Schon bei meinen Schulaufsätzen wurde immer gelacht

Frauke Scheunemann (Foto: Melanie Dreysse)

Frauke Scheunemann, geboren 1969, ist promovierte Juristin. Die Düsseldorferin absolvierte ein Volontariat beim NDR und arbeitete anschließend als Journalistin und Pressesprecherin. Seit 2002 ist sie freie Autorin. Ihre Romane um den kleinen Dackel Herkules waren monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihr neues Buch „ziemlich unverbesserlich“ handelt von der Anwältin Nikola Petersen. Gleichzeitig ist das Buch ein Auftaktroman zu einer neuen Serie. Ein spannendes und humorvolles Experiment fanden wir und so unterhielt sich Kulturfalterredakteur Martin Große auf der Leipziger Buchmesse mit der Autorin.

Kulturfalter: Sie sind bekannt als humoristische Autorin? Wann haben Sie gemerkt, dass Sie mit ihren Texten die Menschen zum Lachen oder Schmunzeln bringen?

Frauke Scheunemann: Das fing bei mir tatsächlich in der Schule an. Meine Aufsätze erregten schon damals Aufmerksamkeit. Es war generell so in meiner Schule, dass manche Schüler dazu aufgefordert wurden ihre Aufsätze vorzulesen. Bei meinen wurde dann öfters gelacht. Und wenn man einmal einen Treffer gelandet hat, dann kann man ja nicht mehr damit aufhören. So fing es an.

Wann entstand bei Ihnen der Wunsch Autorin zu werden?

Ich habe als Studentin journalistisch nebenbei bei der Kulturredaktion der Bildzeitung in Hamburg gearbeitet. Dann habe ich ein Volontariat beim NDR nachgeschoben. Da merkte ich, dass ich lieber schöne Geschichten, als wahre Geschichten schreibe. Das geht als Journalistin aber nicht. Also habe ich mit meiner Schwester zusammen ein Buch geschrieben. Das war so erfolgreich, das wir noch eines geschrieben haben und dann merkte ich, dass ich nur noch als Autorin arbeiten möchte.

Ihr Buch „Ziemlich unverbesserlich“  ist Auftakt zu einer Serie – ein Pilotbuch. Hauptfigur ist die Anwältin Nikola Petersen. Wie groß ist der Erwartungsdruck, wenn man den ersten Teil einer Serie veröffentlicht?

Soooo groß ist er nicht. Es ist ja nicht meine erste Serie und es wird in allen Berufsbereichen mit Druck gearbeitet. Ich denke, es ist nicht schlimmer als in anderen Berufen. Ich denke, dass die Leser die Nikola mögen werden.

Wenn man eine Serie plant, muss man sicher mit viel Bedacht vorgehen, wenn man zum Beispiel Orte und handelnde Personen wählt.  Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Gleich zu Beginn trifft Nikola auf Tiziano. Und diesen gibt es wirklich. Ich war einmal mit meiner Familie im Urlaub am Gardasee. Wir dachten uns, dass wir lange Spaziergänge als Familie machen könnten und so, aber das fanden die Kinder natürlich langweilig. Da sah ich ein Schild, was auf eine Westernranch hinwies. Schließlich sind wir dahin und dachten, dort kann man Pony reiten. Als wir klingelten, öffnete ein Typ im Bademantel, Cowboyhut mit Luftgewehr und einer Dose Bier in der Hand. Wir wollten erst wegrennen. Aber er war doch ganz nett.  Er stellte sich als Tiziano vor. Den fand ich so skurril, dass ich ihn unbedingt in einem Buch mit einbauen wollte. Ich stellte ihm Nikola als Anwältin zur Seite und hatte den Plot für die Geschichte.  Gisela wiederum, die im Buch Volkshochschullehrerein ist, ist gewiss meiner Mutter ähnlich, die auch Lehrerin war. Sie ist sehr bestimmt, aber hat das Herz am rechten Fleck.

 
Geht man bei der Planung einer Serie anders vor, als bei der Planung eines einzelnen Romans?

Auf jeden Fall, wenn man vorher weiß, dass man eine Serie macht, da überlegt man anders. Meine erste Serie handelt von einem Dackel und wie er die Welt sieht. Das war ein klassischer Familienroman, der nicht als Serie vorgesehen war. Da gingen mir irgendwann einfach die Figuren aus. Dieses Mal habe ich drauf geachtet, dass das Personal breiter aufgestellt ist. Und der Vorteil bei einer Anwaltsserie ist: Man arbeitet fallbezogen. (lacht)

Wird es in der Serie auch klassische Krimis geben?

Die Kanzlei der Nikola ist eine klassische Feld- und Wiesenkanzlei. Sie macht alles, aber vor allem Familienrecht. Sicher wird sich da auch mal ein leicht kriminalistischer Fall finden, wie der erste, aber ansonsten sind die Fälle sehr gemischt.

Humor ist eine ernste Sache und bei einer Krimiserie erst recht. Wie entwickeln Sie Handlung und Witz?

Das Meiste passiert beim Schreiben. Bei vielen Dingen, die ich beobachte und mit einbaue, weiß ich allerdings auch schon vorher, dass sie witzig sind. Aber zum Beispiel wusste ich bei Nikola nicht, welcher Mann nun am besten zu ihr passt. Das kam wirklich erst im Verlaufe des Schreibens.

Wer bekommt Ihre Sachen zuerst zum Lesen?

Gleichzeitig mitlesen, tun immer meine Agentin, meine Lektorin und mein Mann.

Natürlich steckt in den Büchern auch immer Autobiografisches. Hat Ihr Umfeld bedenken in den Romanen aufzutauchen?

Inzwischen ist es so, dass die Leute, die mich kennen, damit rechnen in den Büchern mit aufzutauchen. Das merken sie dann, wenn sie das Buch lesen. Aber das ist nicht schlimm. Probleme gab es deswegen noch nie.

Wann kommt der nächste Fall in die Buchläden?

In einem Jahr, das ist ein guter Rhythmus.

Frau Scheunemann, Vielen Dank für das Gespräch.

 

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