Männer muss man schlagen

Ingo Appelt hat immer einen guten Spruch auf den Lippen (Foto: Pr)

Er nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt allen schonungslos die Wahrheit ins Gesicht: Ingo Appelt – Pionier und das Enfant Terrible der deutschen Comedy-Szene. Mit seinem Programm „Männer muss man schlagen!“ begeisterte er die Zuschauer in Mitteldeutschland. Wir sprachen mit ihm über sein Programm.

Kulturfalter: Sie haben ursprünglich Maschinenschlosser gelernt, haben aber bald Ihr komödiantisches Talent entdeckt. Was war als Kind Ihr Traumberuf und warum?

Ingo Appelt: Ich habe Maschinenschlosser gelernt, obwohl ich eigentlich Konditor werden und Pralinen machen wollte. Dann bin ich doch bei Siemens gelandet und hab angefangen, Maschinen zu bauen und kleine Ambosse herzustellen. Gleichzeitig war ich politisch ambitionierter Jugendvertreter in der Gewerkschaft. Bei den Gewerkschaftssitzungen kam dann mein komödiantisches Talent zum Vorschein. Dass ich damit einmal meinen Lebensunterhalt verdienen würde, hätte ich damals allerdings noch nicht gedacht.

Kabarettisten bestehen ja auf einer Trennung zwischen Comedy und Kabarett. Vor kurzem habe ich über Sie gelesen, dass Ihr Programm als „beinahe kabarettistisch“ bezeichnet wurde. Empfinden Sie das als Adelsschlag, Herablassung oder ist Ihnen das schlichtweg egal?

Im Grunde ist mir diese Trennung schon egal. Das Wort Kabarettist und auch das Kabarett an sich, sind mir zu theatralisch. Bei den Amis ist das einfacher, dort setzt man sich auf einen Stuhl und trägt sein Programm vor. Wenn es den Leuten gefällt, ist das gut, wenn nicht, ist man halt weg vom Fenster. Mein Motto ist: “Ich rede, also bin ich!”.

Wie sind Sie auf den Tour-Titel „Männer muss man schlagen!“ gekommen? 

„Männer muss man schlagen“ ist ein sehr schöner Titel und ich brauchte einen ansprechenden Titel, mit dem ich Frauen ködern kann. Ich habe nämlich gemerkt: Ohne Frauen geht nix mehr. Ich habe zum Beispiel überwiegend männliche Fans, die aber nicht alleine abends zu mir in die Vorstellung kommen und das heißt, ich brauche die Frauen. Und da muss ich denen gefallen.

Aber begibt man sich mit so einem Titel nicht auf gefährliches Terrain?

So gefährlich ist es nicht. „Männer muss man schlagen“ ist zwar eine etwas provokante These, aber ich finde sie in Ordnung, denn sie ist ja auch im übertragenen Sinne gemeint. Schließlich müssen sich Männer immer gegenseitig übertrumpfen. Außerdem sehen wir neben Frauen auch geschlagen aus; ein Mann wirkt neben einer Frau immer so seltsam peinlich. Wenn Männer beispielsweise Spaß haben – die haben ja eine etwas seltsame Art von Humor, die schmeißen Steine von der Autobahnbrücke runter oder binden sich Sprengstoffgürtel um –, brauchen Frauen nur dazuzukommen und schon wirkt das ganz ganz peinlich. Es ist ein Grundsatzeffekt: Frauen zivilisieren Männer. Wir Männer müssen uns jetzt mal am Riemen reißen, denn so geht es nicht weiter. Wir stehen ein bisschen blöd da: Wir werden eigentlich nicht mehr gebraucht, der Mann als Männlichkeitsidol ist überflüssig.

Und hat es Wirkung gezeigt, kommen jetzt mehr Frauen in Ihre Show?

Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber die Frauen, die sich das Programm angucken, lernen zumindest, dass es ein „Gratulationsprogramm“ ist! Sie haben es geschafft: Männer tragen den Müll runter, pinkeln im Sitzen, überlassen der Frau die Fernbedienung. Männer sind ein Nichts, das macht die Frauen glücklich und dadurch gehen sie zufrieden nach Hause!

Lernen die männlichen Besucher denn auch etwas?

Sie begreifen, dass sie die Verlierer der Nation sind. Sie sind Dienstleister, Arschlöcher, die Absteiger. Aber natürlich motiviere ich die Herren der Schöpfung auch, damit sie nicht in eine Depression verfallen und über sich selbst lachen können. Und das ist wichtig! Ich sehe das ganze als eine Therapiestunde für die Männer, in der die Frauen dabei sein dürfen. Und am Ende ziehen auch die Männer glücklich von dannen!

Und woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Programme?

Die Ideen entstehen meistens aus der Wut. Ich ärgere mich über meine Frau, die Kinder, das Fernsehen und die Kollegen. Mein Privileg ist es, dass ich daraus Comedy machen darf. Außerdem ärgert mich, dass man als Mann immer Schuld hat. Frauen finden dafür immer Gründe. Diese Logik ärgert mich. Das sind Dinge, die man täglich erlebt, die kenne ich von zu Hause.

Haben Sie Verständnis dafür, wenn sich die Leute oft darüber beschweren, dass Ihre Sprüche zu häufig unter die Gürtellinie gehen?

Da mache ich mir nicht mehr allzu viele Gedanken drüber. Ich bin mittlerweile auch nicht mehr daran interessiert, um jeden Preis zu schocken. Wenn ich mir vorstelle mit 85 noch auf der Bühne zu stehen und zu fragen: “Heute schon gefickt?”, finde ich das nicht sonderlich lustig. Das Thema war anfangs noch interessant, ist aber mittlerweile überreizt. Auch Ingo Appelt entwickelt sich weiter. Mein aktuelles Programm „Männer muss man schlagen!“ ist ebenfalls das Ergebnis einer stetigen Weiterentwicklung. Schlimmer ist, dass viele Leute von mir erwarten und mich dazu auffordern, ultimativ böse zu sein. Das geht mir auf die Nerven. Ich bin schon einer, der gemein ist, aber diese Erwartungshaltung, dass man immer der Brutalste und der Gemeinste ist, ist zerstörerisch. Da hab ich was angerichtet, meine Güte. Mein Problem ist einfach, dass ich zu schlau für die Dummen und zu dumm für die Schlauen bin.

Wann hört bei Ihnen der Spaß auf?

Wenn ich wirklich mal daneben liege, weisen mich andere darauf hin. Ich selbst merke so etwas nicht. Bei mir kommt das alles aus dem Bauch heraus und man weiß ja eh nie, wie die Leute drauf sind.

Was erwartet die Zuschauer also, wenn Sie mit Ihrer Tour in die Stadt kommen? Worauf sollten sie sich gefasst machen?

Auf einen rasanten, sehr aufregenden, langen und unheimlich lustigen Abend. Ich habe gerade die neuesten Kritiken gelesen, ­ die sind sensationell. Ich bin erstaunt. So gut war ich noch nie. Ich kann versprechen, dass alle Besucher großen Spaß haben werden und das Zwerchfell ordentlich strapaziert wird. Es wird den Gästen alles wehtun, wenn sie den Saal verlassen.

Herr Appelt, Vielen Dank für das Interview.

Gern geschehen!

(Martin Große, Kulturfalter Dezember 2010)

 

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