Herzlichen Glückwunsch... Sie haben gewonnen!

Dora Heldt (li) und Kulturfalterredakteurin Marie-Theres Böttger (re) auf der Buchmesse in Leipzig. (Foto: MTB)

Buchhändlerin, Verlagsvertreterin und Bestseller-Autorin in Einem. Bärbel Schmidt alias Dora Heldt schaffte bereits im Jahr 2006 durch ihren ersten Roman „Ausgeliebt“ den Sprung auf die Bestseller-Liste. Doch der eigentliche Durchbruch gelang ihr nach ihrem dritten Buch „Urlaub mit Papa“ im Jahr 2008.

Die beiden Freundinnen Christine (45) und Dorothea (40) wollen ihren Urlaub auf Norderney verbringen und gleichzeitig eine Kneipe renovieren. Doch zum Erholen bleibt den beiden Frauen keine Zeit, denn Christines Vater Heinz (73) begleitet sie auf die Insel und übernimmt sogleich die Führung. Somit nimmt das amüsante Chaos seinen Lauf. Dieses Jahr kehrt Papa Heinz in Heldts neuem Werk „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen“ für die Leser zurück. In diesem Teil jedoch ohne weibliche Begleitung an seiner Seite, stattdessen ist sein Schwager Walter (69) mit von der Partie. Die beiden gewinnen für ein Wochenende eine exklusive Reise an die Schlei. Doch bald stellen sie fest, dass „exklusiv“ nicht mit „all inclusive“ gleichzusetzen ist. Wir haben die Autorin auf der Leipziger Buchmesse 2013 bei einem sympathischen Interview zu ihrem neuen Buch und ihrem Leben als Bestseller-Autorin befragt.

Kulturfalter: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Roman über zwei ältere Herren auf einer Kaffeefahrt zu schreiben?

Dora Heldt: Ich wollte nochmal etwas über die beiden ältere Herren schreiben. Ich mag die Figuren Walter und Heinz sehr gerne und so habe ich dann überlegt, was die beiden Herren machen könnten, ohne dass ihre Frauen mit dabei sind. Und somit kam mir die Idee einer Kaffeefahrt.

Haben Sie sich bei den Charakteren Papa Heinz und seinem Schwager Walter von Ihren Familienmitgliedern inspirieren lassen?

Ja, mein Vater ist zwar nicht wie Papa Heinz, aber ich habe dennoch das Gesicht meines Vaters vor Augen, auch wenn er sich nicht so benimmt wie die Figur. Meine Eltern waren auch mal auf so einer Kaffeefahrt. Meine Mutter flog dabei dann raus, als sie meinte „Das ist doch nie im Leben Kaschmir“. Das fand ich wirklich schräg.

Haben Sie so einen Betrug schon einmal selbst erlebt?

Nein, zum Glück noch nicht. Bevor ich mit dem Schreiben des Buches angefangen habe, habe ich erst einmal darüber recherchiert und war ziemlich verblüfft, wie viele doch schon davon betroffen waren. Das Lustige ist, dass mich vor sechs Wochen etwa die Polizei Hamburg angerufen hat und mich fragte, ob ich denn nicht Lust habe, bei so einer polizeilichen Aufklärungsfahrt mitzumachen. Das machen sie mittlerweile regelmäßig, etwa sechs oder sieben Mal im Jahr werden ältere Menschen dazu eingeladen und über die Tricks und Betrügereien bei richtigen Kaffeefahrten aufgeklärt. Das finde ich wirklich sehr toll.

Die beiden Herren dürfen ein Luxuswochenende an der Schlei verbringen. Wieso fiel Ihre Wahl dabei auf die Ostsee und nicht auf eines der Luxuszentren der Welt?

Ganz ehrlich, bei mir ist es so, dass ich nur über etwas schreibe, wenn ich selbst schon einmal dagewesen bin, wenn ich dazu also wirkliche Bilder im Kopf habe. Die Schlei kenne ich ganz gut, weil meine Tante dort gewohnt hat. Luxusfahrten oder auch Kaffeefahrten sind normalerweise ja auch ganz anders.

Müssen Sie, wenn Sie diese unterhaltsamen Romane verfassen, dabei selbst manchmal ein wenig schmunzeln?

Ja, unbedingt, wenn es gut ist. Wenn ich eine Stelle habe und lachen muss, weil ich es mir bildlich vorstelle, dann lasse ich es auch so stehen. Wenn ich etwas nicht komisch finde, dann ändere ich es so lange, bis es mir gefällt.

