Uwe Hassbecker ist glücklich – Alles Rot bei Silly

Gebürtiger Hallenser und Gitarrist der Band Silly Uwe Hassbecker (l.) (Foto: Pr)

"Silly" hat Musikgeschichte geschrieben – ostdeutsche vor allem. Doch jetzt kommt die Band raus aus der (N)Ostalgie-Ecke, denn 14 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum haben die Musiker um die 1996 verstorbene Tamara Danz ein neues Album eingespielt, mit Schauspielerin Anna Loos als neuer Frontfrau. Mit „Alles Rot“ will die Band neue Wege einschlagen, Gesamtdeutschland erobern und den alten Fans neuen Stoff für Kopf und Bauch geben. Aus diesem Anlass sprachen wir mit dem Gitarristen Uwe Hassbecker.

Kulturfalter: Hast du als alter Hallenser noch eine Beziehung zu deiner Heimat und war deshalb das erste Konzert im Steintor-Varieté?

Uwe Hassbecker: In Halle habe ich ja meine ersten musikalischen Gehversuche gemacht: im Konservatorium Geige gelernt, in den ersten Bands gespielt, z.B. der „Klink Formation“, das war ne ganz wichtige und prägende Zeit für mich – Halle hatte schon damals was. Zum Auftritt im Steintor kam es aber eher, weil uns Radio SAW unterstützt und die haben kurzerhand ihr Hörerkonzert dahin verlegt.

Ihr habt nach Tamaras Tod ziemlich lange in einer musikalischen Zwischenphase gelebt, wie hat euch Anna Loos als Sängerin überzeugt?

Bei unserem Projekt "Silly und Gäste" stellte sich Anna recht bald als die Richtige für uns heraus, mit genauso viel Begeisterung wie Respekt vor Tamaras Vorleistungen. Aber Anna bringt genau die eigene starke Persönlichkeit ein, die mit uns und unserer Musik funktioniert – das haben uns auch alte Fans bestätigt, die in der Anfangsphase zu Konzerten gekommen sind und eher skeptisch waren. Sie hat genauso viel Energie wie Tamara, aber ansonsten ist sie natürlich ein komplett anderer Mensch.  

Für die neuen Songs habt ihr nach 20 Jahren euren „alten“ Texter Werner Karma wieder aktiviert. Wollte er gleich wieder mitmachen?

Nein, wir hatten in den letzten Jahren viele Texte zugeschickt bekommen und auch Anna hat sich versucht, aber irgendwie hat es nie hundertprozentig gepasst. Später fing Anna an, Werner, der die Band mit seinen Texten über viele Jahre geprägt hat, lange zu überreden – bis aus seinem OK schließlich 14 Songs geworden sind.   

„Alles Rot“ hat von Musik und Texten das gewisse „Silly-Feeling“, trifft aber auch wieder den Nerv der Zeit. Ist für dich ein Song besonders wichtig?

Schwer! Der Titel, den ich gerade beim Wickel hab, der ist mir meist der liebste! Jetzt, drei Monate nachdem das Album fertig ist, entdeckst du die Stücke erst mal wieder neu. Aber einer liegt mir besonders am Herzen: „Sonnenblumen“, weil das ein Lied für Tamara ist. So was kann ja auch ganz schnell in Kitsch abrutschen, aber ich glaub, weil es fast wie ein „Kinderlied“ ist, dass es uns ganz gut gelungen ist.  

Bei der Produktion des Albums, aber auch auf der Bühne wird es langsam generationenübergreifend, denn eure Kinder spielen ja schon fleißig mit.

Ja!! Aber nicht weil sie unsere Kinder sind, sondern weil sie es draufhaben! Jackies Sohn Basti hat alle Stücke eingetrommelt, bis auf eins, bei dem mein Sohn Leo mitspielt. Mein großer Sohn Daniel spielt schon seit ein paar Jahren bei uns Cello und zweites Keyboard. Ich habe das Gefühl, man gibt den Staffelstab irgendwie weiter, ohne ihn wirklich abzugeben.

Seid ihr denn mit der Lifepräsentation eurer neuen Songs schon zufrieden?

Naja, wir sind ja noch in der Promophase. Durch die Präsentation des neuen Albums haben wir momentan nur wenig Zeit zu proben, aber wir arbeiten dran. Ich bin da guter Dinge, die Stücke funktionieren einfach und zur Life–Tour wird alles stehen!  

Uwe Hassbecker, vielen Dank für das Interview. 
(Andreas Fruhnert, Kulturfalter September 2010)