx spektakulärer Sinfonie „At the Edge of the World“ auf die gewaltigen Bilder von Anish Kapoor und Thomas Buchholz geheimnisvolle „Danses Imaginaires“ mit der fantastischen Magdeburgischen Philharmonie. Und das sind erst nur 6 der über 25 Veranstaltungen! Überzeugen Sie sich selbst. Kommen Sie und „bleiben Sie dran“.