Sie haben sich ja schon bereits in das Genre der Jugendliteratur begeben. Haben Sie vor, in naher Zukunft wieder ein Jugendbuch zu schreiben oder bleiben Sie lieber bei den Büchern für Erwachsene?

Das Jugendbuch war mal ein Experiment und ich fand es persönlich sehr schwer. Ich habe selbst keine Kinder und ich finde es schwierig, den jugendlichen Ton von heute zu treffen. Es ist nichts schlimmer als diesen Ton nicht zu treffen. Das bin dann auch einfach nicht mehr ich, wenn ich das machen würde. Da ist der Respekt zu groß. Ich tue mich mit Erwachsenenbüchern leichter.

Von Ihren Werken gibt es auch Hörbücher. Was ist das für ein Gefühl, das Selbstverfasste von einer anderen Person vorgelesen zu bekommen?

Das ehrt einen eigentlich. Die letzten Hörbücher habe ich auch selbst gelesen. Als ich zum Beispiel die Verfilmung von „Das Adlon“ mit Josephine Preuß gesehen habe, war es schon ehrenvoll für mich, dass sie ein Hörbuch von mir eingelesen hat.

Zum Teil lesen Sie die Hörbücher auch selbst. Werden Sie das beibehalten oder nur noch lesen lassen?

Das ist immer die Entscheidung des Hörverlages. Es gibt ja zwei verschiedene Formen der Hörbücher, einmal von mir und dann noch einmal von einer Schauspielerin. Es gibt zwei verschiedene Hörerkreise, glaube ich. Gerade wenn ich bei einer Lesung war, finden es einige komisch, wenn nicht ich lese. Dann gibt es aber auch welche, die die Schauspieler bevorzugen. Die können natürlich auch besser vorlesen als ich, das ist keine Frage. Ich hatte Mal einen Fall, dass mir eine Leserin schrieb, die sich das Hörbuch einer Schauspielerin gekauft hatte. Sie war ganz enttäuscht, dass ich es nicht gelesen hatte und kam gar nicht richtig in die Geschichte rein. Ich denke, es ist eben Geschmackssache. Ich finde das Einlesen sehr schön, mir gefällt das. Man ist für zwei Tage am Stück im Studio, es ist ganz ruhig und man ist für sich.

Sie sind gelernte Buchhändlerin und als Verlagsvertreterin tätig, wie kam es denn dazu, dass Sie als Autorin selbst aktiv wurden?

Ich wollte wissen, ob ich das zu Ende bekomme, einfach gucken, ob ich das auch hinkriege. Schon früher habe ich wirklich sehr gerne geschrieben. Ich musste mal etwas machen, wo ich anfangs das Gefühl hatte „Das schaffst du nie“. Dass man sich wirklich diszipliniert verhält, sich jeden Tag hinsetzt und das durchzieht. Das hatte ich lange nicht.

Wie sieht Ihr Alltag momentan aus bzw. wie binden Sie das Schreiben darin ein?

Ich habe wirklich einen Kalender. Die letzten zwei Monate habe ich ganz wenig geschrieben, weil ich eben als Vertreterin unterwegs bin. Nun ist die Vertreterreise vorbei, ich setze mich dann auch wirklich wieder jeden Tag hin und schreibe. Es ist nichts anderes als beispielsweise ein Dienstplan. Man muss es nur mit Disziplin machen und den Hintern hochbekommen. Momentan ist der innere Schweinehund aber etwas größer.

Auf Ihrer Internetseite steht, dass das Schreiben für Sie ‚abtauchen‘ bedeutet. Wie darf man das verstehen?

Man ist einfach ganz für sich. Ich bin gerne allein zu Hause und wenn ich früher tagelang keine Lust hatte wegzugehen oder mich mit Freunden zu treffen, ins Kino zu gehen, und mir dachte bleib lieber hier, dann hatte das nie jemand akzeptiert. Aber wenn ich jetzt sage „nein, tut mir leid, ich schreibe gerade“ dann ist das vollkommen ok, ich solle mich dann einfach melden. Man ist wirklich in einer anderen Welt. Als ich das Buch im November/Dezember zu Ende schrieb, war so schlechtes Wetter bei uns in Hamburg, nur Regen, Schnee und Wind. Jeder hatte schlechte Laune. Aber wenn man sich dann alberne Dialoge ausdenkt, wie zwei Männer im Bus in der Schlei Stockrosen angucken, dann bekommt man wirklich gute Laune. Das meine ich mit Abtauchen. Wenn dann plötzlich das Telefon klingelt, denke ich nur „was, wie, da waren doch eben noch Stockrosen?!“

Frau Heldt, vielen Dank für das Gespräch!

 

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